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Lifestyle

Cooler Purismus punktet in Paris

Paris Ein neuer Purismus bricht sich Bahn in der Pariser Mode.

Kurz vor Schluss der Prêt-à-Porter-Schauen (2. bis 10. März) der Damenkollektionen für Herbst/Winter 2010/11 ist klar, dass Klarheit in der kommenden Saison siegt.

Ein superschicker, sauberer Look kommt mit vielen alltagstauglichen Mänteln, Kleidern, kurzen Röcken und kleinen Pullovern. Camel und Marineblau, Creme, Schwarz und ein paar rote Eyecatcher könnten für die Händler zum «Winning Team» werden. Protagonistinnen des neuen Purismus sind lustigerweise die einstigen romantischen «Rock Chicks» der Mode: Phoebe Philo, die für Céline wieder eine wegweisende Kollektion zeigte, und Stella McCartney, die mit atemberaubender Eleganz glänzte.

Zum Glück für jene, die es etwas geschmückter lieben, gibt es ja noch Karl: Karl Lagerfeld - mittlerweile eine derartige Institution in Paris, dass allein sein Vorname Ehrfurcht hervorruft - bot bei Chanel sein ganzes Können auf. Großartig war schon die Kulisse: Ein Eispalast in gletscherblauem Wasser, durch das die Models in dicken Moonboots oder zweifarbigen Hackenstiefeln sicheren Fußes schritten. Es gab Eisbären-Look der Spitzenklasse: Cremeweiße Minikleider aus zartem Tüll, bestickt mit Perlen und mit einem weichen Fellrock versehen, lange Ledermäntel mit diagonal gesetzten Nähten und schwarzem Kontrastfell an den Kanten, weiche lange Jacken in dunklem Anthrazit, auf die dicke Wollkaros gesteppt waren, und Tweed in unglaublich kunstvollen Varianten. Ketten und Armbänder wirkten wie Eiszapfen, kleine Abendtaschen waren in Eisblockform gegossen.

Fast monastisch streng erschienen dagegen die Entwürfe von Stefano Pilati, Yves Saint Laurent-Designer und eine der Schlüsselfiguren der Pariser Mode. Schwarze schenkelkurze Kleider und Mäntel mit Cape-Oberteilen und schmalem Rock, schneeweiße Hemdblusenkragen und dreiteilige Hosenanzüge, ebenfalls in Schwarz, kamen in präzisen Linien und dennoch fließend und weiblich daher: Ergänzt wurde dieser Understatement-Look durch transparente Regencapes, Satinteile in glänzendem Blau, Grün oder Gelb und einem zart wehenden Cocktailkleid aus violettem Chiffon, das kurz und hochgeschlossen viel Bein, doch null Dekolleté offenbarte.

Die wirklich coolen kleinen Mädchen liebten früher Huckleberry Finn und nicht Tom Sawyer. Wie eine Hommage an Mark Twains legendären Jungen mit dem zerfransten Hut und den zu großen Hosen, der vor seinem saufenden Vater wegrennt, wirkte die Schau von Kenzo. Herbstlaubfarben, Zottelponchos, Jacken wie aus Wolldecken, Herrenhosen und Karomuster, Hippiekleider und Satteltaschen zum Umhängen. Die Lady war hier ein Tramp, doch da sich Designer Antonio Marras die lässigen Schönheiten der 70er- und 80er Jahre wie Marisa Berenson und Farrah Fawcett zum Vorbild genommen hatte, mixte er Trapperlook und feminine Blütenmuster, kostbare Stickereien und fließende Seidenstoffe. Minimalismus war das sicher nicht, aber ziemlich cool.

Ungaro bekannte Farbe: das pinkfarbene Seidentop wurde zur Satinjacke in Goldbeige und einer schmalen Hose mit Leopardenprint kombiniert. Minikleider mit Corsagentop und einem Rock, der seitlich tütenförmig gerafft war, sowie zahlreiche um den Körper gewundene Chiffonkleider mit kleinen Plissees in Schwarz oder einem dunklen Beerenton, legten viel Haut frei. Die Entwürfe, darunter einige mit 70er-Jahre-Prints in grellem Fuchsia, waren eher zum Ausgehen denn für den Alltag gedacht. Eine Ausnahme bildeten schmale Glencheck-Jäckchen sowie Kamelhaar-Mäntel. Lindsay Lohan, in der vergangenen Saison offizielle Kreativberaterin des Hauses, war diesmal nicht mehr dabei. Designerin Estrella Archs verbeugte sich alleine und ersparte sich auch dank der diesmal deutlich gelungeneren Kollektion einiges an Spott. Von Stefanie Schütte, dpa

dpa-infocom



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