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Gesundheit

Sommerzeit: Innere Uhr hat oft anderen Rhythmus

Braunschweig/Hamburg/Münster Die Zeitumstellung macht nach einer Studie fast jedem zweiten Bundesbürger zu schaffen.

Das hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH-Allianz ergeben, wie die Krankenkasse in Münster mitteilte.

Fast die Hälfte der Befragten hat demnach Schlafprobleme. Die meisten bräuchten einige Tage, um wieder in den normalen Schlafrhythmus zu finden und hätten morgens Probleme, aus dem Bett zu kommen. Denn die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) dreht mal wieder an den Uhren: In der Nacht von Samstag (27. März) auf Sonntag (28. März) startet die Sommerzeit. Um Punkt 02.00 Uhr werden alle Funkuhren auf 03.00 Uhr springen. Dafür sorgt ein schon vor Wochen programmiertes Signal des Zeitsenders in Mainflingen bei Frankfurt (Main). Alle anderen Uhren müssen per Hand umgestellt werden. Nun bleibt es morgens länger dunkel und abends länger hell. Am 31. Oktober werden die Uhren wieder eine Stunde zurück auf die Normalzeit gestellt.

Wer Probleme mit der Zeitumstellung hat, sollte am Samstag nicht zu spät ins Bett gehen, empfahl Uwe Starck, Leiter des KKH-Allianz Servicezentrums in Münster. Außerdem helfe Tageslicht: Schwere Vorhänge sollten offen bleiben, weil Helligkeit ein natürlicher Wachmacher sei. Umgekehrt helfe es, am Abend auf helles Licht und Bildschirmarbeit zu verzichten. Damit der Wochenanfang nach der Zeitumstellung nicht zu schwer fällt, sollte man ihn so gut wie möglich vorbereiten und bereits am Sonntagabend Kleidung rauslegen und den Frühstückstisch decken.

Die Zeitumstellung in Deutschland feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag. «Und in all den Jahren ist noch nie etwas schiefgegangen», sagte Jens Simon von der PTB. Die Bundesanstalt mit Sitz in Braunschweig ist unter anderem für die gesetzliche Zeit in Deutschland zuständig. In Frankreich wurden die Uhren schon einige Jahre früher verstellt, als Folge der Ölkrise 1973 sollte so in den Betrieben und den Haushalten Energie gespart werden.

Seit 1980 stellt auch Deutschland jeweils am letzten Wochenende im März die Uhren von der normalen Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit um. Ob dadurch tatsächlich Energie eingespart wird, ist allerdings unter Experten mittlerweile umstritten. Weltweit wird in vielen Ländern für die Sommerzeit an der Uhr gedreht.

Kritik an der Uhrumstellung

Die Zeitumstellung bringt nach Ansicht von Wissenschaftlern die innere Uhr aus dem Rhythmus. Dies berge gesundheitliche Risiken, sagte der Frankfurter Mediziner Horst-Werner Korf im dpa-Interview. Der Regensburger Psychologe Jürgen Zulley fordert sogar die Abschaffung der Zeitumstellung.

«Die körperlichen Auswirkungen können bis hin zu vegetativen Störungen gehen, also Veränderungen von Puls und Blutdruck», erklärte Korf. Schläfrigkeit und ein eingeschränktes Konzentrationsvermögen treten vor allem beim Chronotyp der «Eulen» - also Langschläfern - auf. Es gebe Untersuchungen, die belegen, dass es am Montag nach der Zeitumstellung vermehrt zu Verkehrsunfällen komme.

Die Sommerzeit sei nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich, sagte Zulley der Wochenzeitung «Die Zeit». «Es würde unserer Biologie eher entsprechen, in der Winterzeit zu bleiben.» Neue Untersuchungen zeigten, dass sich die Zeitumstellung nicht nur kurzfristig negativ auf die Gesundheit auswirkt - vielmehr störe sie sieben Monate lang bis zum Anfang der Winterzeit die innere Uhr einer Mehrheit der Bevölkerung.

«Richtig gewöhnen werden wir uns daran nie», weiß auch der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg aus seinen Forschungen über den Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Sommerzeit sei ein «von oben diktierter Eingriff in unser biologisches Zeitsystem», sagte er der «Zeit».

Physikalisch-Technische Bundesanstalt: www.ptb.de Zeitumstellung Zweimal im Jahr werden in Deutschland und weiten Teilen Europas die Uhren jeweils eine Stunde vor- oder zurückgestellt. Das ist gesetzlich festgeschrieben - im Zeitgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Auch die beiden Tage für die Umstellung sind genau festgelegt: jeden letzten Sonntag im März werden die Uhren um eine Stunde vorgedreht, es gilt die Sommerzeit. Sie bleibt bis zum letzten Sonntag im Oktober aktuell. Dann springen die Zeiger um 60 Minuten zurück, und es gilt wieder die Normalzeit, die im Volksmund auch Winterzeit genannt wird.    

Die jetzt gültige Regel zur Zeitumstellung wurde in Deutschland 1980 eingeführt. Damals galt die Überzeugung, dass durch eine bessere Nutzung des Tageslichts Energie gespart werden könne. Hintergrund dieser Überlegung waren unter anderem die Nachwirkungen aus der Zeit der Ölkrise von 1973. Laut Erkenntnissen des Bundesumweltamtes spart man zwar während der Sommerzeit abends elektrisches Licht, allerdings werde dafür morgens mehr geheizt - vor allem in den kalten Monaten März, April und Oktober. Insgesamt steige der Energieverbrauch dadurch sogar an.

Im Jahr 1994 wurden die unterschiedlichen Regelungen zur Sommer- und Normalzeit in der Europäischen Union vereinheitlicht. Sie gilt seitdem mit kleinen Ausnahmen wie den Kanaren oder den Azoren in allen EU-Mitgliedsstaaten.

dpa-infocom



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