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Kriminalität

Jörg Kachelmann will sich wehren

Köln/Mannheim - Deutschlands bekanntester TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann (51) sitzt in Untersuchungshaft - wegen Vergewaltigungsverdachts.

Der Leiter der Justizvollzugsanstalt Mannheim, Romeo Schüssler, und eine Sprecherin von meteomedia bestätigten der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag die Verhaftung des ARD-Wetterkundlers. Zuvor hatte die Mannheimer Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass ein 51 Jahre alter Moderator Anfang Februar seine langjährige Freundin vergewaltigt haben soll und deshalb am Samstag verhaftet wurde. Meteomedia kündigte am Abend an, der Firmengründer werde sich juristisch zur Wehr setzten.

«Jörg Kachelmann wird wegen falscher Anschuldigung Klage erheben», hieß es in der meteomedia-Mitteilung. «Ohne dem Gang der Justiz vorgreifen zu wollen, halten wir es für undenkbar, dass die Anschuldigungen stimmen könnten.» Die Vorwürfe seien absolut ungerechtfertigt. «Selbstverständlich wird Kachelmann gegen die uns bekannte Anzeigeerstatterin Anzeige erstatten.»

Kachelmanns Anwalt Prof. Ralf Höcker aus Köln wies die Anschuldigungen in einer ersten Stellungnahme ebenfalls deutlich zurück. «Die Vorwürfe sind falsch und frei erfunden», sagte Höcker der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Diese Woche wird Kachelmann nicht wie gewohnt in der ARD zu sehen sein, sagte eine ARD-Sprecherin in München. Claudia Kleinert wird für Jörg Kachelmann die Wettermoderationen in der ARD übernehmen. Die 40-Jährige präsentiere bis einschließlich Sonntag die Sendung «Wetter im Ersten», die jeweils vor der 20-Uhr-«Tagesschau» und nach den «Tagesthemen» läuft. Über den Moderationsplan der kommenden Woche sei noch nicht entschieden, teilte die ARD-Programmdirektion in München auf Anfrage mit. Die Wettersendung wird im Wechsel von vier Moderatoren präsentiert; neben Kachelmann und Kleinert sind das Sven Plöger und Alexander Lehmann. Kachelmanns weiterer Einsatz hängt vom Verlauf des Strafverfahrens gegen ihn ab.

Der 51-Jährige war am Samstag am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Das hatte die Mannheimer Staatsanwaltschaft bestätigt, Kachelmanns Namen aus rechtlichen Gründen jedoch nicht genannt. Der Verhaftete soll demnach seine Freundin nach einem Streit in ihrer Wohnung im baden-württembergischen Schwetzingen vergewaltigt haben. Nach der Anzeige vom Februar 2010 habe sich der Tatverdacht erhärtet. Deshalb «hat das Amtsgericht Mannheim gegen den Beschuldigten auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen». Angeblich wird Fluchtgefahr gesehen, weil der Schweizer in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat.

«Die gegen unseren Mandanten erhobenen Vorwürfe sind haltlos», betonte Anwalt Höcker. Die Beschuldigungen würden «jeglicher Grundlage entbehren». In der Mitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es hingegen zu dem Verhafteten: «Ihm wird nach den bisherigen Ermittlungen der Polizeidirektion Heidelberg vorgeworfen, Anfang Februar seine langjährige Freundin nach einem vorangegangenen Beziehungsstreit in ihrer Wohnung im Rhein-Neckar-Kreis gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.»

Kachelmann, der in der Schweiz wohnt, hat in der Vergangenheit öffentlich Aktionen gegen häusliche Gewalt unterstützt. Noch Mitte Dezember präsentierte der Wetterexperte in Berlin beim Start einer Kampagne gegen die Misshandlung von Kindern ein Plakat mit der Aufschrift «Gewalt hinterlässt Spuren».

Der Chefredakteur der ARD-«Tagesschau», Kai Gniffke, erklärte in seinem Blog auf «tagesschau.de», warum die meistgesehene deutsche Nachrichtensendung am Montagabend den Fall Kachelmann nicht aufgegriffen hat. «Wir waren uns wohl bewusst, dass man uns (...) vorwerfen wird, dass wir die Nachricht von der Verhaftung des Wetteransagers unterdrückt hätten. Trotzdem haben wir uns gegen eine Meldung in dieser Sache entschieden», schrieb er in dem Blog am späten Montagabend. Auch bei «Moderatoren, Schauspielern und Showstars» anderer Sender hätte die «Tagesschau» verzichtet. «Warum dann also bei Kachelmann? Weil er ein ARD-Gesicht ist? Nur damit uns ja keiner Parteilichkeit vorwirft? Ich denke nicht daran, aus diesem Grund das Profil der Tagesschau zu verändern (...) Diese Promi-Krimi-Vorwurf-Mixtur hat in einer Tagesschau im jetzigen Stadium nix verloren.»

http://blog.tagesschau.de/?p=7639#more-7639

dpa-infocom