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Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé: Freisitz auf Rädern

Hamburg (dpa-infocom) ­ Der Rolls-Royce Phantom markiert ein Extrem. Mit 5,61 Metern ist er nicht nur der längste, sondern beim Grundpreis von 440 300 Euro auch der teuerste Freisitz auf Rädern. Und dabei so vornehm, dass der Begriff «Cabrio» dafür viel zu banal wäre.

«Drophead Coupé» nennen es deshalb die Briten, wenn ihre Lordschaft den Hut lüften. Mit normaler Fortbewegung hat eine Ausfahrt im Phantom nicht mehr viel gemein: Man rast nicht, man reist. Und wo andere Autos fahren, scheint der Rolls-Royce zu schweben. Die Luftfederung bettet die Passagiere wie auf Wolken. Über die hohe Frontscheibe fächelt selbst bei schnellem Tempo allenfalls ein laues Lüftchen. Der Motor arbeitet leise und unauffällig wie ein guter Geist und die Zeit fließt zäh wie gutes Olivenöl aus der edlen Uhr in der fein gemaserten Holztäfelung.

Eile ist im Phantom ein Fremdwort

Wer es tatsächlich hinter das Steuer oder auf das bequeme Fauteuille in Fond geschafft hat, der kennt keinen Zeitdruck mehr. Er muss keine Termine einhalten, sondern gibt allenfalls welche vor. Und wenn es doch mal dienstlich wird, fährt er lieber Daimler oder BMW. Nicht umsonst hat jeder Rolls-Royce-Kunde im Schnitt noch ein halbes Dutzend weiterer Autos in der Garage und nimmt das Cabrio nur für die echten Wonnestunden.

Natürlich hat der Phantom unter seiner schier endlosen Haube trotzdem einen potenten Zwölfzylinder, der mit 338 kW/460 PS und 720 Nm auch bei den Leitungsdaten zur Cabrio-Spitze zählt. Doch kein Phantom-Fahrer käme auf die Idee, dem 6,75 Liter großen Motor hinter dem Kühlergrill von der Präsenz des Buckingham Palace die Sporen zu geben. Niemand will mit so einem Auto tatsächlich in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 jagen oder jemals das Spitzentempo von 240 km/h ausreizen. Dafür ist der 2,6 Tonnen schwere Wagen dann einfach auch zu groß und ungelenkt.

Kraft und Kultur im Überfluss

Stattdessen pendelt sich der Zeiger für die Kraftreserven irgendwo bei 75 Prozent ein, der Motor lässt die fast drei Tonnen mit seiner kultivierten Kraft dahin schmelzen. So gleitet man gemütlich über eine Prachtstraße, thront auf den hohen Ledersesseln und genießt sogar die schier unendlich lange halbe Minute, in der sich das riesige Verdeck elektrisch über den Kofferraum legt. Nicht nur Geld, auch Zeit verliert hier an Bedeutung.

Selbstredend macht man im Phantom überall eine gute Figur. Doch für eine schnelle Autobahn ist dieses Fahrzeug ebenso wenig gemacht wie für den Stadtverkehr ­ es sei denn als Prunkwagen bei einer königlichen Parade. Das angestammte Revier des Rolls Royce sind vielmehr die herrschaftlichen Landschaften in Cornwall und Kalifornien - oder zur Not auch in der Lüneburger Heide: Leere Straßen, sanfte Kurven, weite Blicke - das ist es, was man für den königlichen Genuss wirklich braucht.

Auch bei 440 000 Euro bleibt Platz auf der Preisliste

Zwar ist das Cabrio aus Goodwood schon mit einem Grundpreis von knapp einer halben Million teurer als die meisten privaten Immobilien. Doch nach oben ist die Skala bei den Briten traditionell weit offen: Schon die ebenso auf- wie anfällige Motorhaube aus poliertem Edelstahl kostet mehr als mancher Kleinwagen. Für die Teakholzablage über dem Verdeck gibt es ein respektables Gummiboot. Und was die Kunsthandwerker unter den BMW-Mitarbeitern in der Manufaktur binnen rund 1000 Stunden Arbeitszeit noch an Hölzern oder Ledern einbauen, reicht anderen oft für eine kleine Eigentumswohnung. Dass sich da niemand von den vielleicht 200 Kunden im Jahr über Wertverlust, Betriebskosten oder gar den Normverbrauch von 15,7 Litern (CO2-Ausstoß 377 g/km) aufregt, darf keinen wundern.

Fazit: Ein Königreich auf Rädern

Es fällt schwer, sich in eine Welt hineinzufinden, in der ein Phantom Drophead Coupé so normal ist wie ein offener Peugeot. Nur mühsam hält man die Hände im Schoß, verkneift sich das huldvolle Winken - und muss sich immer wieder selber sagen: Das Drophead Coupé ist kein Königreich auf Rädern, sondern auch nur ein Cabrio ­ aber eben eins für Könige.

Datenblatt: Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé
Motor und Antrieb V12-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 6749 ccm
Max. Leistung: 338 kW/460 PS bei 5350 U/min
Max. Drehmoment: 720 Nm bei 3500 U/min
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 5609 mm
Breite: 1997 mm
Höhe: 1581 mm
Radstand: 3320 mm
Leergewicht: 2620 kg
Zuladung: 430 kg
Kofferraumvolumen: 315 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,7 s
Durchschnittsverbrauch: 15,7 Liter/100 km
Reichweite: 500 km
CO2-Emission: 377 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU5
Kosten
Basispreis der Modellreihe (Limousine): 390 320 Euro
Grundpreis des Phantom Drophead Coupé: 440 300 Euro
Typklassen: individuelle Tarife
Kfz-Steuer: 664 Euro/Jahr
Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: ESP, Front- und Seitenairbags
Komfort: automatisches Verdeck, Luftfederung, Volllederausstattung

dpa-infocom



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