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VW Amarok: Der Touareg fürs Grobe

Hamburg Im Gegenwind der Klimakritik werden die großen Geländewagen immer schmächtiger und zivilisierter. Für echte Abenteurer und Asphalt-Cowboys wird die Auswahl deshalb dünner. Nur VW weicht mit dem Amarok vom Kurs ab.

Ein echter Offroader fürs Grobe

Während auch der neue Touareg auf Kuschelkurs geht, fährt die Nutzfahrzeugsparte im Sommer für einen Schätzpreis zwischen 28 000 und 35 000 Euro den Amarok vor. Der erste Pick-up der Niedersachsen seit dem vom Toyota HiLux abgekupferten Taro ist ein Offroader aus altem Schrot und Korn. Schon auf den ersten Blick gibt der Amarok den Touareg fürs Grobe.

So aufrecht wie der Ayers Rock

Zwar sind die beiden Modelle technisch weder verwandt noch verschwägert. Doch haben die Nutzfahrzeug-Entwickler zumindest die Designlinie übernommen - dabei aber jede Zurückhaltung abgelegt. Wo andere ihr Format kaschieren, bekennt sich der in Argentinien gebaute Amarok zu seiner Größe und steht so aufrecht in der Pampa wie der Ayers Rock im Outback. Was bleibt ihm bei 1,83 Metern Höhe, 1,94 Metern Breite und 5,25 Metern Länge auch anderes übrig.

Eine unverwüstliche Konstruktion

Auch die Technik spricht für den harten Einsatz: Wo der Touareg eine selbsttragende Karosserie hat und seine Passagiere auf Luft bettet, steckt unter dem Amarok ein unverwüstlicher Leiterrahmen. Und die hintere Starrachse wird von Blattfedern gedämpft. Ohne Beladung auf einer guten Straße ist das nicht die komfortabelste Lösung. Doch auf schlechten Pisten ist der Amarok damit schier unschlagbar: Knietiefe Schlaglöcher, hüfthohe Bodenwellen, Geröllfelder, Schlammpfützen oder alpine Anstiege können den Pick-up kaum stoppen.

Auf allen Vieren durch dick und dünn

Dabei hilft ihm die in diesem Segment übliche Allrad-Ausstattung. In der Basisversion auch als Hecktriebler und für Deutschland mit automatischer Kraftverteilung lieferbar, startet er zunächst mit einem zuschaltbaren Allradantrieb samt Geländeuntersetzung und Hinterachssperre. Neu sind in diesem Segment elektronische Systeme wie der Helfer für steile Auf- und Abstiege sowie ein Offroad-ABS, das den Anhalteweg im Ernstfall um zwei Fahrzeuglängen verkürzt.

Kleine Motoren für den großen Wagen

Für dieses Segment ungewöhnlich klein sind die Motoren des Amarok. Denn mit Blick auf den Verbrauch und die Betriebskosten montiert VW einen nur zwei Liter großen Common-Rail-Diesel. Zum Start gibt es ihn mit zwei Turbos und 122 kW/163 PS. Später folgen eine abgespeckte Version mit 90 kW/122 PS und vielleicht auch ein Benziner.

Der Selbstzünder hat zwar 400 Nm, wirkt auf dem Papier mit 11,1 Sekunden für den Sprint und 181 km/h Höchstgeschwindigkeit wie ein kräftiger Kerl und macht vor allem im Gelände eine gute Figur. Aber weil das sechsstufige Schaltgetriebe nicht richtig zum Motor passen will, gibt sich der Amarok auf der Straße ein wenig zäh: Zum Überholen braucht man viel Anlauf und für die flotte Fahrt viel Rückenwind. Da ist der Pick-up doch eher Last- als Lustkraftwagen.

Edles Ambiente, umfangreiche Ausstattung

Für ein Nutzfahrzeug edel und umfangreich sind Ambiente und Ausstattung. Immerhin gehören vier Airbags und ESP zur Serie. Gegen Aufpreis gibt es vom Leder bis zum Navi viele Extras. Dabei sitzt man in der Doppelkabine mit vier Türen und fünf Plätzen zumindest vorne ausgesprochen bequem auf großen Sesseln, blickt in ein schmuckes Cockpit und hat alle Schalter gut zur Hand.

Eher für die Arbeit als fürs Abenteuer

Zwar sieht die VW-Mannschaft tatsächlich auch eine Reihe von Privatkunden oder zumindest Mischnutzer am Steuer des Amarok, die damit werktags Schutt und Steine und am Wochenende ihr Sportgerät transportieren. Doch natürlich soll der Pritschenwagen in erster Linie ein Nutzfahrzeug sein. Mehr Wert als auf den Luxus haben die Entwickler deshalb auf die Ladekapazität gelegt.

Eine Euro-Palette passt quer drauf

Kein anderes Auto in dieser Klasse könne so viel schultern, sagt Markenvorstand Wolfgang Schreiber mit Blick auf 1,15 Tonnen Nutzlast. Außerdem sei der Amarok der einzige in seiner Liga, auf dem man eine Euro-Palette auch quer aufladen kann. Möglich macht das die breite Ladefläche, die selbst zwischen den Radkästen noch 1,22 Meter misst. Und wenn alles nicht hilft, kann man noch 2,8 Tonnen an den Haken nehmen.

Fazit: Trotz aller Qualitäten ein Exot

Mit dem Amarok kommt VW spät, aber gewaltig. Trotzdem werden die erfolgsverwöhnten Niedersachsen damit in Europa nur kleine Brötchen backen können. Weltweit ist der Pick-up zwar ein wichtiges Segment mit mehr als zwei Millionen Zulassungen. Doch bei uns setzen Handel, Handwerk und Gewerbe eher auf geschlossene Transporter. Und für Privatkunden ist der Amarok nicht viel mehr als ein faszinierendes Abenteuerspielzeug. Dumm nur, dass es zwischen Flensburg und Garmisch so wenig Schotterpisten gibt.

Datenblatt: VW Amarok
Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Hubraum: 1968 ccm
Max. Leistung: 120 kW/163 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1500-2000 U/min
Antrieb: Heckantrieb, Allrad zuschaltbar
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 5254 mm
Breite: 1944 mm
Höhe: 1834 mm
Radstand: 3095 mm
Leergewicht: 1993 kg
Zuladung: 1147 kg
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,1 s
Durchschnittsverbrauch: 7,8 Liter/100 km
Reichweite: 1010 km
CO2-Emission: 206 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kosten
Basispreis der Modellreihe: ca. 28 000 Euro
Grundpreis des Amarok 163 PS, DoKa, Highline: ca. 35 000 Euro
Typklassen: liegen noch nicht vor
Kfz-Steuer pro Jahr: k.a.
(alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke)
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: ESP, Front- und Seiten-Airbags, Offroad-ABS
Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung, Tempomat

dpa-infocom



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