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Flipper neu poliert - Spielgeräte für Liebhaber

Landsweiler-Reden Sanft streicht der Handwerker mit dem Poliertuch über die glatte Oberfläche.

Bunte Bilder wuseln auf ihr in- und umeinander. Jetzt bringt der Mann sie zum Glänzen.

«Ich mache gerade den letzten Feinschliff», erklärt Thomas Altmeyer und poliert weiter an dem aufgefrischten Flipper-Automaten. Zuvor hatten sie in der kleinen Manufaktur im saarländischen Landsweiler-Reden den Automaten in minuziöser Kleinarbeit in alle seine rund 1200 Einzelteile zerlegt, restauriert und wieder zusammengebaut. Seit zwei Jahren restaurieren Henrik Maurer und sein Kompagnon Alexander Fuchs zusammen mit Mitarbeiter Altmeyer alte Flipper-Automaten.

«Unsere Kunden kommen aus ganz Europa», erzählt Maurer: Österreich, Schweiz, Luxemburg, Belgien. Es seien meist Privatleute, die zu Hause ihren Flipper hegen und von den Saarländern in Handarbeit pflegen lassen. 150 bis 200 Arbeitsstunden brauche es, bis ein Gerät restauriert ist, meint Fuchs. Die Kosten für eine solche Komplettrestauration: Mindestens 1500 Euro. Nach oben sei die Preisliste offen: «Da gibt es kaum Grenzen», meint Maurer. «Gerade arbeiten wir an einem Flipper, der einem Spediteur aus Österreich gehört», erzählt er, «300 bis 400 Einzelteile bauen wir ein - auf Wunsch des Kunden werden alle vergoldet». Der Herr habe eben seine Liebe fürs Flippern entdeckt.

Überhaupt ist der einstige beliebte Kneipensport mittlerweile vor allem eine Liebhaberei geworden. Weltweit baut nur noch eine Firma mit Sitz im US-Bundesstaat Illinois die Geräte im großen Stil. Die goldenen Flipper-Jahre der 50er bis 70er Jahre sind dort wie hier lange vorbei. «Aus den Wirtschaften verschwinden die Unterhaltungsautomaten zusehends», sagt Dirk Lamprecht, der Geschäftsführer der Automaten-Wirtschaftsverbände-Info GmbH, der Kommunikationsplattform der großen Automatenverbände in Deutschland.

Das Internet und Spielkonsolen für zu Hause liefen den Kneipenautomaten den Rang ab. «Je stärker PC-basierte Spiele und ähnliche Angebote aufkamen, umso mehr wurde in den Kneipen abgebaut», beschreibt Lamprecht die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Hinzu kämen speziell bei den Flipper-Automaten hohe Wartungskosten wegen der aufwendigen Elektronik.

Automaten, bei denen diese aussetzt , landen dann bei Maurer und Fuchs, von Hause aus eigentlich Marketing-Manager und Fensterbauer. Zueinander fanden die beiden vor einigen Jahren über ihr Hobby. Jeder für sich kam eher zufällig auf das Spiel. Es sei wohl sieben oder acht Jahre her, erzählt Maurer, da habe er für eine Veranstaltung ein Gewinnspiel organisiert. Der Hauptpreis sollte ein Flipper sein. «Dann begann ich, mich über die Flipper-Szene zu informieren.»

Dort traf er seinen heutigen Kompagnon. Dieser hatte einige Zeit zuvor bei einem Kunden Fenster einbauen sollen. «Ich kam da rein», erinnert sich Fuchs, «und da stand ein Flipper im Flur». Im Wohnzimmer sei er auf den zweiten gestoßen. Dann der Weg in den Keller: eine Etage voller Flipper ­ und um den Handwerker war es geschehen.

2007 machten sie ihr Hobby zum Beruf und trafen damit eine Entscheidung, die in ihrem Umfeld auf Unverständnis stieß: «Alle haben uns mehr oder weniger für bekloppt erklärt», erinnert sich Maurer, ehe er zufrieden anfügt: «Auch die, die uns kein halbes Jahr gegeben haben, sehen, dass wir im dritten Jahr sind. Das bestätigt uns schon.»

Weitere Infos: www.pinball-dreams.com Von Caroline Biehl, dpa

dpa-infocom