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Spannend: Die Bestseller-Verfilmung «Verblendung»

Berlin - Der Mörder ist unter ihnen - und das seit vierzig Jahren.

Damals verschwand die Nichte des Industriellen Henrik Vanger bei einem Familienfest. Seither ist sie wie vom Erdboden verschluckt.

Der Mörder muss ein Familienmitglied oder ein naher Bekannter sein, ist sich der Patron sicher. Im hohen Alter unternimmt er einen letzten Versuch zur Aufklärung des Falls, der ihm keine Ruhe lässt. Er beauftragt den Journalisten Mikael Blomkvist mit einer aufwändigen Recherche zu dem mysteriösen Verschwinden. Der Krimi «Verblendung» des Schweden Stieg Larsson wurde zum Bestseller, nun kommt die abgründige Geschichte um Korruption, Mord, Inzest und Schatten aus der Nazi-Zeit als skandinavisch-deutsche Koproduktion in die Kinos.

Die Literaturvorlage ist das erste Werk einer Krimi-Trilogie, die weltweit schon 15 Millionen Mal verkauft wurde. Ihr Autor erlebte den erstaunlichen Erfolg der nicht vollendeten Romanreihe, die von ihm auf zehn Bücher angelegt war, nicht mehr: Noch vor der Veröffentlichung des ersten Bandes starb Larsson 2004 im Alter von 50 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes, den er an seinem Arbeitsplatz, den Redaktionsräumen einer Zeitschrift, erlitten hatte. Als habe Larsson sein eigenes Schicksal vorausgeahnt, stirbt eine seiner Romanfiguren an einem Herzinfarkt - als Journalist während der Arbeit in einer Redaktion.

Die Fallhöhe zur Verfilmung eines inzwischen so bekannten Romans war beträchtlich. Das Geflecht an fast durchgängig verdächtigen Familienangehörigen bedurfte im Roman des Abdrucks eines Stammbaums, damit der Leser nicht den Überblick verliert. Doch Regisseur Niels Arden Oplev, dessen bewegendes Drama «Worlds Apart» über eine junge Zeugin Jehovas 2008 bei der Berlinale lief, gelingt ein cineastisches Bravourstück: Er bringt die 704 Seiten dicke Buchvorlage gekürzt und verdichtet auf die Leinwand, ohne dass der erzählerische Sog der Geschichte allzu stark an Wirkung verliert.

So schrumpft die Rahmenhandlung von einem korrupten Firmenchef namens Wennerström in der Filmversion auf wenige Minuten. Einige Figuren werden gestrichen, zwei, drei überraschende Wendungen herausgenommen oder vereinfacht dargestellt. Larsson-Fans mag das unangemessen vorkommen, angesichts der ohnehin nicht knappen Filmversion mit 152 Minuten Länge war das aber absolut notwendig.

Die Teile 2 und 3 der Krimi-Reihe , in denen das aus den Fugen geratene Leben der verschlossenen Computerspezialistin Lisbeth Salander im Mittelpunkt steht, sollen im nächsten Jahr in die deutschen Kinos kommen. Um den erzählerischen Krimi-Sog voll auszukosten, ist die Lektüre der schnell lesbaren Larsson-Werke unbedingt zu empfehlen. Als Alternative oder Ergänzung dazu ist vom Kinobesuch aber keineswegs abzuraten. Damit unterscheidet sich «Verblendung» wesentlich von der langen Reihe enttäuschender Romanadaptionen für das Kino.

www.verblendung-derfilm.de Von Wolf von Dewitz, dpa

dpa-infocom