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Viel Lob für Predigt des Betzdorfer Pastors

Betzdorf Die kirchenkritische Predigt des Betzdorfer Pastors Georg Koch, die er am Sonntag in der St.

Michael-Kirche der Nachbarstadt Kirchen zu den sexuellen Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen gehalten hatte, findet im gesamten Verbreitungsgebiet unserer Zeitung ein großes Echo.

In zahlreichen Leserbriefen und Emails sowie auf unserer Internetseite www.rhein-zeitung.de und in den RZ-Gruppen der Internetplattform „Wer kennt wen“ finden die Ausführungen des Geistlichen viel Zustimmung. In seiner Heimat, wo er die Predigt auch an seine Internetgemeinde versandt hat, bekommt Koch fast ausschließlich Lob. Funk und Fernsehen haben ihn auch schon entdeckt. Kritik seitens des Bistums Trier sei indes ausgeblieben, sagte der 65-Jährige unserer Zeitung.

„Das Thema wird wohl am Montag in der Bistumsleitung besprochen“, vermutet Koch, und als Reaktion wünscht er sich: „Wir sind dankbar, dass es in der Kirche Prediger gibt, die das freie Wort wählen – auch, wenn vielleicht die eine oder andere Äußerung überzogen war.“ Befürchtungen, von Trier gerügt zu werden, habe er nicht. „Ich bin es gewohnt, dass Rückmeldungen vom Bistum kommen, auch kritische. Dann setzen wir uns natürlich auseinander. Aber Angst davor habe ich nicht.“

Das Telefon hat bei ihm seit der Veröffentlichung seiner Predigt in unserer Zeitung nicht still gestanden. 8 Emails und zehn Brief habe er bekommen, sagt Koch, „aus der Pfalz, vom Rhein, vom Westerwald. Bis auf zwei waren alle zustimmend. In diesen zwei hieß es, ich soll zurücktreten, weil ich über die Kirche geschimpft habe.“ Aber das will der streitbare Pastor keinesfalls – obwohl er nun, mit 65, in den Ruhestand gehen könnte. „Da denke ich im Traum nicht dran. Der Beruf macht mir Freude und gibt mir Kraft.“

Besonders freut es den Kirchenmann, dass ihm zehn Mailschreiber mitgeteilt haben, dass sie kurz vor ihrem Kirchenaustritt gestanden hätten – durch seine Predigt aber davon abgehalten worden seien. Einen dieser elektronischen Briefe liest er vor: „Am Mittwoch wollte ich noch aus der Kirche austreten. Durch Zufall – oder durch göttliche Fügung? – las ich ihre Predigt in der Rhein-Zeitung und bin nicht ausgetreten. Ich möchte Ihnen tiefen Respekt für Ihre mutigen Worte zollen.“ Sogar das Papsttum, ferner den Zölibat, die Stellung der Frau in der Amtskirche sowie den Umgang der Kirche mit Geschiedenen hatte Koch kritisiert. Im Gotteshaus hatte es am Ende der Predigt spontanen Applaus gegeben. In einer Mail an Koch heißt es: „Sie haben vielen Katholiken zu größerer Freiheit verholfen. Dafür sind wir dankbar.“

Auch in Betzdorf wird Koch oft angesprochen. Schon morgens beim Joggen mit seinem Hund „John“ haben ihn drei Frauen angehalten, um ihm zu gratulieren. Zwar ist ihm angesichts des riesigen Echos anfangs etwas „mulmig“ gewesen, aber: „Jetzt bin ich froh, dass ich die Initiative ergriffen habe. Es gibt viele Christen, die sich freuen, dass es Priester in der Kirche gibt, die sich nicht den Mund verbieten lassen. Und wenn ich einigen von ihnen Mut machen konnte, nicht auszutreten, ist das eine tiefe innere Befriedigung für mich.“

Koch fühlt sich ermutigt, weiter Predigten zu aktuellen Themen zu halten. Übrigens soll ja der Mann aus Nazareth auch kein Blatt vor den Mund genommen haben, wenn es um die Zustände im Hier und Heute ging.

Peter Seel (RZ); Foto: Markus Döring

RZO