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Grau und braungebrannt: Reisebranche setzt auf Ältere

Berlin (dpa) - Ein graues Paar schlürft Rotwein vor den Höhlenstädten Kappadokiens, im Café am Prado-Museum Madrid sitzen gut gebräunte Rentner im Café und im Prospekt einer Hotelkette prüft ein reifer Herr die Karte mit Kennerblick.

Die Tourismus-Werber in Deutschland und Europa setzen zunehmend auf ältere Kundschaft, das zeigen ihre Stände auf der Reisemesse ITB (10. bis 14. März). «Dieser Markt wird immer wichtiger», sagt der Chef des Branchenverbands DRV, Klaus Laepple. Das heißt auch: Hotels und Reiseanbieter bekommen es mit anspruchsvollen Kunden zu tun. Und sie müssen ihre Worte sorgsam wählen: Als «Rentner» oder «Senioren» wollen die wenigsten gelockt werden.

Die Unternehmen sind deshalb vorsichtiger und sprechen wahlweise von den Zielgruppen 50-, 60- oder 65plus. Wer bei älteren Reisenden an billige Kaffeefahrten mit Heizdeckenverkauf denkt, liegt falsch: Gerade Rentner gönnen sich im Urlaub was, lassen sich auf hohem Niveau verwöhnen. Exakt 351 Euro geben sie pro Reise aus und damit fast 70 Euro mehr als der Durchschnitt, wie die Umfrage von GfK-Travelscope ergab, in die auch Kurztrips einfließen. Projektleiter Roland Gaßner erklärt, warum die ergrauten Gäste Geld bringen: «Sie haben ein stabiles Einkommen und können es sich leisten, Qualität nachzufragen.» Inzwischen kommen knapp 22 Prozent der deutschen Reiseausgaben von Kunden über 65.

Hermann Paschinger beschreibt es so: «Das Haus ist abbezahlt, die Kinder sind aus dem Haus, da kommt der Gedanke: Jetzt habe ich mir was verdient.» Paschinger führt die Geschäfte von 50plus-Hotels, einem Verbund von Häusern mit Fokus auf Ältere. Dazu kommt: «Heutige Senioren sind einfach fitter und fühlen sich jünger», wie Karen Winkler vom Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa sagt. Die «Best Ager» ab 50 Jahren hätten hohe Ansprüche, Gesundheitsurlaub etwa stehe hoch im Kurs, mit gesundem Essen und gutem Klima, Schwimmen und Sauna. Rentner schätzten zudem den Gesundheitscheck im Urlaub und medizinische Betreuung.

Eine ruhige Kugel schieben , faul am Strand dösen - das ist nach Erkenntnis des Kieler Instituts nicht die Sache vieler Rentner. «Für die Gruppe über 60 ist Entspannung nicht so wichtig wie für die Berufstätigen», schließt Winkler aus Umfragen. Dass das reifere Publikum von der Welt etwas sehen will, bestätigen auch die Nürnberger Marktforscher von der GfK. Dabei stünden Gruppenrundreisen hoch im Kurs, ältere Semester bevölkerten auch die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe. Denn auch im Urlaub suchten Ältere Vertrautheit, sagt Gaßner. «Tagsüber sieht man was und am Abend sitzt man in vertrauter Runde am Tisch.»

Wer als Rentner in eigener Regie reist, bevorzugt Wandern und Städtereisen mit Kulturprogramm. «Genussradeln bei Goethe, Schiller und Feininger» - Slogans wie der Weimars dürften das ältere ITB-Publikum ansprechen. Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands, Claus Friedrich Holtmann, sieht im wachsenden Seniorenmarkt besondere Chancen für deutsche Touristiker. «Das dürfte im Markt Vorteile bringen, weil man den wohnortnahen Urlaub im Alter bevorzugt.» Dazu müsse aber der Service verbessert werden.

Komfort spiele eine entscheidende Rolle, wenn Ältere auf Reisen gehen, heißt es auch beim Deutschen Reiseverband (DRV). Die Branche sei dabei, sich umzustellen - vom komplett rollstuhltauglichen Hotel bis zum Arzt an Bord eines Reisebusses. Nur einen Fettnapf gilt es zu vermeiden, wie Katja Remus von 50plus-Hotels sagt: «Wir dürfen die Menschen nicht mit ihrem tatsächlichen Alter ansprechen. Das gefühlte Alter ist immer 15 bis 20 Jahre jünger.»

Hotel-Zusammenschluss: www.50plushotels.de Von Burkhard Fraune, dpa

dpa-infocom