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Mercedes F-Cell Roadster: Bertha Benz und Captain Future

Hamburg Normalerweise konstruieren sie so spannende Dinge wie Regale für Ersatzteile, Halter für Werkzeuge oder Ablagen für Produktionsabfälle. Doch Nina Sabrina Elbert und Simon Ehrmann können über solche Gesellenstücke nur lachen.

Ein ganz spezielles Gesellenstück

Zusammen mit rund 150 Auszubildenden im Daimler-Werk Sindelfingen haben sie in ihrer Lehre stattdessen ein ganzes Auto entwickelt. Und zwar nicht irgendeines. Ihr Ziel war es, über 100 Jahre Automobilgeschichte in einem einzigen Fahrzeug zu destillieren und in die Zukunft fortzuschreiben. Dabei herausgekommen ist ein offener Zweisitzer, der schräger kaum sein könnte: der F-Cell Roadster.

Handwerkskunst und historische Formen

Die Idee für das mehr als puristische Cabrio geht direkt zurück auf den sogenannten Patent Motorwagen, mit dem Konstrukteursgattin Bertha Benz im Sommer 1888 die erste Überlandfahrt der Automobilgeschichte unternommen und so der motorisierten Fortbewegung zum Durchbruch verholfen hat. Dafür stehen neben den vom Oldtimer übernommenen Speichenrädern im Originalmaß unter anderem der Holzfußboden der zukunftsträchtigen Motorkutsche oder die von Hand vernähten Sitzbezüge aus Sattelleder. Außerdem haben die Nachwuchsentwickler gleich noch ein paar Zitate aus anderen berühmten Mercedes-Modellen eingebaut. So erinnert die spitze Nase an die Rennwagen aus der Formel 1. Die Holme neben den Passagieren öffnen sich wie Flügeltüren, und hinter den Kopfstützen laufen zwei Höcker übers Heck, wie man sie von den legendären Silberpfeilen kennt.

Hightech bei Materialauswahl und Fertigungsverfahren

Während die Formen den Blick zurück öffnen, weisen Materialauswahl und Fertigungsverfahren in die Zukunft. So wurde die federleichte Karosserie aus Verbundfasermaterial gebacken. Die Sitzschalen sind aus Karbon und moderner als in einem Formel-1-Renner. Und der Rahmen ist aus Leichtbau-Metall gefertigt. Am weitesten von der Serie entfernt ist allerdings der Antrieb: Denn unter der Plexiglashaube im Heck haben die Azubis eine Brennstoffzelle eingebaut. Sie verwandelt Wasserstoff in Strom und produziert als einziges Abgas Wasserdampf. Gespeist aus einem Hochdrucktank kaum größer als eine Thermoskanne stellt sie genügend Energie für 14 Stunden oder 350 Kilometer bereit.

In der Zukunft fährt man sauber und geräuschlos

Damit treiben sie einen Elektromotor an, der zwar nur 1,2 kW leistet, aber mit dem gerade mal 500 Kilogramm schweren Roadster buchstäblich leichtes Spiel hat. Wie ein Autoscooter auf dem Rummelplatz schnurrt der Zweisitzer deshalb absolut geräuschlos davon. Wenn einem nach wenigen Metern der Wind durch die offene Konstruktion in die Kleider fährt, hat man schnell vergessen, dass die Azubis das Tempo vorsichtshalber auf 25 km/h limitiert haben. Schließlich hat das Einzelstück einen Versicherungswert von etwa 250 000 Euro, aber keine Sicherheitsgurte oder Knautschzonen.

Steuern wie in einem Computerspiel

Neben dem Antrieb setzen die Azubis auch bei der Steuerung auf die Technik der Zukunft. Statt mechanischer Verbindungen gibt es nur noch elektronische Steuerimpulse («Drive by Wire»). Anstelle des Lenkrades haben sie im spartanischen Cockpit einen Steuerknüppel installiert, wie man ihn von der Spielkonsole her kennt. Das ist zwar anfangs ausgesprochen ungewohnt. Doch zumindest bei niedrigen Geschwindigkeiten hat man den Wagen nach ein paar Minuten fest im Griff: Drückt man den Joystick nach vorn, rumpelt der Roadster auf seinen beinahe ungefederten Vollgummi-Rädern vorwärts übers Pflaster. Zum Bremsen oder Rückwärtsfahren, zieht man den kleinen Kunststoffstummel nach hinten, und zum Lenken bewegt man ihn auf die entsprechende Seite - auch für Bertha Benz wäre das eine einfach Übung gewesen.

Jungfernfahrt auf historischer Strecke

Dass man mit der in etwa 15 Monaten entstandenen High-Tech-Seifenkiste tatsächlich Strecke machen kann, haben die Nachwuchspioniere auf geschichtsträchtigem Terrain bewiesen. Denn nach wochenlangen Test- und Entwicklungsrunden auf dem Werksgelände haben sie die Jungfernfahrt auf derselben Route von Mannheim nach Pforzheim absolviert, auf der 1888 auch Bertha Benz in die Automobilgeschichte gefahren ist.

Fazit: Spannende Formen, liebevolle Details

Dass ihr Wagen trotz der spannenden Form, der vielen liebevollen Details und des zukunftsweisenden Antriebs nicht die geringste Chance auf eine Serienfertigung hat, ficht die stolzen Entwickler nicht an. Vielleicht werden sie nicht ganz so berühmt wie Carl und Berta Benz - aber besser als die Konstruktion von Regalen für Ersatzteile war die Entwicklung des F-Cell Roadster in jedem Fall.

Datenblatt: Mercedes F-Cell Roadster
Motor und Antrieb: Brennstoffzelle mit Elektromotor
Hubraum: 0 ccm
Max. Leistung: 1,2 kW/2 PS
Max. Drehmoment: k.A.
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: Eingang-Getriebe
Maße und Gewichte:
Länge: 3588 mm
Breite: 1832 mm
Höhe: 1100 mm
Radstand: 2201 mm
Leergewicht: 500 kg
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: 0 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
Durchschnittsverbrauch: k.A.
Reichweite: 350 km
CO2-Emission: 0 g/km
Kraftstoff: Wasserstoff
Schadstoffklasse: EU5

dpa-infocom



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