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Sanierungsfall Hypo RE mit Milliardenverslust

München - Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate steckt weiter tief in den roten Zahlen und sieht frühestens für 2012 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Unter dem Strich belastet die HRE den Bund als Eigentümer bis zum Jahresende 2009 mit einem Minus von rund 2,2 Milliarden Euro.

«Auch wenn es uns gelungen ist, die Verluste deutlich zu reduzieren, kann das natürlich überhaupt nicht befriedigen», sagte Manuela Better, die nach dem überraschenden Abtritt von HRE-Chef Axel Wieandt vorläufig die Geschäfte des Bankhauses leitet, am Freitag. Große Herausforderung für dieses Jahr sei die Einrichtung einer Bad Bank für die HRE, in die Vermögenswerte von bis zu 210 Milliarden Euro ausgelagert werden sollen.

Wieandts Rücktritt ausgerechnet am Tag vor der Bilanz- Pressekonferenz hatte die Finanzbranche in Aufruhr versetzt. Der Manager war im Oktober 2008 auf dem Höhepunkt der HRE-Krise als Sanierer zu dem Immobilienfinanzierer geholt worden und hatte Georg Funke an der Unternehmensspitze abgelöst. HRE-Aufsichtsratschef Bernd Thiemann erklärte, dem Rücktritt des Vorstandschefs seien Streitigkeiten zwischen Wieandt und dem «Alleineigentümer» Bund vorausgegangen. Dabei sei es sowohl um Abstimmungsprozesse als auch um Boni für die HRE-Mitarbeiter gegangen. Der Aufsichtsrat sei von dem Rückzug Wieandts überrascht worden und bedauere den Schritt ausdrücklich.

Wieandt soll sich daran gestört haben, dass Gelder für die HRE nur scheibchenweise vom Bund zur Verfügung gestellt wurden. Dem «nach vorne stürmendem Sanierungsvorstand» hätten die Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse zu lange gedauert, sagte Thiemann. Außerdem pochte der Vorstand unter Führung Wieandts für 2009 auf Boni von insgesamt 25 Millionen Euro für die HRE-Mitarbeiter und bekam dafür auch Rückendeckung vom Aufsichtsrat. Über diesen Vorschlag müsse jetzt der Bankenrettungsfonds Soffin entscheiden, sagte Thiemann. Spekuliert wird zudem über Differenzen zwischen Wieandt und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CSU), der den HRE-Chef aufgefordert haben soll, auf Gehaltszahlungen von mehreren hunderttausend Euro zu verzichten.

Bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef sieht Thiemann die HRE nicht unter Zeitdruck. Mit dem Einspringen von Better habe man eine Nachfolgeregelung gefunden, «die trägt und hält», sagte der Aufsichtsratschef. Zwar sei nicht ausgeschlossen, dass der Vorstandsvorsitz «zu gegebener Zeit» extern neu besetzt werde, dabei gelte aber: «Richtigkeit geht vor Schnelligkeit.»

Im vergangenen Jahr drückte vor allem die weitere Vorsorge für den möglichen Ausfall von Krediten auf das Ergebnis. Auch Zahlungen an den Bund von insgesamt 229 Millionen Euro für die finanzielle Unterstützung des Konzerns belasteten die HRE. Im Jahr 2008 war der Verlust mit fast 5,5 Milliarden Euro aber noch mehr als doppelt so hoch ausgefallen. Damals war der Konzern in letzter Minute vom Bund und anderen Banken gerettet worden und hat inzwischen mehr als 100 Milliarden Euro Unterstützung erhalten, um nicht zu kollabieren. Seit Herbst 2009 ist die HRE vollständig im Staatsbesitz.

Better sieht das Unternehmen auf einem guten Weg. «Wir haben den Konzern im Jahr 2009 stabilisiert und die Verluste deutlich reduziert», sagte sie. Dennoch erwartet sie weiter Verluste. Ziel sei dabei, das Minus im Vergleich zu 2009 weiter zu reduzieren. Im laufenden Jahr würden vor allem die Kosten für die Einrichtung der Abwicklungsanstalt (Bad Bank) das Ergebnis belasten. «So lange über Umfang und Ausgestaltung der geplanten Abwicklungsanstalt nicht entschieden ist, müssen wir weiter davon ausgehen, dass der Konzern nicht vor dem Jahr 2012 in die Gewinnzone zurückkehren kann.» Eine Verlängerung der staatlichen Hilfen sei notwendig. Derzeit stehen noch bis zu vier Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der Bank aus.

In die Bad Bank will die HRE Vermögenswerte von bis zu 210 Milliarden Euro auslagern und die Bilanzsumme damit von 370 auf 160 Milliarden Euro verringern. Damit würde die HRE auf ihrem Weg zu einer Verkleinerung des Unternehmens einen großen Schritt voran kommen. Bislang fielen dem Umbau der HRE bereits 400 Arbeitsplätze zum Opfer. Ende 2009 beschäftigte der Konzern noch rund 1400 Mitarbeiter.

dpa-infocom