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Wie ein Punker unter Messdienern - 25 Jahre BMW M3

München Ursprünglich nur als sogenanntes Homologationsmodell für den Rennsport gedacht, entwickelte sich der BMW M3 schnell zu einem Verkaufsschlager. Seit nunmehr 25 Jahren wird das bayerische Kraftpaket der 3er-Reihe gebaut.

Deutschland 1985: In Bonn regiert Helmut Kohl, in Wiesbaden kommt Joschka Fischer in Turnschuhen zur Vereidigung, und auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt staunt die Welt über den 331 kW/450 PS starken Porsche 959, der als schnellstes Serienfahrzeug seiner Zeit gilt. Doch während der 959 für viele ein Traum bleibt, dreht sich ein paar Stände weiter ein Sportwagen, der zur Vollgasdroge der Mittelschicht avanciert: der BMW M3.

Geplant als «Homologationsmodell» für den Rennsport, wird der Kraftmeier aus der Modellreihe E30 zum Dauerbrenner, der für viele Autofans auch heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Mittlerweile in der vierten Generation gebaut, kommt er nach Angaben von BMW-Sprecher Stefan Behr in München auf weit mehr als 200 000 Exemplare. Er macht etwa zwei Drittel der Produktion bei der BMW M GmbH aus - und ein Ende ist nicht abzusehen.

Über die Eckwerte des ersten Modells lachen heute zwar schon die Kunden der Kompaktklasse. Doch als der ICE bei der Bahn noch ein Prototyp war und ein VW Golf GTI mit 102 kW/132 PS auskommen musste, konnten M3-Kunden mit 147 kW/200 PS und 240 Nm noch mächtig Eindruck schinden. Wer erst einmal aus dem Drehzahlkeller heraufgeklettert war und den 2,3 Liter großen Vierzylinder auf Touren gebracht hatte, schaffte den Sprint von Null auf 100 nach alten Werksunterlagen in 6,7 Sekunden und war mit einem Spitzentempo von 230 km/h ganz vorn dabei. «Vor der damals aufgeflammten Diskussion ums Tempolimit haben sich M3-Fahrer deshalb zurecht gefürchtet», erinnern sich Fahrer des Klassikers.

Mehr noch als mit seiner Leistung beeindruckte der erste M3 allerdings durch sein Design: Mit weit ausgestellten Kotflügeln, tief heruntergezogenen Schürzen und einem Heckflügel von der Größe eines Bügelbretts wirkte der Wagen neben den Modellen aus der Großserie wie ein Punker in einer Gruppe Messdiener. Angehende Schwiegermütter haben böse mit dem Kopf geschüttelt und ihren Töchtern noch einmal ins Gewissen geredet. Aber das ist 25 Jahre her. Heute wirken die Insignien von Kraft und Aerodynamik an dem misanoroten Rentner fast schon so klassisch wie die Flügeltüren am Mercedes SL.

Innen dagegen war der M3 eher Biedermann als Brandstifter. Natürlich hatten die Sitze etwas mehr Kontur, das Lenkrad war ein bisschen griffiger und die Schaltung ein wenig knackiger. Doch das Cockpit war eine Wüste aus dunklem Kunststoff, der Schalter grobschlächtig, und der Bordcomputer erinnerte an frühe Taschenrechner.

Zwar war der M3 als sportlicher Ableger der 3er-Reihe ein durch und durch bodenständiges Auto. Doch bürgerlich war er mit einem Grundpreis von 58 000 Mark ganz sicher nicht - schließlich gab es einen 325i damals schon für 33 000 Mark. Dem Erfolg tat der hohe Preis allerdings keinen Abbruch. Die 5000 Autos, die BMW für die Homologation des Rennmodells auf die Straße bringen musste, hatten die Bayern schnell voll. Und während der Zweitürer in der Hand von Profis wie Hans-Joachim Stuck oder Joachim Winkelhock zum erfolgreichsten Tourenwagen der Welt avancierte, kamen die Mechaniker mit der Produktion kaum hinterher: Bis zum Modellwechsel 1991 lieferte die M GmbH fast 18 000 M3 der ersten Serie aus. Kein Wunder, dass er seitdem zum festen Mitglied der Modellfamilie wurde und es auch danach in jeder 3er-Generation auch einen M3 gegeben hat.

War der erste M3 für die Rennstrecke gebaut und musste sich nur der Form halber auf der Straße bewähren, haben sich die Prioritäten längst geändert, und der sportliche 3er zielt vor allem auf einen eiligen Alltag auf der Überholspur. Nicht umsonst gab es den M3 zwischendurch auch mal als Limousine und Kombi, und nach wie vor als Cabrio.

Pünktlich zum Jubiläum rückt die Rennstrecke bei den BMW-Entwicklern allerdings wieder ein wenig in den Vordergrund. Denn als Geschenk an sich selbst und besonders begeisterte Kunden haben sie den M3 GTS aufgelegt. 331 kW/450 PS stark und mit einem Grundpreis von 136 850 Euro fast doppelt so teuer wie das Serienmodell, behält er zwar die Straßenzulassung, gehört aber mit erhöhtem Leichtbauanteil, nachgeschärftem Fahrwerk und noch üppigeren Spoilern zuallererst auf die Rundstrecke. Dort könnte er sogar seinem einstigen Rivalen von der IAA 1985 gefährlich werden. Offiziell ist das Höchsttempo des Porsche 959 zwar mit 317 km/h angegeben, während für den M3 bei 305 km/h Schluss ist. Doch lagen damals zwischen den beiden Sportlern noch Welten - heute sind sie zumindest bei der Leistung gleichauf. Von Thomas Geiger, dpa

dpa-infocom



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