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Monarchie

Schnitzeljagd mit Prinzessin im Kensington Palast

London Die eine Prinzessin ist kopflos. Die andere ist traurig und schrecklich einsam.

Eine tanzt, eine weint. Sieben Prinzessinnen haben sich im Kensington Palast in London versteckt. Man muss sie nur noch finden.

Mit der Ausstellung «Verzauberter Palast» schicken die Organisatoren die Besucher förmlich auf Prinzessinnen-Schnitzeljagd. Mehrere Designer wie Punkikone Vivienne Westwood oder Hutmacher Stephen Jones haben den Palast - der auch Heimat von Prinzessin Diana war - in ein wahrlich märchenhaftes Wunderkabinett verwandelt.

Ausgerüstet mit einer «Schatzkarte» werden die Besucher durch eine Hintertür in das Heim zahlreicher Könige und Königinnen geschleust. Vögel zwitschern aus Lautsprechern, Stimmen kommen aus dem Nichts. Im Salon der Königin wachsen Bäume, hin und wieder huschen «Detektive» durch den Saal, die Prinzessinnen-Spuren sichern. Magisch, innovativ und interaktiv, beschreibt Kuratorin Alexandra Kim die Schau, die zusammen mit der Theatergruppe Wildworks aus Cornwall entstanden ist und diesen Freitag öffnet.

Der Besucher irrt jedoch ziemlich verloren durch die historischen Gemächer, die so vielsagende Namen tragen wie «Raum der Erleuchtung», «Raum der verlorenen Kindheit» oder «Raum des königlichen Kummers». Die obligatorischen Museumstafeln gibt es nicht und auch von der bekanntesten aller Prinzessinnen, Diana, ist zunächst keine Spur.

Nur soviel wird gleich klar: Der Palast war oft ein Ort der Traurigkeit. Während die Menschen draußen vom Leben als Prinzessin träumten, wurde hinter verschlossenen Türen gelitten. So versteckt sich im «Raum der schlafenden Prinzessin» in einem meterhohen Bett die kleine Victoria - die als Königin im 19. Jahrhundert eine der mächtigsten Frauen der Welt werden sollte. «Aber als Kind war sie unglücklich, sie durfte nie mit anderen Kindern spielen», erklärte eine Mitarbeiterin des Museums. Victoria blieben nur die Träume, in die sie sich flüchten konnte. Um dies zu verdeutlichen, hat der hippe Designer William Tempest ein fliegendes Kleid aus 2000 Origami-Vögeln entworfen.

Prinzessin Mary weinte derweil , weil sie kinderlos bleiben sollte. In ihrem Schlafzimmer schwebt eine Puppe in einem mit Glitzersteinen bestickten Kleid - Sinnbild für die Tränen der späteren Königin, die 1694 im Kensington Palast mit nur 32 Jahren an den Blattern starb.

Nicht heimlich, sondern öffentlich getrauert wurde am Palast aber erst nach Prinzessin Dianas Unfalltod. Im Herbst 1997 pilgerten Hunderttausende vor die Tore des Palastes, wo ein Blumenmeer entstand. Nun stehen die Besucher vor einem Kleid, das die «Prinzessin des Volkes» einmal getragen hatte. In einem Birkenwäldchen steht es, mit Federn besetzt und ganz in Weiß - «der sterbende Schwan», flüstert eine Besucherin ergriffen.

Neben der bekanntermaßen depressiven Diana ist allerdings der Frohsinn zu Hause: Ein Kleid von Prinzessin Margaret, der vor acht Jahren gestorbenen Schwester der heutigen Queen, zeigt die «Party-Prinzessin» mit roten Ballettschuhen. Über ihr schwebt kopflos eine Krone. Kopflos präsentiert sich auch der Entwurf von Vivienne Westwood, der die «rebellische Prinzessin» Charlotte (1796-1817) verkörpern soll.

Es wirkt fast schon wie ein Sinnbild für die Ausstellung selbst, die bis Juni 2012 läuft: Der Besucher soll selbst «kopflos», also ohne Rationalität, durch die Räume wandeln. Historische Details und Hintergründe zu den Lebensgeschichten der Prinzessinnen erfährt er erst im letzten Raum. Erklärt wird davor nichts, was zählt ist die pure Emotion. Von Annette Reuther, dpa

dpa-infocom