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Ausstellungen

Frieder Burda zeigt seine Kunstschätze

Baden-Baden Mit seinem ersten Bild habe er eigentlich auch seinen Vater schocken wollen, erzählt Kunstsammler Frieder Burda. Erfolglos, erinnert sich der 73-Jährige.

Der Senior habe das provozierend rote Gemälde von Lucio Fontana aus dem Jahr 1967 keinesfalls verachtet, sondern das Werk sogar interessant gefunden. In den kommenden Wochen zeigt Burda dieses Bild, seine «Liebe auf den ersten Blick», neben zahlreichen weiteren Werken aus seiner Sammlung im eigenen Kunsthaus in Baden-Baden. Unter dem Titel «Die Bilder tun was mit mir...» werden mehr als 100 Arbeiten in einer überraschend kontrastreichen Hängung präsentiert, die vor allem Emotionen wecken soll.

«Reine Familiensache» könnte die Kunst-Ausstellung im Museum Frieder Burda eigentlich auch heißen. Denn nicht nur werden die Kunstschätze aus dem Hause Burda im eigenen Museum des Badeners gezeigt - die Ausstellung wird zudem kuratiert von Burdas junger Stieftochter Patricia Kamp. «Ziel war für mich vor allem, die Leidenschaft meines Vaters zur Kunst und zu seiner Sammlung in dieser Ausstellung widerzuspiegeln», sagt die 29-Jährige.

Burdas Sammlung umfasst insgesamt etwa 850 Werke der Moderne. Zu sehen ist in Baden-Baden nur ein kleiner Ausschnitt, darunter unter anderem Bilder und Skulpturen von Anton Henning, Gemälde von Gerhard Richter, Neo Rauch, Mark Rothko, Pablo Picasso und William N. Copley, aber auch eine stählerne Plastik John Chamberlains und Glas- und Spiegel-Skulpturen Isa Gentzkens. Der bunte, großformatige Rauch («Interview») hängt da neben dem grauen Richter, der knallrote Fontana neben den badenden Schönheiten Johannes Hüppis und Copleys «Chelsea Girls» neben einer fast identischen Szene, die Picasso mit «Le couple» sechs Jahre zuvor auf Leinwand gebannt hat.

«Mit den Bildern wollen wir Klänge erzeugen, in jedem Raum wollen wir eine neue Melodie schaffen», sagte der Schweizer Co-Kurator Jean-Christophe Ammann in Baden-Baden. Eine Ausstellung sei keine bloße Addition von Bildern, in der richtigen Hängung könnten die Werke vielmehr Energie auf andere Gemälde übertragen und zu interessanten neuen Deutungen reizen.

Ein Frühwerk von Rothko hängt einer seiner späteren Farbkompositionen gegenüber, bei Richters berühmter «Kerze» und Gregory Crewdsons Häuserfront ist auf den ersten Blick unklar, welches das gemalte und welches das fotografierte Werk ist. Und auf alle Etagen des Gebäudes verteilt sorgt Nedko Solakov mit seinen Tapeten-Kritzeleien, den «doodle drawings», für amüsantes Schmunzeln - und suchende Kunstfreunde.

Immer wieder schenkt Burda in seinem Haus Einblicke in diesen privaten Kunstschatz. Bislang wurden dabei allerdings Schwerpunkten gesetzt zum Beispiel bei einer Schau mit Werken Gerhard Richters, mit Ausstellungen zu Sigmar Polke und Georg Baselitz oder mit einer Präsentation US-amerikanischer Malerei. «Dieses Mal wollen wir als roten Faden den emotionalen Ausdruck der Werke vorgeben und neue, spezifische Dialogsituationen schaffen», sagte Kunsthistorikerin Kamp über ihre Debütleistung. Die Ausstellung schlage «persönlichere Sichtschneisen in die Sammlung als bisher».

Die Ausstellung ist vom 25. März bis zum 20. Juni 2010 dienstags bis sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Hatje Cantz Verlag, 112 Seiten mit Abbildungen, 16,90 Euro). Von Martin Oversohl, dpa

dpa-infocom