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Keinen Stich gemacht: Der Ford Scorpio

Köln Auch Misserfolg ist planbar. In der Autowelt braucht es dazu lediglich eine Allerwelts-Marke und jemanden, der vorhat, damit in Richtung Oberklasse vorzudringen. Dass so etwas richtig schiefgehen kann, hat Opel immer wieder bewiesen.

Denn egal ob die Autos Diplomat oder Senator hießen, kaufen wollte sie kaum jemand. Bei Ford in Köln dürfte diese Tatsache in den 80er Jahren bekannt gewesen sein. Was allerdings die Entscheider nicht daran hinderte, ein Auto namens Scorpio zu entwickeln.

Mittelklasse und obere Mittelklasse - die Grenze verlief in den 80er Jahren noch anders als heute. Mittelklasse stand seinerzeit für Opel Rekord oder den Granada von Ford. Die obere Mittelklasse war nicht wirklich größer, dafür aber nobler: Autos wie ein 5er BMW oder ein «kleiner» 123er Mercedes gehörten dazu. Dann kam 1985 Ford mit dem Scorpio, der alles gleichzeitig sollte: den Granada ersetzen, dem Rekord Konkurrenz machen und in der oberen Mittelklasse wildern.

Dazu hatte man ein Auto auf die Räder gestellt, das mit fast fünf Metern Länge durchaus stattlich war. Außerdem gab es neben einfachen Vierzylindern auch die für Ford typischen Sechszylinder-Motoren. Aber es wäre wohl zu einfach gewesen, alles richtig zu machen. Die Konkurrenz fuhr als Stufenhecklimousine vor, der Scorpio sollte anders sein. Also bekam er das, was die Werber als Aero-Heck anpriesen. Das war nichts anderes als ein Fließheck, und es sollte sich schnell zeigen, dass die Klientel solche Ideen verschmähte.

Technisch gesehen, hatte der Scorpio seine Wurzeln ohnehin nicht in der oberen Klasse. Er basierte vielmehr auf dem gestreckten Grundgerüst des kleineren Sierra und lehnte sich auch an dessen Formsprache mit den waagerechten und breiten Scheinwerfern sowie dem fehlenden Kühlergrill an. Allerdings gab es auch Dinge, die den Scorpio durchaus zu einem wegweisenden Auto machten: Schließlich gilt die Baureihe als erstes Großserienmodell, in dem ABS serienmäßig war.

Dennoch wollte den Scorpio kaum ein Mensch kaufen. Und was macht ein Autohersteller, wenn der Wagen sich nicht verkauft? Er überarbeitet die Kiste, damit mehr Menschen Gefallen daran finden. Man nahm sich zunächst des ungeliebten Hecks an. Es gab den Scorpio ab 1989 daher auch mit Stufenheck und klassischem Kofferraumdeckel. Was wiederum bedeutete, dass der Scorpio gar nicht mehr aus der Masse herausstach.

Aber Ford machte weiter. 1992 wurde dem Scorpio ein Facelift spendiert und die Modellpalette um einen Kombi erweitert. Auf Motorenseite hatte sich seit dem Einstand des Scorpio wenig getan. Die Veränderungen drückten eigentlich nur die Ratlosigkeit des Herstellers aus. Zunächst überwogen noch Vierzylinder mit Leistungen zwischen 66 kW/90 PS und 86 kW/117 PS im Angebot. Einziger großer Sechszylinder war anfangs ein 2,8 Liter mit 110 kW/150 PS.

Später nahm die Zahl der Sechszylinder zu, sie hatten 2,4 oder 2,9 Liter und leisteten 92 kW/125 PS bis 107 kW/150 PS. 1989 ging es wieder in die andere Richtung - mit einem 88 kW/120 PS starken Vierzylinder und zwei Litern. Ein Exot blieb der Scorpio 24V mit einem 143 kW/195 PS starken Sechszylinder der Rennmotoren-Schmiede Cosworth.

Mitte der 90er Jahre fristete der Scorpio bereits ein langjähriges Schattendasein in Sachen Verkaufszahlen - und es wäre keine unkluge Entscheidung gewesen, der Sache ein Ende zu bereiten. Doch so weit waren die Entscheider bei Ford noch nicht: Wieder einmal versuchten sie es mit einer Überarbeitung.

Die frühen Scorpio waren so unauffällige Gefährte, dass niemand auf die Idee gekommen wäre, ihnen einen neckischen Spitznamen zu geben. Die späten Scorpio ab 1995 allerdings ließen manchen mit offenem Mund am Straßenrand stehen. Man nannte ihn einfach nur den «Wal»: Was die Designer erreicht hatten, war eine krude Mischung aus europäischer Mittelklasse und US-Design der Straßenkreuzer-Ära. Fortan fuhr der Scorpio mit «rundgelutschten» Karosserieformen und glubschäugigen Scheinwerfern durch die Welt. Anfang 1998 versuchte Ford sich noch darin, die Sache mit dunkel abgesetzten Scheinwerfern zu retten - und schmiss im Sommer des Jahres endgültig das Handtuch. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom



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