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Das barrierefreie Bad: Selbstbestimmt leben und wohnen

München/Bonn Mit zunehmendem Alter wird die tägliche Körperpflege schwieriger: Unsicherheiten beim Gehen und Stehen, steife Gelenke, Sehschwäche und Schwindelgefühle - vor allem morgens - führen im schlimmsten Fall zu Unfällen.

Wer möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben will, muss das Bad zwangsläufig an die körperlichen Einschränkungen anpassen. «Das größte Problem in vielen Bädern ist: Es fehlt der Bewegungsspielraum», sagt Renate Schulz, Architektin und Expertin für Barrierefreies Bauen im Bauherren-Schutzbund (BSB) in München. Zunächst muss deshalb überprüft werden: Welche Badmöbel sind verzichtbar? Kann die Waschmaschine in die Abstellkammer wandern? Muss der Schrank mit den Handtüchern im Bad stehen?

Auch eine Tür, die sich nach außen öffnen lässt, spart eine Menge Platz. Sie hat noch einen Vorteil: «Kommt es bei einer nach innen öffnenden Tür zum Sturz, so blockiert der Gestürzte nicht selten die Tür, so dass sie von Helfern eingeschlagen werden muss», sagt Schulz.

Doch die Scharniere neu zu montieren, nutzt nur dann etwas, wenn die Tür breit genug ist: «Das lichte Durchgangsmaß sollte 90 Zentimeter nicht unterschreiten. Außerdem darf keine Schwelle den Zugang oder die Zufahrt behindern», erläutert Matthias Thiel vom Zentralverband Sanitär-Heizung-Klima (SHK) in Potsdam.

Im Bad sollte der Platzbedarf eines Rollators oder eines Rollstuhles berücksichtigt werden. «In vielen Bädern ist die einzige Lösung, die Wanne gegen eine bodengleiche Dusche auszutauschen. Deren Fläche kann gleichzeitig als Bewegungsraum genutzt werden», erklärt Thiel. Manchmal stößt das Vorhaben aber auch an technische Grenzen: «Jede Dusche braucht ein gewisses Gefälle für den Ablauf. Je nach Fußbodenkonstruktion kann dies manchmal schwierig herzustellen sein», sagt Jens Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) in Bonn. Die Alternative ist eine möglichst flache sogenannte Duschtasse.

In der Dusche sorgt ein wasserfester Sitz für Komfort beim Waschen. Wenn es die Wandkonstruktion zulässt, ist ein Klappsitz ideal. Die Alternative ist ein gepolsterter, stabiler Hocker. Ein Handlaufsystem und Griffe bieten Sicherheit.

Ist im Bad genug Raum für eine Wanne , so muss sie vielfältigen Ansprüchen genügen. «Seitliche Türen erleichtern den Einstieg. Je nach Beeinträchtigung kann ein Badewannen-Lifter in Betracht gezogen werden», so Wischmann. Die Wanne darf nicht zu lang sein. Vorhandene Modelle können mit einem sogenannten Wannenverkürzer nachgerüstet werden. In Dusche oder Wanne bieten Matten mit Saugnäpfen Rutschsicherheit.

Viele ältere Menschen waschen sich sitzend vor dem Waschtisch. «Gut geeignet ist ein Waschtisch mit einer Tiefe von 30 Zentimetern und mit einer Kniefreiheit von mindestens 67 Zentimetern. Die Höhe der Oberkante sollte im Normalfall 80 Zentimeter betragen», sagt Thiel. Damit die Knie dabei nicht mit dem heißen Siphon in Berührung kommen, ist ein Unterputz- oder Flachaufputzsiphon empfehlenswert.

Bei der Toilette ist oft das Aufstehen ein Problem. Die Sitzhöhe muss so an die Körpergröße angepasst werden, dass die Knie beim Sitzen einen rechten Winkel bilden und die Füße sicheren Bodenkontakt haben. Sitzerhöhungen sind nachrüstbar. «Als Aufstehhilfe bieten sich beidseitige Klappgriffe an. Sie sollten einen Abstand von 70 Zentimeter zueinander haben», rät Thiel. Heizkörper, Griffe, Haken, Halter, Steckdosen, Lichtschalter und Ablagen müssen gut erreichbar sein. Und schließlich muss in vielen Fällen die Höhe des Spiegels angepasst werden.

Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik: www.komfort-und-qualitaet.de

Verein Barrierefrei Leben: www.online-wohn-beratung.de Von Eva Neumann, dpa

dpa-infocom


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