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Spiegeltherapie hilft gegen Phantomschmerzen

Bochum Ein eiskalter linker Unterarm, eine schmerzhaft zusammengekrampfte Hand, die nicht zu öffnen ist und deren Fingernägel sich in die Hand bohren - etwa acht Jahre Alltag für Horst Kielmann.

Mit dem Essener leiden laut Uwe Kern vom Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden rund 75 Prozent der deutschen Amputationspatienten an Phantomschmerzen, Schmerzen in einem Körperteil, das nicht mehr vorhanden ist. Das Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum kann zwar nicht genau erklären, woher die Schmerzen kommen, kann sie jedoch mit der Spiegeltherapie behandeln. 2005 begannen die Bochumer Ergotherapeuten um Susanne Glaudo die neuartige Therapie einzusetzen. Fünf Jahre später kann das Klinikum rund 150 Erfolgsfälle vorweisen.

Einer davon ist Kielmann. Seit der Amputation seines linken Armes vor elf Jahren litt der heute 70-Jährige unter attackenartigen Schmerzschüben, die durch starke Beruhigungsmittel lediglich gedämpft wurden. Die Schmerzen und die starken Medikamente beeinflussten aber auch seinen Lebenswillen: «Ich war so fertig, dass ich nicht mehr leben wollte», erinnert er sich. Grund genug für seine Töchter, ihm einen Termin im Bergmannsheil zu besorgen. Aufgrund seines großen Leidensdrucks konnte er nach zwei Monaten mit der Therapie starten. Andere Patienten warten bis zu 12 Monate. »Das hängt immer damit zusammen, wie sehr der Patient leidet und ob es noch andere Auswege gibt», erklärt Prof. Christoph Maier, Leitender Arzt der Abteilung für Schmerztherapie.

Alternativ werden Phantomschmerz-Patienten auch mit Prothesen behandelt. Uwe Kern spricht von 80 bis 90 Prozent der Patienten, die über eine Prothese ihre Schmerzen in den Griff bekommen. Viele Patienten werden aber noch immer mit teils starken Medikamenten behandelt. Obwohl Kielmann zu Anfang seiner Behandlung vor zweieinhalb Jahren sehr skeptisch war und die Therapie für «Blödsinn» hielt, versuchte er es und nahm nach drei Monaten erste Veränderungen wahr.

Wie die Therapie aussieht: Mit dem noch verbleibenden Arm oder Bein werden Übungen vor einem Spiegel ausgeführt. Der Patient steht so, dass er nur die Körperhälfte mit dem vorhandenen Arm oder Bein sieht. Dadurch entsteht für den Patienten die Illusion, das amputierte Körperteil sei wieder vorhanden. Das kann bei manchen Patienten stark emotionale Reaktionen auslösen. Deshalb führen die Therapeuten sie langsam an das Verfahren heran, brechen im Notfall auch ab. Wie die Methode genau funktioniert, ist logisch nur schwer zu verstehen. Vorstellungsvermögen ist gefragt.

Maier gibt einen Erklärungsversuch: «In unserem Kopf gibt es eine Landkarte unseres Körpers. Fehlt ein Körperteil, ersetzt unser Gehirn die fehlenden Signale des amputierten Körperteiles durch Schmerz.» Warum das so ist, kann er nicht sagen, aber er kann neurologisch nachweisen, dass es so ist.

Am Wirksamsten sei die Methode zwar direkt nach der Amputation, aber auch bei Patienten, die Jahre später damit beginnen, verbucht die Klinik laut eigenen Aussagen Erfolge. «Bei rund 60 Prozent der Patienten ergeben sich gute bis sehr gute, dauerhafte Ergebnisse», gibt Maier an. Viele von ihnen könnten mit Hilfe der Therapie auf starke Medikamente verzichten.

Dazu zählt auch Kielmann. «Heute nehme ich nur noch leichte Medikamente und habe höchstens drei Mal im Jahr stärkere Schmerzen. Damit kann ich gut leben», erklärt der Essener. Seit zweieinhalb Jahren trainiert er ein bis zwei Mal pro Woche vor dem heimischen Spiegel. Dennoch kommt er weiter regelmäßig in die Klinik. «Es wird langweilig, wenn man immer die gleichen Bewegungen macht. In der Klinik erlerne ich ständig neue Abläufe.»

Ein Patentrezept sei die Therapie nicht, denn ihre Wirkung hänge immer stark vom jeweiligen Patienten ab, sagte Maier. «Manche Patienten machen die Übungen einmal und sind für immer schmerzfrei. Andere machen sie ihr Leben lang und schaffen es, starke Schmerzen zu mildern und ihre Medikamente zu reduzieren.» Die Therapie ist übrigens auch auf andere Krankheitsbilder übertragbar, wie Bärbel Espig, Leitende Physiotherapeutin vom Helios Klinikum Aue, berichtet. «Wir verzeichnen auch gute Ergebnisse bei Schlaganfall-Patienten und bei Komplikationen, die Knochenbrüche mit sich bringen.»

Weitere Informationen zur Spiegeltherapie: www.bergmannsheil.de/796.0.html

dpa-infocom



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