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Oldtimers dicke Brüder: Lastwagen als Liebhaberobjekt

Lemgo Manche Menschen haben besondere Träume. Das gilt auch für Liebhaber alter Fahrzeuge.

Die meisten mögen die klassisch-rassigen Formen, einen vielzylindrigen Benzinmotor, gut erhaltene Lederbezüge oder die Ausfahrt mit geöffnetem Cabrio-Verdeck.

Es gibt aber auch jene, für die ein Klassiker aus tonnenweise Metall bestehen sollte, die statt an ein Cabrio-Verdeck an eine schicke Plane über der Ladefläche denken und die von einem lautstark rummelnden Dieselmotor schwärmen. Klassiker sind eben nicht nur in die Jahre gekommene Sport- oder Personenwagen. Auch um historische Lastwagen schart sich eine wachsende Liebhaber-Gruppe.

Warum jemand ausgerechnet einem ziemlich angejahrten Nutzfahrzeug seine Zuneigung schenkt? Die Gründe sind die gleichen wie bei einem herkömmlichen Auto. So wird eine alte Limousine heute vielleicht gekauft, weil Opa exakt so ein Auto fuhr, als der heutige Käufer ein Kind war. Und auch bei den Lastwagen hat die Sache oft etwas mit Kindheitserinnerungen zu tun: «Ein Hintergrund kann sein, dass Vater oder Onkel Kraftfahrer waren und das Kind früher mal auf dem Beifahrersitz mitgenommen wurde», erzählt Kurt Theopold, Vorsitzender der Nutzfahrzeug Veteranen Gemeinschaft (NVG) in Lemgo.

Meist ist es nicht bei einer solchen Mitfahrt geblieben. Nicht selten ist aus dem Lkw-vernarrten Kind später jemand geworden, der sich beruflich mit Nutzfahrzeugen beschäftigt - ob als Fernfahrer oder Mechaniker. «Viele restaurierte Nutzfahrzeuge befinden sich außerdem im Besitz von Speditionen oder Busbetrieben», erläutert Klassiker-Experte Dieter Ritter vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Denn ein gut restaurierter alter Lkw eignet sich auch vorzüglich für Werbefahrten oder als Image-Träger.

Doch es gibt auch den Liebhaber, der sich so ein Fahrzeug zulegt und es dann eigenhändig restaurieren möchte. Was allerdings völlig andere Anforderungen stellt, als das Entrosten und Reparieren eines alten VW Käfer. Das gilt nicht zuletzt für die Finanzen: «Es kostet ein Schweinegeld, so einen Lkw oder Bus zu restaurieren», sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data in Castrop-Rauxel.

Dass das Instandsetzen eines Lasters teuer ist, dafür gibt es viele Gründe. Das fängt schon mit dem Begriff «Nutzfahrzeug» an. Bei einem Lastwagen denkt schließlich kaum jemand daran, pfleglich damit umzugehen, nach jeder Tour den Lack neu zu polieren oder dem Gefährt auf andere Weise Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Nutzfahrzeug wird genutzt - oft so lange, bis es auseinanderfällt und sich nicht mehr vom Fleck bewegen lässt. Mancher Lkw-Klassiker war zudem nach seiner Zeit auf den Straßen laut Manfred Groß vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) noch Jahre in Kieswerken oder auf Werksgeländen weiter unterwegs.

So ein völlig abgenudeltes Gefährt muss mit deutlich mehr Aufwand restauriert werden als ein halbwegs gepflegtes Alltagsauto. Hinzu kommt das Thema Ersatzteile: Für Pkw tauchen immer mal wieder alte Teile auf, die jemand nach langer Zeit verstaubt in Opas Garage entdeckt hat. Weniger wahrscheinlich ist dagegen, dass in einer Rumpelkammer über die Jahrzehnte völlig unbeachtet eine komplette Lastwagen-Hinterachse herumgelegen hat. Ein passendes Ersatzteil zu finden, ist für Lkw-Oldtimer-Liebhaber oft eine sehr langwierige und aufwendige Sache. Und selbst wenn das gefundene Teil an sich nicht wirklich teuer ist, muss es womöglich von weit her geholt werden.

Hinzu kommt, dass mit einem Lastwagen noch weiterer Aufwand verbunden ist. Er passt schon mal nicht in die heimische Garage. Es muss also eine größere Unterkunft her. Und auch der handelsübliche Werkzeugkasten ist kaum geeignet, mit den oft riesigen Einzelteilen zu hantieren. Meist ist schweres Gerät und Spezialwerkzeug notwendig. Vermeintliche Kleinigkeiten gehen zusätzlich ins Geld: «Ein Satz Reifen kann 4000 bis 5000 Euro kosten», so Frank Wilke.

Trotzdem wächst das Interesse an historischen Nutzfahrzeugen laut Frank Wilke in den vergangenen Jahren: «Das Thema ist größer geworden.» Was sich allerdings vor allem auf das Interesse an den Fahrzeugen bezieht, weniger auf den tatsächlichen Besitz. NVG-Vorstand Kurt Theopold geht von einer dreistelligen Zahl an Menschen aus, die tatsächlich solche Fahrzeuge besitzen.

Das Interesse sorgt auch für stattliche Preise, wenn doch mal ein Nutz-Klassiker den Besitzer wechselt. So kostet laut Frank Wilke ein Bus wie der Setra S6 vom Ende der 50er Jahre mit der Zustandnote 2 heute rund 40 000 Euro. Ein begehrter Lkw vom Typ Krupp Titan aus den frühen 50er Jahren mit der Zustandsnote 2 ist weit kostspieliger: Rund 200 000 Euro sollten auf dem Konto sein. Als Einstiegsmodell ist dagegen ein Magirus Mercur 125 aus den 60ern geeignet - und zwar in der Ausführung als Feuerlöschwagen, weil es die häufiger gab. So einer ist heute im Zustand 2 laut Wilke schon für 9000 Euro zu haben. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom



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