pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Gesundheit

Neuer Test hilft Stress-Patienten bei Diagnose   

Trier Der Trierer Psychologe Dirk Hellhammer hat Stress den Kampf angesagt: Mit einem neuen Diagnoseverfahren will er Ärzten und Patienten helfen, stressbedingte Erkrankungen schneller zu erkennen - und ganz individuell zu behandeln.

«Je früher diese Krankheiten richtig therapiert werden, desto besser», sagt der Leiter des Forschungszentrums für Psychobiologie und Psychosomatik (FPP) an der Universität Trier. Und zwar «auf dem aktuellen Stand des psychobiologischen Wissens». In einer Studie mit rund 50 Hausärzten in Rheinland-Pfalz wird das neue Verfahren «Neuropattern» derzeit getestet - und soll in drei bis fünf Jahren Standard werden.

70 bis 90 Prozent aller Stress-Patienten gehen laut Hellhammer zunächst zum Hausarzt. Sie leiden beispielsweise unter Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magenproblemen, Kopfschmerzen, «Burnout» (Erschöpfung) und Schlafstörungen. Da ein Hausarzt sich nicht überall fortbilden könne, «werden viele dieser Störungen übersehen», sagt Professor Hellhammer (62). Bei Depressionen etwa gehe man davon aus, dass rund 40 Prozent nicht erkannt werden. Daraus schließt der Wissenschaftler: «Wir müssen den Hausarzt dazu besser in die Lage versetzen.»

«Neuropattern», der in einer ersten Version bis 2008 bereits an 2200 Patienten erprobt wurde, baut auf drei Pfeilern auf: Zum einen muss der Hausarzt einen Fragebogen mit medizinischen Daten ausfüllen. Dann muss der Patient mehrere Fragebögen zu Hause beantworten und drei Tage lang Speichelproben sammeln sowie über eine Nacht ein kleines EKG-Gerät tragen. Normalerweise kostet ein solcher Test 300 Euro. Wer bei der Studie mitmacht, bekommt ihn umsonst. Das gesamte Antwort-und-Daten-Paket wird dann an die Abteilung für Klinische und Physiologische Psychologie der Uni Trier geschickt.

Nach der Auswertung gibt das inzwischen 23-köpfige Trierer Team dem Arzt eine medikamentöse Empfehlung. Der Patient bekommt eine Art Selbsthilfe-Paket mit Vorschlägen. «Wir haben eine ganze Batterie an einzelnen Modulen», sagt Hellhammer. Dazu gehören etwa Anleitungen zum Pausenmanagement, Ernährungspläne und Entspannungstipps. «Da kann er sofort anfangen, etwas für sich selbst zu tun.» Das hilft auch, die übliche Wartezeit von einem halben Jahr für einen Therapieplatz zu überbrücken, falls psychologische Betreuung nötig sein sollte.

Mit der neuen Diagnostik könnten nach Ansicht des Wissenschaftlers die Gesundheitskosten zur Behandlung von stressbezogenen Erkrankungen «deutlich gesenkt» werden. In den vergangenen fünf Jahren seien diese um fast 70 Prozent in die Höhe geschnellt und betrügen derzeit rund 65 Milliarden Euro im Jahr. «Wir wollen mittelfristig in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, damit jeder Arzt Neuropattern verschreiben kann», sagt der Professor. «Neuropattern» wird auch im Stress-Zentrum Trier «daacro» eingesetzt.

Die Hausarztstudie, die auch in den USA angemeldet ist, soll 2010 abgeschlossen und 2011 veröffentlicht werden. Ihre Kosten in Höhe von rund 500 000 Euro werden je zur Hälfte von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation und von der Uni Trier getragen. Am Dienstag (23. März) soll das Projekt in Mainz vorgestellt werden. Für Hellhammer, der unter anderem bereits mit dem Deutschen Psychologie Preis ausgezeichnet wurde, ist das Projekt «das mit Abstand Wichtigste meiner Arbeit». Sein Leben lang habe er «Daten gesammelt und publiziert» - jetzt aber könne sein Wissen «zur Krönung» in die klinische Praxis umgesetzt werden.

Uni Trier: dpaq.de/pTU5V

Stress-Zentrum Trier: www.daacro.com Von Birgit Reichert, dpa

dpa-infocom