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Für die Seele - Warum Psychotests Spaß machen

Freiburg/Potsdam Sind Sie in der Liebe eher ein Diplomat, ein Regisseur, ein Architekt oder ein Abenteurer? Sind Sie der aufopferungsvolle Typ, eher extrovertiert oder ganz selbstbewusst?

Antworten auf solche Fragen geben Lesern Psychotests. Wer seine Kreuzchen macht, sollte das Ergebnis nicht allzu ernst nehmen. Ein wenig Orientierung und Unterhaltung bieten sie aber allemal.

Psychotests versprechen schnelle Lebenshilfe. Besonders Frauen scheinen ein Faible für diese Art der Fragebögen zu haben: Sind es doch fast ausnahmslos Frauen- und Mädchenzeitschriften, in denen sich regelmäßig Antworten auf wichtige und weniger wichtige Lebensfragen finden: «Liebt er mich wirklich? », «Bist Du eine gute Freundin?», «Wie hoch ist Ihr Erfolgspotenzial?» oder «Welcher Dirndl-Typ sind Sie?».

«Frauen sind für solche Dinge empfänglicher», sagt der Psychologe Michael Ziegelmeyer aus Freiburg. Doch auch in Männerzeitschriften finden sich mittlerweile ab und an Tests - Männer wollen offenbar aber lieber herausfinden, ob sie Grillexperten oder wie gut ihre Verführer-Qualitäten sind. All das erklärt noch nicht, warum viele gleich zum Stift greifen, wenn sie auf einen Test stoßen.

«Es ist die pure Neugier, etwas über sich zu erfahren. Das ist ein elementares, menschliches Grundbedürfnis», erklärt Ziegelmeyer - ob es darum geht, welcher Hauttyp jemand ist oder ob der aktuelle Partner zu einem passt. Psychoteste befriedigen aber noch ein weiteres Bedürfnis - das nach Sicherheit, sagt Psychologe Gerd Reimann aus Potsdam: «Menschen suchen immer einen Strohhalm, an dem sie sich festklammern können. Diese Tests geben vor, was für eine Persönlichkeit man ist, und das möchte man dann auch glauben.» Beliebt seien Psychotests außerdem, weil die Anonymität gewahrt bleibt. «Wenn man zum Psychologen oder Psychiater geht, muss man sich outen.»

«Häufig geht es bei uns um die Themen Selbstfindung und Selbstbewusstsein», sagt Annette Hohberg, Ressortleiterin bei der Zeitschrift «myself». Im Online-Auftritt der Zeitschrift gehöre die Rubrik «Psychotests» zu den am häufigsten aufgerufenen Seiten. Eine profunde Analyse oder gar wissenschaftlichen Anspruch sollten Leserinnen und Leser nicht in ihnen suchen: Die meisten Psychologen stufen Psychotests allein als Unterhaltung ein.

«Diese Tests haben mit Wissenschaft nichts zu tun, sie unterliegen keinen wissenschaftlichen Testkriterien», sagt Psychologe Hagen Seibt aus Bochum. Häufig sei es so, dass es nur drei Ergebniskategorien gibt: «Das sagt inhaltlich nichts aus.» Und so basierten die Psychotests ausschließlich auf Auskünften, die der Leser oder die Leserin selbst gibt. «Daher findet keine Objektivierung der Angaben statt», erläutert Ziegelmayer.

Annette Hohberg sieht die Psychotests aber auch als Lebenshilfe - «wenn man manchen Themen auch mit einem Augenzwinkern begegnen sollte», schränkt die Redakteurin ein. Bei der «myself» würden die Psychotests in Zusammenarbeit mit einer Psychologin erstellt. «So einen Test kann allerdings auch jeder entwerfen, der ein wenig Kreativität hat und sich einigermaßen mit Fragebögen auskennt», findet Seibt.

Für Hohberg ist das nicht das Entscheidende. «Wichtig ist: Man kann in sich hineinhorchen. Manche Fragen regen das Nachdenken über sich selbst an.» Außerdem lernten Leser und Leserinnen, wie ehrlich sie mit sich selbst umgehen. Zwar hat bei der Auswertung jeder wohl schon einmal gemerkt, welche Kreuzchen in welche Ergebniskategorie münden. Bei der «myself» versuchen die Macherinnen daher, die Tests so zu gestalten, dass das System nicht gleich durchschaubar ist. «Nur ehrliche Antworten bringen ehrliche Ergebnisse» erklärt Hohberg.

«Einen fundierten Persönlichkeitstest zu entwickeln, dauert mehrere Jahre», hält Ziegelmayer dem entgegen. Das könnten Zeitschriften gar nicht leisten. Trotzdem sei es jedem möglich, einen Nutzen aus den Tests ziehen: «Wenn ich mir selbst und den Psychotests gegenüber selbstkritisch bin und über die Ergebnisse nachdenke - besonders wenn sie nicht so sind, wie ich sie erwartet habe -, dann beschäftige ich mich mit mir selbst. Das ist immer positiv», findet er. Wer sich also vergegenwärtigt, dass Psychotests mit Wissenschaft nicht viel zu tun haben, kann sich getrost auf die «Reise ins Ich» einlassen. Von Nadine Hantke, dpa

dpa-infocom