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Schampanskoje und Toskana-Feeling: Ein Krim-Besuch

Sewastopol (dpa/tmn) - Die Hügel sind goldgelb vom sonnenverbrannten Gras, die hell gestrichenen Häuser sollen der Hitze trotzen, und abseits der Pappelalleen ragen Zypressen in den Himmel.

Es sieht aus wie in der Toskana - wenn da nur nicht immer wieder Lenin-Büsten und rote Sterne auftauchen würden. Denn was auf den ersten Blick an die italienische Region erinnert, ist tatsächlich die Krim. Wer in seinem Urlaub nicht primär Dolce Vita, sondern vor allem Geschichte und Geschichten sucht, für den ist die ukrainische Halbinsel im Schwarzen Meer genau das Richtige.

Die bergige Kalkstein-Landschaft mit den kleinen Krimeichen fällt schon vom Flugzeug aus auf. Im porösen Stein gibt es Dutzende, wenn nicht Hunderte Höhlen. «Hier haben schon vor 300 000 Jahren Menschen gesiedelt», sagt Dimitri Udodow, der auf der Insel als Fremdenführer arbeitet. «Im Krieg lagen hier dann erst die russischen und dann die deutschen Soldaten. Jede Höhle war ein Schlachtfeld.»

Dass die Ukraine ein Dreiviertel-Jahrhundert lang zur Sowjetunion gehörte, ist auch heute noch unübersehbar. Lenin ist in Sewastopol, der mit 380 000 Einwohnern größten Stadt der Krim, allgegenwärtig. Hammer und Sichel prangen dutzendfach in der Innenstadt.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird unter anderem mit Kulturgeschichte belohnt - zum Beispiel in Chersones. Dort ließ sich im Jahr 988 Zar Wladimir taufen und öffnete Russland so dem Christentum. Neben den Ruinen der Taufkirche steht heute eine prachtvolle Basilika. Korinthische Säulen und andere Gemäuer zeugen davon, dass in der größten der 38 Krimbuchten schon vor fast zweieinhalb Jahrtausenden Menschen siedelten.

Mehrere Jahrhunderte war hier die Heimat der Krimtataren, deren Herrscher sich als Nachfolger von Dschingis Khan verstanden. Durch ihren Batscha Serail, den «Gartenpalast», führen heute Nachfahren des Volkes. Dem Besucher steht der Residenzsaal mit dem Diwan des Khan offen. Im ehemaligen Harem-Raum plätschern Springbrunnen. Der Ort inspirierte sogar Alexander Puschkin.

Ein anderer Literat kam 1855 zum Kampf auf die Krim: Lew Tolstoi. Nachdem die Russen die krisengeschüttelte Türkei angegriffen hatten, eilten England und Frankreich zur Hilfe. Deren Versuch, das Machtstreben der Russen einzudämmen, führte zum ersten Krieg der Geschichte mit Maschinengewehren und Panzerschiffen. Die Russen unterlagen und mussten Alaska verkaufen, um ihre Kriegsschulden begleichen zu können. Die Schlachtfelder von Balaklava und Inkerman besuchen heute noch zahlreiche britische Touristen.

Der Soldatenfriedhof in Gontscharnoje ist dagegen ein Ort deutschen Gedenkens. Von den 2,2 Millionen an der Ostfront gefallenen deutschen Soldaten starben 400 000 auf der Krim. «In Gontscharnoje liegen 20 500 von ihnen, aber wir betten ständig noch zu», sagt Maria Ivanova, die für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge arbeitet. «Früher waren die Veteranen hier, alte Männer, die plötzlich in Tränen ausbrachen», erzählt Ivanova. «Jetzt sind es die Kinder, die selbst schon 60 und älter sind und wissen wollen, wo der Vater die letzten Minuten seines Lebens verbracht hat.»

Um die Krim wird immer noch gestritten. Russland will das Land zurückhaben, das Parteichef Nikita Chruschtschow 1954 der Ukraine schenkte. Die russische Schwarzmeerflotte ist schon da - und im Sommer belagern russische Touristen die Schwarzmeerküste. Die Ukrainer selbst sind gespalten in die westlich und die russisch Orientierten. Einig sind sie sich nur in Sachen Wein. Sie halten ihn für den besten der Welt und vergleichen die Böden mit denen der Champagne - auch wegen des legendären Schampanskoje, dem Krimsekt. Sonst ist der schwere, süße Wein der Insel nicht jedermanns Geschmack. Von Chris Melzer, dpa

dpa-infocom