pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Lifestyle

Paris lockt mit Sixties-Look und Doppelhelix

Paris Sind nach den im Winter so angesagten 80ern nun die 60er Jahre modisch dran? Nach den ersten Tagen der Pariser Kollektionsschauen der Damenmode für Herbst/Winter 2010/11 (2. bis 16. März) scheint es so.

Viele Designer borgen sich Elemente aus dem Jahrzehnt von Jackie Kennedy und den Beatles, dem Minirock und Saint Laurent. Hinzu kommt dass am 8. März in der französischen Hauptstadt ein Buch über das Schaffen Pierre Cardins vorgestellt wird. Der heute eher für modischen Ramsch bekannte Designer war in den 60ern ein führender Avantgarde-Designer. Aber trotz der Blicke zurück: Platte Kopien von Sixties-Modellen waren bisher nirgends zu sehen. Dazu sind die Pariser Designer zu kreativ und modern.

Aus der Reihe tanzte die Kollektion des Designers Rodolfo Paglialunga. Seit der vergangenen Saison hat der Italiener die Aufgabe, das Traditionshaus Vionnet auf Vordermann zu bringen. «Das ist schon ein ziemliches Gewicht auf den Schultern», sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Schließlich galt Madeleine Vionnet (1876-1975) einst als unangefochtene Meisterin der Schnittkunst. Doch Paglialunga gelangen außergewöhnliche Entwürfe: Auf Taille gebrachte Cocktailkleider aus Satin, Samt oder Organza mit harmonisch gewundenen, ineinandergeschlungenen Raffungen in Schwarz, Grau oder verschiedenen Rosénuancen. Der Ort der Präsentation, die ehemalige Wohnung des Künstler Jean Cocteau (1889-1963), trug zum erlesenen Eindruck bei.

Von der Vionnet-Präsentation zur Show des japanischen Modehauses Issey Miyake im Carrousel du Louvre waren es nicht nur geografisch wenige Schritte. Auch hier war Schnittkunst Trumpf, zudem gilt Issey Miyake selbst als großer Fan Madeleine Vionnets. Sein Chefdesigner Dai Fujiwara spielte mit geometrischen Formen und schien sich bei seinen Strickteilen in matten Grün-, Rot- oder Blautönen die Struktur der Doppelhelix zum Vorbild genommen zu haben. Diese Spiralstrukturen wanden sich um schmale Oberteile, kombiniert zu Hosen mit gummierter Oberfläche in Schwarz oder Weiß. Lockere Jacken mit grellorangefarben Paspeln, dank plissierter Elemente «aufgeplusterte» Blousons oder elliptisch geformte Mäntel in Dunkelblau und Rostrot spielten mit dem Thema Volumen. Trotz der komplexen Strukturen wirkten die Entwürfe zart und leicht.

Bei Balmain glänzte alles. Designer Christophe Decarnin hat letzthin eine feminine Rockstar-Allüre in Mode gebracht - diesmal wirkten seine Entwürfe glamouröser, kostbarer und etwas weniger offenherzig. Sexy blieb es trotzdem mit den für Balmain typischen Minikleidern mit betonten Schultern, den rasant hoch geschlitzten Roben und den schwarzen Lederröhren. Hinzu gesellten sich halbtransparente Schluppenblusen, Offiziersjacken mit Goldknöpfen und auf Figur geschnittene Glitzer-Anzüge mit Bootcut-Hosen. Gold und Silber, Signalrot und Violett, Brokatstoffe, schimmernde Paisley-Muster, üppige Felle und Leopardenmuster bewiesen: Das Balmain-Girl geht eher auf Partys als ins Büro.

Soft, schmeichelnd und ladylike flossen die Kleider bei Nina Ricci über den Laufsteg. Designer Peter Copping schien an die französischen Kinostars der späten 50er- und frühen 60er-Jahre gedacht zu haben. Auf Figur geschnittene Satin-Kleider mit Bleistiftröcken in schönen Braunrosé-, Beeren- und Silbernuancen, supersofte Strickteile mit Fellbesatz und schwarze Cocktailkleider mit Corsagen in Knallrot setzten auf Verführung. Die Babydolls aus Seidenrosen hätte sich Copping sparen können, doch Show-Effekt muss wohl sein. Von Stefanie Schütte, dpa

dpa-infocom