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Protokoll oder Info-Blatt: Aufklärung für Anleger

Berlin/Hamburg Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers fing die Diskussion an: Wie können Anleger besser informiert und aufgeklärt werden - und wie gelangen sie in der Folge zu besseren Anlageentscheidungen?

Die Zertifikate mehrerer Zehntausender Anleger in Deutschland wurden damals auf einen Schlag wertlos. Zum Teil streiten sie noch heute mit der Bank, die ihnen die Papiere verkauft hat, um eine Entschädigung.

Dass Anleger ihre Altersvorsorge falsch strukturieren, ungewollt riskante Papiere ins Depot legen oder sich langfristig an Sparverträge binden, die sie dann doch nicht mehr wollen, ist nicht neu. Jetzt könnte sich aber grundlegend etwas ändern: Erste Banken haben neue Produktinformationsblätter für Wertpapiere aufgelegt.

Die Verbraucherzentrale Hamburg zum Beispiel hat ihre Sicht der Dinge früh kundgetan: Sie brachte vor knapp einem Jahr das Büchlein «Ampelcheck Geldanlage» heraus. Finanzprodukte werden darin unter Zuhilfenahme der Ampelfarben gekennzeichnet: «Rot bedeutet: Achtung - Gefahr!, Gelb bedeutet: Ein Risiko oder Nachteil ist vorhanden, Grün bedeutet: empfehlenswert oder unbedenklich», schreiben die Verbraucherschützer in dem Buch. Zu grob seien diese Kategorien, und sie würden dem unterschiedlichen Bedarf jedes einzelnen Anlegers nicht gerecht, lautete daraufhin die Kritik von Anbieterseite.

Das Bundesverbraucherschutzministerium legte alsbald ein anderes Konzept vor - eine Art Beipackzettel zum Produkt, der zehn Punkte umfasst. Erste «Produktinformationsblätter» gibt es nun. Die Deutsche Bank zum Beispiel stellte schon Anfang Februar ein solches Papier vor. Auch die ING-DiBa hat bereits zahlreiche Info-Blätter online gestellt.

Der Bundesverband deutscher Banken in Berlin legte ein Muster vor, das dem Ministerium in den meisten Punkten folgt. Funktion, Risiken und Kosten eines Finanzprodukts sollen für Anleger auf einen Blick erkennbar sein, erläutert der Bankenverband. «Noch im Frühjahr» wollen die Volks- und Raiffeisenbanken ein standardisiertes, am Katalog des Ministeriums orientiertes Informationsblatt fertig haben.

«Persönliche Beratung und schriftliche Information müssen Hand in Hand gehen», sagt Achim Tiffe vom unabhängigen Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. «Und die Beratung muss gut sein - sonst ist der beste Produktzettel nicht die Lösung.» Lange sei die Diskussion in Deutschland nur in eine Richtung gelaufen, kritisiert er: Immer sei ein Mehr an Informationen verlangt worden. «Es muss aber ein vernünftiges Maß geben, um wirklich Orientierung zu schaffen. Weniger Information ist oft mehr, und sie muss wirklich leicht zu verstehen sein.»

Anleger müssten direkt ablesen können, ob ein Produkt für ihre Ziele geeignet sei. «Ein geschlossener Fonds ist zum Beispiel für das Geldparken, als schnell verfügbare Rücklage, ungeeignet - mancher erschließt sich das schneller über ein Bild, ein anderer über Text», sagt Tiffe. Er findet zum Beispiel die Informationsblätter in den Niederlanden vorbildlich. Dort hat zudem eine Aufsichtsbehörde einen Blick darauf, dass Anbieter immer alle Felder auf dem Blatt füllen.

Zu Daten auf Papier müsse eine sinnvolle, unterstützende Beratung kommen, so sieht es auch die Versicherungsbranche. Für die Anbieter von Rentenversicherungen und anderen Vorsorgeprodukten sind kompakte Produktinformationsblätter schon seit Anfang 2008 Pflicht. «Und wir sind dafür, dass die finanzielle Bildung von Kindesbeinen an verbessert wird», sagt Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. «Das sollte durchaus in der Schule passieren. Wenn Eltern den richtigen Umgang mit Finanzen nicht gelernt haben, können sie auch kein Wissen weitergeben.»

Ein Protokoll von Wertpapier-Beratungsgesprächen ist zwar seit Jahresbeginn in deutschen Banken Pflicht - es soll Fälle von Falschberatung vermeiden helfen. Womöglich schützt es aber nicht ganz vor Fehlentscheidungen: Verbraucherschützer haben bereits auf Fälle hingewiesen, in denen zwar eine Beratung erfolgte. Am Ende sei aber doch am Risikoprofil und dem Anlagewunsch vorbei beraten worden.

Beispiel-Infoblatt vom Verbraucherschutzministerium: http://dpaq.de/BeispielBMELV

Beispiel-Infoblatt vom Bankenverband: http://dpaq.de/BeispielBankenverband Von Thorsten Wiese, dpa

dpa-infocom


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