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Papieroptik und Platinguss: Porzellan mal anders

Frankfurt/Main Kitschig, bunt und mit Goldrand: Das verbinden die meisten mit dem Porzellanservice in der Wohnzimmervitrine.

Jetzt soll das edle Material ein flotteres Image erhalten: als Becher für den «Coffee to go», Amulett oder opulenter Kerzenleuchter.

Zum 300. Geburtstag der deutschen Porzellanherstellung in diesem Jahr haben die Manufakturen das «weiße Gold» neu interpretiert. Viele Hersteller experimentieren mit Materialkombinationen wie Porzellan und Platin oder übertragen Strukturen aus dem Alltag und aus der Natur in das Design.

«Auf dem Tisch lautet das Motto 'Mix and Match'», sagt Bettina Vajen, Sprecherin des Verbands der Keramischen Industrie. «Man mischt die Formen und Farben.» Es müsse kein vollständiges Service mehr aufgetragen werden. «Individualität wird großgeschrieben.» Und so krönen die Tafel Einzelstücke aus Porzellan wie ausladende Schalen und Etageren oder Vasen mit Platinüberzug. Sie stehen jetzt auch gern zwischen den Alltags-Kaffeebechern und dem alten Silberbesteck vom Flohmarkt.

Wer seine Wohnung mit Porzellan schmücken möchte, muss aber nicht zwangsläufig auf Geschirr zurückgreifen. So hat die Designerin Barbara Schmidt für den thüringischen Porzellan-Hersteller Kahla zur Konsumgütermesse Ambiente 2010 zwei Deckenlampen kreiert. Die Einzelstücke sind aus hunderten Porzellanhaken oder hauchdünnen Plättchen mit dem bekannten blauen Strohmuster hergestellt, die bei jeder Bewegung wie ein Windspiel klingen.

Eine neue Interpretation erfährt der Werkstoff unter den Händen des Designers Patrik Muff für die Manufaktur Nymphenburg. Der Künstler fasst Kreuze, Talismane und Amulette aus Porzellan in Silber, Rosé- und Weißgold, kombiniert mit Brillanten, Rubinen und Saphiren. Die Kollektionen «Essentials» und «Essentials II» zeigen mystische Symbole wie Kreuze, Totenköpfe, Anker, Lilie und Herz. Auch die Manufakturen Meissen und Fürstenberg präsentieren neue Schmuckkollektionen, in denen Porzellan verarbeitet wurde.

Von der Natur inspiriert ist die neue Serie «Findlinge» von Weimar-Porzellan. Die Objekte - darunter vor allem Vasen und Schalen - erinnern an Baumstämme, Bambus, Seeigel und Muscheln. Die junge Linie von Rosenthal «studio-line» experimentiert mit Papier-, Textil- und Lederoptik. Die Oberfläche wird beispielsweise mit Platin überzogen: Die glänzende «Tütenvase» erinnert - wie der Name schon sagt - an eine zerknitterte Papiertüte.

Die Designerin Ruth Gurvich hat für Nymphenburg eine Kollektion aus Vasen und Tafelgeschirr entworfen, die ebenfalls nach hauchdünnen Papiermodellen gefertigt wurde. Die Modelle spielen mit den Eigenheiten des Materials und zeigen Knicke, Falten und Spannungen.

Nicht nur ungewöhnliches Design soll aber neue Kunden anlocken - die Hersteller wollen auch mit Alltagstauglichkeit punkten. So hat «Rosenthal studio-line» einen Becher mit gerippter Oberfläche entwickelt. «Cup°» soll den Abstand zwischen Getränk und Hand vergrößern. Heiße Getränke können so besser gehalten werden, ohne dass es heiß an den Fingern wird.

Auch der Hersteller Könitz setzt auf praktisches Porzellan und stellt dieses Jahr die neue Becherkollektion «Coffee to go» mit unterschiedlichen Motiven vor, die mit einem Silikondeckel ausgestattet sind. Das Unternehmen Arzberg präsentiert mit den «Küchenfreunden» unter anderem Porzellan-Schüsseln und Frischhaltedosen zum Aufbewahren und Zubereiten von Speisen.

Mit der Neuinterpretationen traditioneller Formen und Dekore versuchen die Hersteller den Spagat zwischen der langen Historie und dem Sprung in die Moderne. «Viele Designer inspirieren, indem sie Alltagsdesign neu und oft humorvoll definieren», sagt Claudia Herke vom stilbüro bora.herke in Frankfurt/Main. Das wirkt sich zum Teil sogar auf den Herstellungsprozess aus.

So hat die Künstlerin Silke Decker das sogenannte Kordelporzellan kreiert. Für die Herstellung von Schalen und Teelichtern werden Wollfäden in Porzellan getaucht und über einem Gipskörper zu einem Geflecht ausgelegt. Nach dem Trocknen lässt sich das Geflecht vom Gipskörper lösen und wird im Ofen gebrannt. Die Wolle verbrennt und hinterlässt feine Hohlräume im Porzellan - so bleibt die Struktur der Kordel erhalten in Form von üppigen Schalen.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr: http://dpaq.de/Porzellan-Jubilaeum Veranstaltungen rund ums Jubiläum Jubiläum des Porzellans zeigt das größte Porzellanmuseum Europas - das «Porzellanikon» - in Selb und Hohenberg in diesem Jahr die Ausstellung «Königstraum und Massenware» (24. April bis 2. November). Auch die Albrechtsburg Meissen widmet der Meissen-Manufaktur eine Ausstellung. Weitere Veranstaltungen und Informationen hat der Verband der Keramischen Industrie auf der Internetseite www.porzellanistleben.de zusammengestellt. Von Anne Gottschalk, dpa

dpa-infocom


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