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Die Alten sind in der Werbung im Kommen

Wolfsburg «Die Arbeit als Fotomodell macht mir einfach Spaß», sagt Alice Krüger aus Wolfsburg.

Sie ist 77 Jahre alt und seit einigen Jahren im Geschäft, hat beispielsweise Foto-Sessions für Werbung und Kataloge von Unternehmen aus verschiedenen Branchen gemacht.

Alice Krüger ist eines von mehr als 100 Foto-Modellen der Agentur Sichtwandel in Papenrode bei Wolfsburg. Sichtwandel ist eine der bundesweit wenigen Agenturen, die ausschließlich ältere Modelle ab 50 Jahre für Foto- und Filmproduktionen vermitteln.

«Der Firmenname ist eine Botschaft», stellt Firmen-Chefin Insa Arndt fest: «Wir wollen einen Bewusstseinswandel im Werbe-Bild des älteren Menschen bewirken. Wir geben den Senioren ihr Gesicht zurück». Insa Arndt will Modelle vermitteln, die nicht nur fotogen, sondern vor allem authentisch sind: die Lebenserfahrung und Persönlichkeit ausstrahlen, die selbstbewusst und unverwechselbar sind. Und sie registriert mit diesem Konzept eine wachsende Resonanz in der Wirtschaft.

Zwar dominiert in der Werbung noch immer die Jugend, doch sind die Alten im Kommen. «Es hat sich in den vergangen Jahren einiges verändert», berichtet Monika Prött vom Reife-Netzwerk. Das ist ein bundesweiter kommerzieller Zusammenschluss von Unternehmen und Dienstleistern mit Sitz in Hannover, die auf dem Markt 50plus aktiv sind.

Angesichts des demografischen Wandels zur alternden Gesellschaft ist das ein Zukunftsmarkt. Immer mehr Unternehmen entwickeln und bieten Produkte und Dienstleistungen für ältere und kaufkräftige Menschen an und umwerben sie gezielt. Monika Prött zitiert Studien, nach denen - mit steigender Tendenz - die über 60-Jährigen heute bereits ein Viertel der Bevölkerung stellen und über fast ein Drittel der Kaufkraft verfügen.

«Unternehmen, die mutig mit älteren Menschen für ihre Produkte werben, können außerordentliche Erfolge erzielen», stellt Monika Prött fest. Viele Unternehmen tauschten allerdings nur junge gegen ältere Modelle aus, und die Werbe-Botschaft sei unverändert aufdringlich jugendlich, bemängelt Insa Arndt. Wobei die älteren Modelle dann auch nicht zu alt sein dürften - mindestens zehn Jahre jünger als die Zielgruppe. So etwas könne nicht funktionieren, meint Monika Prött.

Ältere Verbraucher seien viel kritischer und aufmerksamer, unglaubwürdige Werbung habe bei ihnen keine Chance. Auch die Agentur-Chefin Arndt setzt auf die Macht der Verbraucher, um den Bewusstseinswandel weiter voranzubringen. Sie wünscht sich zugleich mehr Realismus und nennt ein Beispiel: «In der Werbung für Seniorenresidenzen werden meist nur gesunde und aktive Menschen gezeigt, aber kaum kranke und hilfsbedürftige».

Früher beschränkte sich der Werbe-Einsatz von älteren Menschen auf Branchen, die ohnehin nur oder sehr viele Senioren-Kunden haben: etwa im Gesundheits- und Pflegebereich. Inzwischen sind auch Branchen dabei, die spezielle Produkte für Ältere anbieten. Insa Arndt nennt beispielhaft Banken, Versicherungen oder Touristik-Unternehmen. Auch Branchen mit einem breiten Kundenkreis werben zunehmend mit Älteren, etwa Verkehrsbetriebe, Energieversorger oder die Ernährungsindustrie.

Nachholbedarf habe vor allem die Modebranche, meint Modell Alice Krüger: «Es gibt weder gute Kleidung in entsprechenden Größen für ältere Menschen noch kommen die häufig in der Werbung vor».

Agentur Sichtwandel: dpaq. de/fUGkr

Zusammenschluss von Unternehmen und Agenturen: dpaq.de/XJW7P Von Klaus Sievers, dpa

dpa-infocom