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Umweltorganisationen kritisieren "Kniefall vor der Fischereilobby

Artenschutzkonferenz in Doha: Wirtschaft oder Arten schützen?

Doha Über 42 Anträge haben die Delegierten der internationalen Artenschutzkonferenz Cites in Doha abgestimmt.

Am Ende kamen dabei nur wenige gute Nachrichten für die Tierwelt heraus.

Für die Meerestiere war die Artenschutzkonferenz im Emirat Katar ein Desaster. Am letzten Tag stieß das Abschlussplenum selbst den zuvor einzigen erfolgreichen Antrag zum Schutz von Fischen noch einmal um. Er sollte helfen, den Fang von Heringshaien zu kontrollieren. Damit sind sämtliche Schutzbemühungen für verschiedene Haiarten, den Blauflossenthunfisch und die Roten Korallen gescheitert.

Die Vertragsstaaten des Cites-Abkommens lehnten vor allem den Schutz der Tiere ab, deren Fleisch als Delikatesse zu hohen Preisen gehandelt wird. Für die Hammerhaie und Weißspitzen-Hochseehaie interessieren sich die Fischer vor allem wegen ihrer Flossen, die in der chinesischen Küche als Zutat für die Haifischflossensuppe begehrt sind. "Das ist eine Katastrophe", kommentierte Volker Homes von der Umweltstiftung WWF das Scheitern der Beschlüsse zum Schutz der Meerestiere.

Japan siegt mit Lobbyarbeit

"Hier hat ganz klar der kurzfristige Profit über den Naturschutz gesiegt", meinte auch Sandra Altherr von Pro Wildlife schon während der Konferenz. Für die Haie hatten sich Deutschland und die USA eingesetzt. Auch die deutsche Delegation ist enttäuscht. Vor der Abstimmung im Schlussplenum über den Heringshai habe Deutschland seine Argumente nicht mehr vortragen dürfen, kritisierte der stellvertretende Delegationsleiter in Doha, Gerhard Adams. "Die Fischereinationen mit Japan an der Spitze haben eine erneute Diskussion verhindert."

Ob es demnächst einen erneuten Anlauf mit dem Heringshai-Antrag geben wird, ist noch offen, sagte Adams. "Wir lassen uns aber nicht entmutigen." Auch Homes hat noch Hoffnung für die Zukunft: "Es ist eine Übergangsphase, man muss einfach dranbleiben."

Die Bestände des Blauflossenthunfisches (Roter Thun) im Atlantik und im Mittelmeer sind laut Pro Wildlife seit 1970 um bis zu 82 Prozent zurückgegangen. Insbesondere Spanien fängt den Fisch, dessen dunkelrotes Fleisch vor allem in Japan, aber auch in Europa als Sushi und Sashimi auf den Tellern landet.

Monaco hatte einen Antrag auf ein absolutes Handelsverbot gestellt, gegen den sich Japan auf der Konferenz mit allen Kräften und Verbündeten wehrte. Altherr kritisiert besonders die Haltung Japans: "Nachdem der Antrag abgeschmettert wurde, gab die japanische Delegation einen Empfang mit eigens eingeflogenem Blauflossenthunfisch."

"Das ist ein Kniefall vor der Fischereilobby", kritisierte Homes. Kurzfristige, wirtschaftliche Interessen scheinen von größerer Bedeutung zu sein als das Überleben der Arten. "Wären die Verhandler Ingenieure, hätte man sie schon längst gefeuert, weil das Ganze nicht tragfähig ist und die Konstruktion nicht hält." Es gilt als fraglich, ob es bei der nächsten Konferenz in drei Jahren noch genügend Blauflossenthunfische im Mittelmeer gibt, damit sich ihr Fang überhaupt lohnt. Auch der Eisbär darf weiterhin gejagt werden, wenn auch streng reglementiert.

Homes sieht aber auch positive Seiten der Konferenz: Zum Schutz für Tiger gebe es eine bessere Kooperation gegen Wilderei. Auch die Elefanten hatten Glück. Elfenbein darf weiterhin nicht verkauft werden. Ausgerechnet Tansania und Sambia, wo die Wilderei derzeit aufflammt, wollten Elfenbein aus Lagern verkaufen. "Dies ist die erste Cites-Konferenz seit 1997, die den Elefantenschutz nicht weiter unterminiert hat", sagte Daniela Freyer von Pro Wildlife. "Das ist ein guter Tag für Elefanten."

Hilfe für schönen Molch

Auch der hübsche Zagros-Molch aus dem Iran hat es gut. Er steht nicht auf der Speisekarte des Menschen, mit seinem Handel ist kein großer Profit zu machen. Nach einem Beschluss darf das schwarz-gelb gemusterte Tier künftig nicht mehr an Reptiliensammler im Ausland verkauft werden.

RZO