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Evolution im Äther: Der neue Mobilfunkstandard LTE

Berlin Schnelles Surfen ohne DSL oder Kabel: Für viele Haushalte auf dem Land ist das immer noch ein Traum.

UMTS ist nicht immer eine Alternative. Nun steht die nächste Mobilfunkgeneration LTE in den Startlöchern.

Schenkt man den Werbeslogans der Provider Glauben, steht dem mobilen Datenfunk in Deutschland wieder einmal eine Revolution bevor: die neue, vierte Mobilfunkgeneration (4G), auch LTE (Long Term Evolution) genannt. «Sie surfen bis zu 10mal schneller als mit DSL», wirbt etwa Vodafone auf seiner Website. Der Anbieter will vor allem der Bevölkerung in ländlichen Gebieten das «turboschnelle Internet» per Funk schmackhaft machen.

LTE soll helfen, die noch existierende digitale Zweiklassengesellschaft zu beenden. Während in Städten DSL oder Kabelanschluss Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und mehr ermöglichen, ist der ländliche Raum noch in weiten Teilen vom schnellen Internet abgeschnitten. Die Vergabe der LTE-Lizenzen an Vodafone, Telefónica O2, T-Mobile und E-Plus hat die Bundesregierung deshalb an Bedingungen geknüpft: Den Vorrang beim LTE-Ausbau müssten ländliche Regionen haben. Die Lizenzen waren im Mai versteigert worden, nachdem die Frequenzen durch die Umstellung von analogem auf digitales Antennenfernsehen freigeworden waren.

Mit LTE sollen Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s bei Downloads realisiert werden, so das Informationszentrum Mobilfunk in Berlin. Beim Heraufladen sollen bis zu 50 Mbit/s möglich sein. In der Praxis dürften die Datenraten allerdings noch weit darunter liegen, da sich - wie bei allen bisherigen Standards auch - alle Nutzer in einer Funkzelle die zur Verfügung stehende Bandbreite teilen müssen. Vodafone wolle zunächst eine Mindestgeschwindigkeit von 3 Mbit/s garantieren, sagt dessen Sprecher Bernd Hoffmann.

Bisher bietet Vodafone nur einen Tarif für die Nutzung zu Hause an. Die günstigste Variante mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7,2 Mbit/s und einem Datenvolumen von 10 Gigabyte (GB) kostet 40 Euro monatlich. 15 GB und eine höhere Geschwindigkeit von bis zu 21,6 Mbit/s sind für 50 Euro zu haben. Für bis zu 50 Mbit/s und 30 GB werden 70 Euro fällig. Wer bereits einen Vodafone-Handyvertrag hat, bekommt 10 Euro der monatlichen Grundgebühr erlassen.

LTE soll neben der Geschwindigkeit weitere Vorteile bringen: Die genutzten Frequenzen um 800 Megahertz können Mauern relativ gut durchdringen, Experten sprechen hier von einer geringen Gebäudedämmung. LTE eignet sich deshalb besser als UMTS für die Nutzung in geschlossenen Räumen. Zudem sind bei LTE die sogenannten Latenzzeiten kürzer. «Es reagiert schlicht schneller», sagt Frank Schönborn von O2. Zudem ist die Reichweite größer als bei UMTS.

Doch bis LTE im Alltag ankommt, dauert es noch eine Weile: Zwar hat Vodafone im Ostseebad Heiligendamm Ende September seinen bundesweit erste kommerziellen LTE-Sender in Betrieb genommen. Erste LTE-Hardware wird es allerdings nicht vor Dezember geben. Zunächst kommen LTE-Surfsticks und -Router auf den Markt. 4G-Mobiltelefone werden jedoch nicht vor 2012 erwartet. Da die bisherigen Netze mittelfristig nicht abgeschaltet werden, können «alte» Handys und andere Endgeräte weiter genutzt werden. «Zukünftig werden alle Standards in einem integrierten Netz nebeneinander verfügbar sein», versichert Hoffmann.

O2 will mit LTE-Angeboten 2011 an den Markt gehen, sagt Sprecher Schönborn. Innerhalb des Jahres sollen 1200 Sender in Betrieb genommen werden. Vodafone plant bis Ende März 1500 aktive Stationen. Ab rund 2000 Stationen sprechen die Anbieter von Flächendeckung. Auch bei T-Mobile läuft der Ausbau. E-Plus plant, LTE «perspektivisch» anzubieten, setzt aber vorerst noch auf die UMTS-Weiterentwicklung HSPA+, sagt Sprecher Guido Heitmann.

Jeder zusätzliche Sender bedeutet auch eine zusätzliche Strahlenquelle. Unter anderem Umweltverbände sorgen sich wegen möglicher negativer Auswirkungen auf die Gesundheit. «Vor allem in ländlichen Regionen rechnen wir mit einer Erhöhung der Elektrosmog-Belastung», sagt Rüdiger Rosenthal vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Vor allem bei «elektrosensiblen Menschen» könnten sich Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Erschöpfungserscheinungen zeigen. Prof. Alexander Lerchl, Mitglied der Strahlenschutzkommission, gibt dagegen Entwarnung: «Es sind keine Gesundheitsgefährdungen zu erwarten - sowohl bei Sendestationen als auch bei Endgeräten.» In zahlreichen Studien habe es keine Hinweise auf mögliche Risiken gegeben.

Der Datenverkehr in den deutschen Mobilfunknetzen ist in den vergangenen Jahren beträchtlich gewachsen: von 3,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2007 auf 33,5 Millionen Gigabyte 2009, so die Zahlen der Bundesnetzagentur. Kein Wunder, dass mit LTE Advanced schon an der fünften Generation gearbeitet wird. Dazu Schönborn : «Dann werden 1 Gigabit die Sekunde möglich sein, aber das ist noch Zukunftsmusik.» Von Stefan R. Weißenborn, dpa

dpa-infocom



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