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Unfallfrei zum Unfallort: Blaulicht-Simulator hilft

Steinfurt Mit 155 Sachen saust der Rettungswagen Richtung Einsatzort über die Landstraße.

Die Bäume rechts und links verschwimmen zur dunkelgrünen Wand.

Die Sirene heult. Die Finger rutschen schweißverschmiert über das Lenkrad. Jede Sekunde zählt. Abbremsen beim Ortseingangsschild. Zebrastreifen. Mutter mit Kind. Vollbremsung. Zu spät. Erwischt. Das Horrorszenario flimmert über drei Bildschirme. Es war simuliert. Der Schrecken war es nicht. Der sogenannte «Sondersignalfahrt-Trainer» soll Rettungsdienste auf Einsatzfahrten schulen, um die Zahl der Unfälle zu senken. Ausreichend genutzt wird die Maschine allerdings nicht.

Bernhard Duesmann ist ein freundlicher Mann mit hochgezwirbeltem Weißhaar-Schnurrbart. 1972 trat er in die Feuerwehr ein und nie wieder aus. In Steinfurt ist Duesmann Kreisbrandmeister. Ein sehr guter, wie seine Kollegen sagen. Mit guten Ideen, wie Duesmann sagt. «Blaulichtfahrten sind purer Stress», weiß Duesmann. Und: Das Risiko für Rettungshelfer, dass es auf ihrem Weg zum Einsatzort rummst, ist 17 Mal höher als gewöhnlich. Und: Etwa 60 Prozent aller Unfälle werden Verkehrsexperten zufolge von den Einsatzfahrern selbst verschuldet. «Kann man da nicht was tun?», fragte ein Feuerwehrmann Duesmann. Der Kreisbrandmeister war Feuer und Flamme für das Vorhaben.

Duesmann wollte für die rund 2500 Feuerwehrleute in seinem Kreis einen Fahrsimulator speziell für Rettungskräfte besorgen. Zusammen mit einer Leipziger Spezialfirma und dem Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften entwickelte er den ersten Blaulichtfahrtensimulator-Deutschlands. Der Kreis Steinfurt finanzierte den Erfindergeist. Seit Sommer vergangenen Jahres steht der Prototyp in der Feuerwache. Kostenfaktor: Rund 200 000 Euro.

Eine fünfköpfige Männerriege vom Deutschen Roten Kreuz Gelsenkirchen ist an diesem Tag zum Fahrtest angereist. Der hauptamtliche Rettungshelfer Danny Zimmer klemmt sich hinter das Lenkrad. Auf drei Bildschirmen flimmert die virtuelle Straße. Dreizehn Rechner betreiben den Simulator, der aussieht, als sei er aus einer spelunkigen Spielhalle in die Feuerwache geschleppt worden. «Da kann man bestimmt super drauf Playstation spielen», raunt ein Zivildienstleistender.

Nach einer Einführungsfahrt , werden brenzlige Situationen trainiert: Eine unkontrollierte Gassenbildung. Ein unachtsamer Fußgänger. Ein Lastwagen, der die Sicht nimmt. Insgesamt 32 Szenarien umfasst das Programm. Danny Zimmer schwitzt. «Ich finde es gut, dass es den Simulator gibt», sagt Rettungsassistent Sven Budde. Er meint, es gebe zu wenig Trainingsangebote speziell für den Rettungsdienst.

Doch nicht alle sehen das so. Der Sondersignalfahrten-Trainer ist nicht ausgelastet. Vielen kleinen Trägern fehlt das Geld, eine fünfstündige Schulungseinheit kostet pro Person 50 Euro. Auch große Träger verhalten sich zaghaft: «Feuerwehr und Polizei sind halt seit jeher konservativ», sagt Duesmann. «Sie rücken leichter den schiefen Turm von Pisa gerade, als in unserem System was zu verändern.» Aus den Lautsprechern quietscht es. Danny Zimmer hat die rote Ampel übersehen. Von Nora Gantenbrink, dpa

dpa-infocom


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