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WLAN auf der Autobahn: Funk-Netz gegen den Stau

Rostock Das digitale Geflüster zwischen Autos und Leitzentrale vollzieht sich unmerklich im Hintergrund.

Dabei soll die ebenso laut- wie drahtlose Kommunikation schon bald den lärmenden Verkehrsinfarkt in Ballungsräumen abwenden.

«Nehmen wir an, Sie sind gerade unterwegs, und 100 Kilometer vor Ihnen entsteht ein Stau», sagt Djamshid Tavangarian. «Wäre es da nicht praktisch zu wissen, wie Sie Ihr Tempo drosseln müssen, um erst dann anzukommen, wenn er sich aufgelöst hat?» Der Rostocker Informatik-Professor ist sich sicher: Bei den oft getesteten, aber nie wirklich ausgereiften Telematik-Systemen zur Verkehrsregulierung gibt es noch viel Luft nach oben. Der Einsatz funkgesteuerter Highspeed-Netzwerke soll nun den Durchbruch bringen.

«Wir wollen WLAN endlich auch auf die Autobahn bringen», kündigt Tavangarian an. Der Chef des Lehrstuhls für Rechnerarchitektur an der Uni Rostock hat reichlich Erfahrung beim Thema «intelligente Straße». Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert jetzt sein neuestes Projekt: Im Sommer wird eine 50 Kilometer lange Versuchsstrecke aufgebaut, auf der realer und Daten-Highway miteinander verschmelzen. «Wir planen eine offene Plattform, die jeder nutzen kann.»

Bisherige Praxistests zum Drahtlos-Smalltalk zwischen einzelnen Autos («car-to-car») sowie zwischen Autos und Leitsystemen («car-to-infrastructure») seien in Deutschland meist von privaten Konsortien finanziert worden, erklärt der Informatiker. «Bei uns sollen alle Wissenschaftler und später auch Partner der Industrie ihre Versuche selbstständig durchführen können.» Sobald die Genehmigung vom Bundes- und Landesverkehrsministerium da ist, wollen die Forscher Teile der A19 nördlich des Rostocker Kreuzes und der A20 südlich der Hansestadt mit eigenen Richtantennen und «WLAN Access Points» ausstatten.

«Unsere ersten Ergebnisse 2006 und 2007 waren traumhaft», meint Tavangarian. Man habe schon Bild- und Sprachdaten in Autos übertragen können, die mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde unterwegs waren. Neu an dem jetzt geplanten System sei der Einsatz der WLAN-Technologie, die bislang eher in Internet-Cafés oder im heimischen Wohnzimmer den Zugang ins World Wide Web herstellt. «Komischerweise sind Autobahnen noch nicht angeschlossen», wundert sich der Wissenschaftler.

Eine Breitband-Versorgung mit einer Leistung von mehreren Mega-Bit pro Sekunde könnte nicht nur Verkehrsflüsse optimieren oder dank automatisierter Abstandswarnungen, Unfallmeldungen und Angaben zum Straßenzustand die Sicherheit erhöhen. Es geht auch um «Entertainment im Auto». Ein wichtiger Anreiz für ein «WLAN Roadside Network» sei die Verfügbarkeit von Daten mit höherer Übertragungsgeschwindigkeit als etwa im UMTS-Netz. Denn immer mehr Menschen würden sich - wenn sie denn könnten - gern auch im Auto mit dem Internet kurzschließen.

«Durch die ständig steigende Mobilität ist ein Bedürfnis nach einem allgegenwärtigen Zugang zu Informationen entstanden», erklärten Tavangarian und seine Mitarbeiter Martin Arndt, Martin Krohn, Robil Daher und Alexander Gladisch im vorigen Jahr auf einem Fachkongress. Solche Verkehrs-Funknetze, für die es zudem eigene Frequenzbänder gäbe, könnten Systeme aus der Gebäudetechnik wie selbststeuernde Haushaltsgeräte oder «intelligente Räume» ergänzen - und damit eine Schnittstelle zwischen Haus- und Straßennetzwerken ermöglichen.

Vorerst steht bei den Rostockern aber der Straßenverkehr im Mittelpunk. Ähnlich wie bei einem Großprojekt im kalifornischen Palo Alto sollen kleine Funkmasten am Rand der Strecke die aus den Autos empfangenen Daten zu Sammelstellen («Clustern») auf gut erreichbaren Hochhausdächern weiterleiten. Die Info-Flut kommt dann in einem unscheinbaren Computer-Raum an, den die Forscher zur «Leitzentrale» umfunktioniert haben. Noch herrscht hier ein Gewirr von Kabeln; wenn die Versuchsfahrzeuge über die A19 und A20 fahren, werden sieben Augenpaare die Datenautobahn auf riesigen Monitoren überwachen.

Dass auch die Autos selbst in absehbarer Zeit untereinander ins Gespräch kommen, hält Tavangarian allerdings für weniger wahrscheinlich. Denn wenn sich die Maschinen unterhielten, dürften die Menschen den Schutz ihrer persönlichen Daten wie im stationären Internet nicht außer Acht lassen. «Viele Leute werden skeptisch sein und sich fragen: Was erzählt mein Auto da eigentlich über mich?» Von Jan-Henrik Petermann, dpa

dpa-infocom



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