pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Theater

Uraufführung «Die Nacht, die Lichter» umjubelt

Leipzig Stoffbeutel gehören im ersten Teil des Abends zur Grundausstattung der Protagonisten.

Alkohol ist hingegen von der ersten bis zur letzten Minute dabei - und nicht nur auf der Bühne.

Zur Uraufführung der Bühnenfassung seines preisgekrönten Erzählbandes «Die Nacht, die Lichter» gönnte sich Leipzigs Literatur-Star Clemens Meyer (32) im Theatersessel einen Whisky und Sekt. Den Whisky vor der Aufführung, den Sekt danach. «Das war voll gut, richtig gut!», freute er sich über das Zwei-Stunden-Stück unter der Regie von Sascha Hawemann im Leipziger Centraltheater. Auf der Bühne agierten sechs Schauspieler in wechselnden Rollen; aber immer als strauchelnde Glückssucher, die in tristen Gegenden leben und sehnsüchtig auf den großen Wurf hoffen.

«Scheißviertel, Scheißtreppenhaus, Scheißbriefkasten», heißt es gleich beim ersten Auftritt. Auf der Bühne befinden sich drei riesige Kästen mit Vorhängen, die als Zimmer fungieren. Sie sind karg eingerichtet und wirken trist wie Plattenbauten. Der schimpfende junge Mann trägt ein Unterhemd, eine Hose mit offenem Reißverschluss, einen Stoffbeutel und eine Bierflasche. Auf dem Boden seines Zimmers sind weitere Flaschen verstreut. Zwischen Briefen vom Arbeitsamt, das jetzt Jobcenter heißt, findet er plötzlich handgeschriebene Post aus Havanna.

Zwei Kästen weiter sitzt ein junger Mann mit Brasilien-T-Shirt und Mexiko-Hut - der Autor des Briefes. Er schwärmt vom Strand in Havanna und vom 30 Jahre alten kubanischen Rum. Sein Kumpel in Deutschland klagt, auf wackligen Beinen, laut und lallend: «Ich stehe auf meinem Balkon auf leeren Bierflaschen, und Wolfgang sitzt in Kuba. Am Meer.» Plötzlich taucht im mittleren Kasten ein Mann im Bärenkostüm auf. «Ich war früher Postbote. Jetzt bin ich Bär!», sagt er im tiefsten Sächsisch und hat die Lacher des Publikums auf seiner Seite.

In der Literatur-Adaption wechseln sich szenische Lesungen der Dialoge mit freiem Schauspiel ab. Manchmal hüpfen die Schauspieler zu lauter Rockmusik enthemmt auf der Bühne herum, dann wieder rauchen sie eine gefühlte Ewigkeit lang eine ganze Zigarette, ohne dabei irgendetwas zu sagen. Manche Worte gehen im Wirbel unter, manche Bewegungen und Aktionen erscheinen ohne Sinn. Doch zum Schluss klatscht und pfeift das Publikum lange. Meyer springt aufgeregt auf die Bühne, um sich dort vor dem Ensemble zu verneigen. Er war für den Erzählband vor zwei Jahren mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden.

dpaq.de/nacht

dpa-infocom