pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Reise   » News  » Deutschland  » Gesundheit  » Katalog  » Recht  » Traumziele  » Tipps  » Galerie

Whiskey und Serienmörder: Geisterstädte in Kalifornien

Ballarat Ein paar Bretterbuden, verfallene Lehmhäuser und ein Krämerladen: Ballarat, am östlichsten Zipfel Kaliforniens gelegen, ist der Inbegriff einer Geisterstadt.

In der flirrenden Hitze der Mittagssonne verschwimmt der Wüstenboden mit den Schemen des Panamint-Gebirges.

Rock Novak hat Schutz im Schatten der Veranda seines Krämerladens, des General Store, gesucht. Er sitzt auf einem abgewetzten Sessel. Vor ihm sprudelt eine kalte Cola. Rock Novak wartet - wie jeden Nachmittag. Auf ein paar verschwitzte Touristen, die eher zufällig auf dem Weg ins Death Valley vorbeikommen und sich aus ihren klimatisierten Autos mühen. Denen er neugierige Fragen beantworten und Geschichten erzählen kann. Von der Zeit, in der Goldgräber die Gegend unsicher machten und in den Saloons noch Leben war. Rock Novak ist Caretaker, der Aufpasser von Ballarat. Und er kennt die Geschichte des Ortes wie kein zweiter.

Die Stadt entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als im Panamint Valley, einem Nachbartal des Death Valleys, Gold entdeckt wurde. Ballarat florierte bald als Versorgunsstation für jene Männer, die in den Bergen Gold schürften. Während ihrer Blütezeit zählte die Stadt zwar nur 500 Einwohner, hatte aber sieben Saloons, drei Hotels und vier Bordelle, erzählt Rock Novak.

Denn am Payday, dem Zahltag, gaben die Goldgräber in Ballarat einen Großteil ihres Lohnes aus, überwiegend für Frauen und Whiskey - wie Shorty Harris. Novak zeigt auf ein vergilbtes Zeitungsbild, das im General Store hängt. «Einmal schlief er seinen Rausch in einer Ecke des Saloons in Ballarat aus», erzählt er. Ein paar Saufbrüder wollten ihm eine Lektion erteilen, zimmerten aus ein paar Brettern einen Sarg und legten ihn hinein. Als Harris nach ein paar Stunden anfing, sich zu regen, entzündeten seine Kumpane Kerzen und trugen den Sarg zum Friedhof. Harris soll schreiend geflüchtet sein.

Nach dem Streich ging der Goldgräber nach Rhyolithe im Nachbarstaat Nevada - und stieß dort 1904 auf Gold. Nur wenige Jahre später lebten schon 10 000 Menschen in der Stadt, die meisten von ihnen Arbeiter, die für einen Tagelohn von drei Dollar in den Minen schufteten. Reich machte Harris das Gold allerdings nicht. Sein Geld verjubelte er in den Saloons.

Dass die Goldgräber trinkfest waren , davon zeugt heute das bunt glitzernde Flaschenhaus in Rhyolithe. Es wurde 1906 aus mehr als 30 000 Bierflaschen und Lehm gebaut - und ist heute das einzige noch erhaltene Gebäude. Denn das Goldfieber in Rhyolithe währte nicht lange. 1910 drehten die Kreditgeber den Geldhahn fürs Schürfen zu, die Arbeiter zogen weiter.

Das gleiche Schicksal ereilte auch das östlich von San Francisco gelegene Bodie, eine der bekanntesten Geisterstädte in Kalifornien. Die Fensterscheiben des Saloons sind fast blind. Wenn der Wind in das schiefe Holzhaus fährt, knackt und knarzt es im Gebälk. Viele der windschiefen Häuschen samt Kirche und Mine haben dem rauen Klima getrotzt. Seit 50 Jahren wird Bodie quasi konserviert und heute als State Park betrieben.

In Ballarat hat es sich Rock Novak nach einem Rundgang wieder auf der Veranda bequem gemacht und schaut in die Wüste hinaus. Die Gegend ist so abgelegen, dass dort einer der berüchtigtsten Serienmörder der USA Zuflucht suchte. Hippie-Sektenführer Charles Manson versteckte sich in den 60er Jahren mit seinen Anhängern in den Bergen oberhalb von Ballarat. Sein Pickup steht heute noch zwischen den verfallenen Holzhäusern. 1969 wurde Manson hier festgenommen. Der inzwischen 75-Jährige sitzt bis heute in einem kalifornischen Gefängnis.

Elektronisches Reisegenehmigungssystem: https://esta.cbp.dhs.gov

National Park Service (engl.): www.nps. gov/deva/index.htm

Death Valley National Park (engl.): www.deathvalley.com

Tourismus Kalifornien: www.visitcalifornia.de Geisterstädte im Westen der USA Anreise und Formalitäten: Lufthansa und United Airlines fliegen regelmäßig von Frankfurt/Main und München nach Los Angeles. Von dort geht es per Mietwagen über den Highway 178 in Richtung Death Valley. Touristen brauchen kein Visum im Reisepass. Sie müssen sich aber vor ihrer Anreise im Internet anmelden («https://esta.cbp.dhs.gov).

Klima: Trockenes Wüstenklima. Die beste Reisezeit ist von Ende Oktober bis April, sonst können es leicht mehr als 40 Grad werden.

Weitere Auskünfte: Death Valley National Park, P.O. Box 579, Death Valley, California 92328, Telefon von Deutschland: 001/760/786 32 00 Von Christiane Raatz, dpa

dpa-infocom