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«Alles watte wills»: Oberhausen ist für Entdecker

Oberhausen Wenn man sich früher im Urlaub als Oberhausener outete, wurde man immer bemitleidet.

«Ihr wollt sicher mal blauen Himmel sehen», war die meistgehörte Reaktion, auch als die Fabrikschornsteine, Zechentürme und Hochöfen schon abgerissen waren.

Aber dann kam der späte Triumph. Im nahen Holland hingen zeitweise Werbeplakate, in denen für drei Städtetrips geworben wurde: London, Paris und - Oberhausen. Und in diesem Jahr ist die Metropole Ruhr Europäische Kulturhauptstadt - mit Oberhausen mittendrin.

Den Städteurlaubern ging es bisher zugegebenermaßen meist um das CentrO, das «größte Einkaufszentrum Europas», aber egal. Vor einem Vierteljahrhundert hätte man es nicht für möglich gehalten, dass auf den Industriebrachen am Autobahnkreuz mal Hotels für Touristen gebaut werden würden, eine Riesenarena, ein Freizeitpark, ein Musicaltheater und ein Aquarium. Das CentrO, eine von Parkhäusern eingefasste Shopping-Mall, verzeichnet im Jahr 23 Millionen Besuche.

Die meisten Touristen beschränken sich auf diese Glitzerwelt. Dabei ist Oberhausen besser als sein Ruf. Es ist vielleicht keine Stadt für Genießer, aber eine Stadt für Entdecker. Die «Wiege der Ruhrindustrie» entstand aus dem Nichts, in einer Art Goldgräberstimmung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Gold war die Kohle. Die Stiche und Fotos im LVR-Museum in einer ehemaligen Fabrik hinter dem Hauptbahnhof zeigen noch das gewaltige Industriepanorama, das bis in die 80er Jahre Bestand hatte. Oberhausen konnte damals spektakulär sein, vor allem in der Abenddämmerung: Die Ruß spuckenden Kokereien, die aus den Hochöfen flackernden Stichflammen, untermalt vom ewigen Rattern der Güterzüge.

Von der Gutehoffnungshütte zeugen heute noch das ehemalige Hauptlagerhaus, das Werksgasthaus und der Gasometer, «Europas außergewöhnlichste Ausstellungshalle». Im gläsernen Panorama-Aufzug schwebt man an der Innenseite des ehemaligen Gasspeichers zur Aussichtsplattform und bekommt dort das ultimative Oberhausen-Feeling. «Wenn die Sonne versinkt über der A3, is der Rest der Welt dir total einerlei. Und dann stehste auffem Gasometer im Sturmesbrausen. Und alles watte wills is Oberhausen.» Sangen die Missfits, auch aus Oberhausen.

Die Gutehoffnungshütte baute 1844 die erste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets: Eisenheim, heute pechschwarz eingerußt von längst gesprengten Hochöfen. Eine Bank vor dem Haus, hintendran ein Gärtchen und auf dem Dach ein Taubenschlag - die pure Ruhrgebietsidylle. Wie die Betriebschefs wohnten, lässt sich in der Gartenkolonie Grafenbusch besichtigen.

In den vergangenen Jahren wurden viele Parkanlagen nach und nach restauriert. Das schönste Beispiel dafür ist der Grillopark in der Innenstadt, hinter dem sich das Rathaus wie ein Ozeanriese aus einem Meer von Bäumen erhebt.

Die alte Innenstadt hat unter der Konkurrenz des CentrO sehr gelitten. Die Kaufkraft wurde umgeleitet, auf der Marktstraße hielten Billigketten Einzug. Oberhausen hat es aber auch nicht leicht, die hoch verschuldete Stadt muss sich völlig neu erfinden. In den 70er und 80er Jahren ist die traditionelle wirtschaftliche Basis nahezu komplett weggebrochen. Die neue Erlebnislandschaft in der Neuen Mitte ist da sicher nicht der schlechteste Rettungsanker.

Informationen: Ruhr.Infolounge, Tourist Information, Willy-Brandt-Platz 2, 46045 Oberhausen, Telefon: 0208/82 45 70, E-Mail: tourist-info@oberhausen.de.

Informationen zu Oberhausen: www. oberhausen-tourismus.de

Webseite der Shopping-Mall: www.centro.de

Ausstellungshalle: www.gasometer.de Von Christoph Driessen, dpa

dpa-infocom