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Film

«Precious»: Oscarprämiertes Drama

Berlin - Das Leben der 16-jährigen Precious ist hart: von der Mutter wird sie regelmäßig geschlagen und misshandelt, vom Vater ist sie zum zweiten Mal schwanger und Freunde hat sie sowieso nicht.

Tatsächlich ist die Geschichte von «Precious - Das Leben ist kostbar» nur schwer zu ertragen - und doch ist es einer der besten Filme des Jahres. Schließlich verknüpft Regisseur Lee Daniels ein extrem intensives Drama mit einer zutiefst berührenden Geschichte über ein junges Mädchen, das trotz aller Widrigkeiten seinen eigenen Weg findet. Dafür wurde der Film mit Souldiva Mariah Carey und dem Sänger Lenny Kravitz in Nebenrollen bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit zwei Oscars.

Die herausragende Neuentdeckung des Films ist Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe. Sie verkörpert Claireece Jones, genannt Precious (auf Deutsch: wertvoll). Ein schwarzes, etwa 200 Kilogramm dickes Mädchen aus Harlem, das mit gesenktem Blick über die Straße läuft und zu Hause die Schläge ihrer Mutter (mit dem Oscar ausgezeichnet: Komödiantin Mo'Nique) über sich ergehen lässt. Eine junge Frau, die sich - während sich ihr Vater an ihr vergeht - in eine Traumwelt flüchtet, in der sie beliebt, berühmt und begehrt ist.

Diese Gegensätze meistert Gabourey Sidibe perfekt. Während sie in den Traumsequenzen eine selbstbewusste Jugendliche spielt, spiegeln sich die ständigen Demütigungen der Realität in ihrem traurigen Blick und der Körperhaltung wieder. Und trotz ihres massigen Körpers wirkt Sidibes Precious extrem verletzlich und hilflos.

Überraschend ist auch die Besetzung zweier Nebenrollen: Mariah Carey, die sonst eigentlich nur in hautengen, knappen Outfits zu sehen ist, spielt eine Sozialarbeiterin - und das tut sie ungeschminkt und im Schlabberlook erstaunlich gut. Auch der Musik-Star Lenny Kravitz nimmt sich in dem Film zurück, verleiht seiner Rolle als Krankenpfleger sogar durchaus menschliche Wärme.

Dennoch ist «Precious» in seiner Intensität über die gesamten 110 Minuten kaum zu ertragen. Die ständigen emotionalen und körperlichen Misshandlungen durch die Mutter, den Vater und die Umgebung werden zwar meist nur in kurzen Szenen angedeutet. Doch diese Bilder sind erschreckend genug, um eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen und das Gefühl der Ausweglosigkeit im Leben des jungen Mädchens schnell spürbar zu machen.

Trotzdem gibt es etwas Hoffnung. Eine Sozialarbeiterin (Carey) nimmt sich Precious an. Auch an einer neuen Schule scheinen sich die Dinge zu bessern. Precious lernt, zu schreiben, fühlt sich beachtet und geachtet - und findet irgendwann trotz aller Widrigkeiten die Kraft, sich zumindest ein kleines bisschen aus ihrer Hölle zu befreien. Von Aliki Nassoufis, dpa

dpa-infocom