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Kein Hindernis trotz Handicap: Umbauten für Behinderte

Dietzenbach Nicht machen können, was eigentlich als selbstverständlich gilt - das ist eines der großen Probleme behinderter Menschen. Ein zentraler Punkt ist die Einschränkung der Mobilität.

Denn auch wer bis zu einem schicksalhaften Unfall oder einer schweren Krankheit regelmäßig mit dem Auto unterwegs war, scheint oft nicht mehr die Möglichkeit dazu zu haben: Entweder, weil die normalen Bedienelemente nicht mehr erreicht werden können, oder weil der Mensch in ein serienmäßiges Auto gar nicht mehr hineinkommt. Doch es gibt Fachleute, die sich genau auf solche Fälle spezialisiert haben.

Mit moderner Technik können heute auch wieder Menschen Gas geben, die sich noch vor wenigen Jahren darauf keine Hoffnung machen brauchten. Und in Zukunft könnten solche Umbauten deutlich mehr nachgefragt werden - denn auch die immer älter werdenden Menschen können mit den entsprechenden Maßnahmen den Wagen einfacher bewegen.

Ein behindertengerechter Umbau eines Autos sieht ganz unterschiedlich aus. Eine Serienfertigung solcher Fahrzeuge kann es allein aus diesem Grund nicht geben. Stattdessen wird auf eine Vielzahl von Lösungen gesetzt, die bei verschiedenen Behinderungen helfen. Zu den verbreiteten Maßnahmen zählt die Umstellung der Pedal-Betätigung auf Handbedienung - zum Beispiel im Fall einer Querschnittslähmung.

Tobias Zebralla von der Reha Group Automotive in Hilden weist auf die Möglichkeit hin, mit einem speziellen Kombigerät am Lenkrad bei halbseitiger Lähmung die Bedienung diverser Funktionen zu erleichtern. Typisch sind auch das Umsetzen der Pedale oder der Einsatz elektromechanischer Komponenten, um das Bedienen bei Muskelerkrankungen zu erleichtern oder überhaupt erst wieder zu ermöglichen. Ebenfalls möglich ist mittlerweile eine Sprachsteuerung für einige Funktionen wie das Lichteinschalten.

Viele der heute gebräuchlichen Erleichterungen werden über die verzweigte Elektronik in den Fahrzeugen möglich - wie zum Beispiel die Bedienung von Blinker, Hupe, Fensterheber und weiteren Funktionen direkt über besagten Kombischalter am Lenkrad. Diese Möglichkeiten haben auch die Grenzen verschoben, mit welchen Behinderungen das Bewegen eines Autos überhaupt noch möglich ist. Laut Dirk Poweleit vom Umrüst-Spezialisten Petri + Lehr in Dietzenbach (Hessen) könnte heute theoretisch auch ein bis zum Hals gelähmter Mensch mit einem Auto fahren - unter anderem, indem die Funktionen über Sprache oder Kopfbewegungen gesteuert werden.

Außerdem wird bei den Umbauten oft nicht mehr nur Wert auf die reine Funktion gelegt. «Die Optik ist wichtig geworden», so Tobias Zebralla. Wer mit einem modernen und hochwertigen Auto unterwegs ist, will dann oft auch, dass sich die nützlichen zusätzlichen Einbauten an das durchgestylte Werks-Interieur anpassen. Petri + Lehr bietet daher eine sogenannte Design-Linie an: Dabei werden die Einbauten zum Beispiel mit dem Original-Leder des Autoherstellers bezogen oder nach Wunsch lackiert.

Derzeit allerdings handelt es sich bei den Umbauten für Menschen mit Handicap in Deutschland um ein recht überschaubares Geschäft. «Es werden jährlich etwa 2500 bis 3000 Autos umgebaut», so Dirk Poweleit. Für die Zukunft rechnen die Fachleute aber mit einer deutlichen Steigerung. Dahinter verbirgt sich keine steigende Zahl von Unfällen oder Krankheiten - im Mittelpunkt stehen vielmehr die Anforderungen der immer älter werdenden Menschen, die immer länger mobil bleiben wollen.

«Mobilität ist wichtig , auch im Alter», sagt Burkhard Gerkens vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Weil allerdings der Körper nicht immer alles mitmacht, können Maßnahmen am Wagen helfen, diese Mobilität zu sichern. «Manchmal hilft es schon, einen zusätzlichen Spiegel zu montieren.»

Die Möglichkeiten sind allerdings deutlich vielfältiger als eine derart simple Spiegelmontage. Ebenfalls recht einfach aber wirksam: «Zusätzliche Haltegriffe, die das Ein- und Aussteigen erleichtern», sagt Dirk Poweleit. Etwas aufwendiger sind Schwenksitze, die sich in Richtung Türöffnung drehen lassen und ebenfalls eine Erleichterung beim Ein- oder Ausstieg bedeuten.

Die Möglichkeiten sind also da - das Problem sieht Dirk Poweleit bei der jetzigen Generation der älteren Autofahrer vor allem darin, dass sie gar nicht über das Machbare informiert sind. Ein Problem, dem die googelnde Generation der Kinder und Enkel mit den passenden Informationen begegnen können. An den Umrüstern soll es nicht liegen, dass jemand nicht mehr Auto fahren kann, sagt Poweleit: «Ziel ist, alle hinter das Lenkrad zu bringen.» Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom



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