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Stille und Effizienz: Der Garten als Arbeitsplatz

Straelen Wer im Grünen arbeitet, fühlt sich wohler und ist seltener krank.

Schon in den 90ern bestätigten das Studien der A&M University in Texas und der Landwirtschaftlichen Universität Ås in Norwegen. So setzen Firmen zunehmend auf eine grüne Umgebung.

Nüchtern und sachlich müssen die Büros von Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern aussehen. Doch wer die Kanzlei von Daamen, Müller und Hufschmidt in Straelen am Niederrhein besucht, wird eines anderen belehrt. 11 000 Quadratmeter Garten säumen das Gebäude - aber nicht als Villengarten mit Rasen und Blumenrabatten. Stattdessen gliedern streng geschnittene Hecken die Fläche.

So entstehen mal große, mal kleine grüne Räume als Fortsetzung der Zimmer drinnen im Gebäude. Jeder grüne Raum besitzt verborgen und gut abgeschirmt einen Sitzplatz. Um ihn herum führen Zierkirschen, Zieräpfel, Magnolien, Rhododendren und Hortensien einen Blütenreigen auf, während sich Narzissen und Hasenglöckchen, Funkien, Astilben und Taglilien zu ihren Füßen ausbreiten.

Rund 50 Menschen arbeiten in der grünen Kanzlei. Spielt das Wetter mit, treffen sie sich auch draußen in den Gartenräumen zu Besprechungen. Dort stimmen sie Termine ab, legen Strategien fest oder ziehen sich mit ihren Klienten in einen der «grünen Räume» zurück. «Um die Vertraulichkeit der Gespräche zu wahren, hatten die Gartenräume früher noch nicht einmal Zugang untereinander», erklärt Uschi Müller, aus deren Hand das Konzept für Gebäude und Garten stammt und die mit ihrer Galerie drinnen und draußen künstlerische Highlights setzt. «Aber die Mitarbeiter wollten zumindest einen schmalen Weg haben, der die Räume miteinander verbindet.»

13 Jahre ist das ungewöhnliche Konzept der Kanzlei inzwischen alt und hat sich sehr bewährt. Die Fluktuation ist gering, denn Betriebsklima und Arbeitsatmosphäre werden hoch geschätzt. Aber noch ein anderer Gesichtspunkt spielt eine Rolle. Schon bei der Planung stand die Frage im Raum, wie die Kanzlei sich gegenüber der zahlreichen Konkurrenz abheben könnte. Heute ist klar: Für die Bindung der Klienten spielt der Garten eine wichtige Rolle.

Überzeugt, den richtigen Schritt mit der Neuplanung der Firmenzentrale in Coesfeld-Lette getan zu haben, ist auch Kurt Ernsting, Seniorchef des Unternehmens Ernstings family. «Die Fehlerquote der Mitarbeiter hat sich deutlich verringert, seit sie in dem grünen Umfeld arbeiten», erzählt er. In den 90er Jahren, als die Planung begann, war klar, dass die neue Firmenzentrale nicht nur mehr Raum bieten sollte. Sie musste sich auch in die ländlich geprägte Umgebung des Münsterlandes einbetten.

Heute erheben sich drei klare Baukörper aus einer großzügigen Grünanlage, die jedermann offen steht. Aus der Hand von Peter Wirtz, einem renommierten belgischen Gartenarchitekten, stammen die sanften, von Gräsern gekrönten Hügel, die wie Wogen auf die Gebäude zuzulaufen scheinen. Weht der Wind durch die Halme, verstärkt sich der Eindruck des Fließens und Strömens, dem einzelne markante Bäume Halt gebieten.

Ins Grüne schauen auch die Mitarbeiter der Landesbausparkasse in Hannover. Dabei ist der Gebäudekomplex von außen ein wahrer Glaspalast. Aber innen wird der Baukörper durch vier jeweils rund 250 Quadratmeter große Innenhöfe gegliedert. Tropische und subtropische Vegetation mit hohen Bäumen, Büschen und Kräutern machen sich dort unterm Glasdach breit.

Dass Pflanzen sogar in nüchterne Industriehallen einziehen können, lässt sich bei BMW in München erleben. In einer der Fertigungshallen, in denen Fahrzeugkomponenten hergestellt werden, ziehen sich lange Trogbänder unter der Hallendecke hin. Aus ihnen rankt es grün herab. Wer hier arbeiten darf, fühlt sich fast schon privilegiert.

Das sind Beispiele, denen weitere Industriehallen, Büros und auch private Arbeitsplätze folgen könnten. Denn auch in der Küche, am Schreibtisch für die Schularbeiten oder am häuslichen PC arbeitet es sich besser, wenn der Blick ins Grüne geht. Fehlt dafür der eigene Garten, können ein begrünter Balkon, der Baum vor der Haustür, Wand- oder Dachbegrünung und nicht zuletzt die Pflanzen auf der Fensterbank ihren Teil zum seelischen Wohlbefinden beisteuern. Wieso entspannt der Blick ins Grün? Wissenschaftler wie Gordon Orian führen das auf die Frühzeit der Menschen zurück. In der afrikanischen Savanne versprachen Büsche, Bäume und Kräuter den Menschen Schutz, Nahrung und Wasservorkommen. Dort konnte man sich niederlassen. Andere sprechen davon, dass Pflanzen der Entfremdung von der Natur entgegenwirken. Neben dem Wechsel von Reizüberflutung und -verarmung setzen sie eine sanfte Stimulation der Sinne. Von Helga Panten, dpa

dpa-infocom


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