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Blumen-Bräuche zu Ostern: Enzian bringt Unglück

Bonn Die Farben des Osterfestes sind das Gelb der Narzissen, die vielen Nuancen der Tulpen und das zarte Birkengrün.

Einige Frühjahrsblüher haben zu dem religiösen Fest durch Aberglauben oder Mythen auch eine besondere Bedeutung erlangt.

Das gilt auch für die Osterglocke. Von den alten Griechen stammt der Mythos vom selbstverliebten Jüngling Narziss, der beim Betrachten seines Spiegelbildes ertrinkt und von den Göttern zu einem Leben zwischen oberer und unterer Welt, zwischen Winter und Sommer, begnadigt wird. Seither erscheint die Narzisse nur ein paar Monate lang an der Erdoberfläche, läutet das Frühjahr und das Osterfest ein, und verschwindet wenige Wochen später wieder in der Erde.

Über einigen Frühjahrsblühern scheint sogar ein Fluch zu liegen. Küchenschelle, Märzenbecher und Lerchensporn kommen in Ostersträußen praktisch nicht vor. Die Hühner legen keine Eier mehr, wenn jemand Küchenschellen pflückt, hieß es früher. Eine Tradition als Vasenblume konnte so nicht entstehen. Ähnliches gilt für Märzenbecher und Lerchensporn. Sommersprossen und kranke Nasen drohen demnach dem Pflücker. Besonders drastisch fiel der Aberglauben beim Frühlingsenzian aus. Wer ihn pflückt, riskiert den Tod eines nahe stehenden Menschen, hieß es. Das war ein wirksamer Naturschutz in keltisch-germanischer Zeit.

Tulpen, Narzissen und Hyazinthen sind mit solchen Vorstellungen nicht belegt. Sie zogen aber auch erst im 17. Jahrhundert in die Gärten ein und sind reine Gartenpflanzen. Für diese gelten andere Regeln als für die Wildpflanzen.

Bei den Primeln ist die Haltung unterschiedlich. Einerseits werden sie als Heilkraut gepflückt und zu Schlüsselblumenwein und als Gicht-, Kopfschmerz- und Herzmittel verarbeitet. Andererseits glaubte man, den Pflückern bleibe das Himmelreich versperrt. Heute stehen die Primeln am Feldrand unter Naturschutz. Aus dem Garten oder aus der Gärtnerei lassen sie sich aber ohne weiteres zu Sträußen binden.

Bei den Sträuchern und Bäumen stammen die abergläubische Verbote, Zweige zu pflücken oder zu schneiden, aus neuerer Zeit. Die ersten reichen Pollen- und Nektarquellen sollen so geschützt werden. Früher durften, ja mussten sie rund ums Osterfest Zweige liefern. Als «Lebensruten» weckten Ebereschen-, Wacholder-, Hasel-, Birken- oder Weidenzweige in alten Fruchtbarkeitsriten die Natur auf. Mensch und Vieh, Wiesen und Felder wurden damit geschlagen, auf dass es ein fruchtbares Jahr werde.

Neun gilt als göttliche Zahl, weil in ihr dreimal die Drei steckt, die wiederum für die Dreifaltigkeit steht. Am Gründonnerstag sollten es daher neunerlei Kräuter sein, die in die Suppe geschnitten werden, heißt ein weiterer Brauch. Das können Schnittlauch, Gänseblümchen, Brennnessel, Spinat, Löwenzahn, Rauke, Feldsalat, Kerbel und Petersilie sein. Aber auch alle anderen frisch gesprossenen Kräuter wie Giersch, Wiesenschaumkraut, Taubnessel oder Vogelmiere eignen sich. Eine gute Wirkung entfaltet die Suppe in jedem Fall, liefert sie doch reichlich Vitamine und entschlackt.

Am Karfreitag wird in manchen Gegenden neunerlei Holz zusammengebunden und in den Stall gehängt, damit sich Hexen und Geister nicht einnisten. Apfel, Birne, Weichsel, Kirsche, Vogelbeere, Haselnuss, Erle, Weide und Birke eignen sich dafür. Auch der Hühnerstall bekommt seinen magischen Schutz vor dem Fuchs durch neun Pflöcke aus den verschiedenen Hölzern geschnitten. Am Ostersamstag schließlich flammen die Osterfeuer auf. Meist wird heute alles verfügbare Holz in den Stößen verbrannt. Aber am besten wecken sie die Natur angeblich, wenn sie aus neun Holzarten geschichtet wurden. So hält der Osterstrauß Narzissen werden zuerst separat in die Vase gestellt. So können sie vor dem Kombinieren mit anderen Blumen einen Tag lang ausschleimen. Alle anderen Blumen sollten immer frisch angeschnitten werden, bevor sie in die Vase kommen. Tulpen wachsen in der Vase weiter. Überragen sie die anderen Blumen, sollten sie vorsichtig gekürzt werden. Frühlingszweige stehen am besten schon ein paar Tage vor dem Fest im Zimmer, damit sich Kätzchen, Blüten und Blätter entwickeln. Auch Zweige werden immer angeschnitten. Stagniert ihre Entwicklung, wird das Stielende kurz in heißes Wasser getaucht. Von Helga Panten, dpa

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