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Wachkoma- oder Demenzpatienten brauchen viel Liebe

Weilmünster Eine Hirnblutung, ein Herzstillstand oder eine Demenzerkrankung haben oft dramatische Folgen: Das Gehirn ist so geschädigt, dass Betroffene nicht mehr selbstständig leben können. Damit es ihnen gut geht, brauchen sie neben guten Ärzten viel Liebe und Aufmerksamkeit.

Die 43-jährige Renate sitzt am Bett ihres Mannes und erzählt von ihrem Tag. Dass sie morgens verschlafen und es in allerletzter Minute ins Büro geschafft hat. Dass ihre Tochter Leonie eine Zwei in Deutsch geschrieben hat. Ob ihr Mann sie versteht oder überhaupt hört, weiß Renate nicht. Seit einem schweren Motorradunfall liegt er im Wachkoma, betreut wird er im Pflegezentrum Weilmünster in Hessen.

Dort leben Menschen mit schweren neurologischen Schäden, zum Beispiel nach Hirnblutungen, einer Meningitis oder mit Parkinson. Der jüngste Patient ist 20, der älteste 70 Jahre alt. «Sie können zwar nicht mehr selbstständig leben. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich ihr Zustand verbessert», sagt der Pflegedienstleiter Klaus Günther.

Die Hoffnung auf eine Besserung ist es, die auch Cornelia Klatt vom Haus am Stadtwald in Bonn - einem Heim für schwerst pflegebedürftige Menschen etwa nach einem Unfall, einer Hirnblutung oder einem Herzstillstand - immer wieder zum Weitermachen motiviert. Als Beispiel für ein kleines Wunder erzählt sie von einem jungen Mann, der nach einer Hirnblutung vor zwei Jahren ins Wachkoma fiel. Mittlerweile kann er sich etwas verständigen, indem er auf Tafeln mit den Worten «Ja» und «Nein» zeigt. Er kann alleine einen Becher halten, selbstständig trinken und erkennt seine Angehörigen.

Familie und Freunde sind sehr wichtig , auch wenn Menschen im Wachkoma auf den ersten Blick scheinbar nicht reagieren. Klatt berichtet davon, dass die Atmung der kranken Menschen ruhiger wird und sich die Muskeln entspannen. Von ähnlichen Beobachtungen erzählt auch Prof. Hans Georg Nehen von der Memory-Clinic am Elisabeth-Krankenhaus in Essen. Dort werden vor allem demenzkranke Menschen betreut. Bei fortgeschrittener Erkrankung erkennen sie zwar ihre Angehörigen nicht mehr - sie reagieren jedoch auf die Liebe und die Aufmerksamkeit, die ihnen entgegengebracht wird. «Dieses emotionale Mitschwingen mit anderen Menschen ist sehr lange da», sagt Nehen.

Doch den richtigen Umgang mit den kranken Menschen müssen auch die Angehörigen erst einmal lernen. Ansonsten können sie «unendlich viel falsch machen», wie es der Arzt formuliert. Am Anfang steht erst einmal der große Schritt, die Krankheit und ihre unwiderruflichen Folgen zu akzeptieren. Sätze wie «Jetzt denk' doch mal nach» oder «Konzentriere dich!» sind bei den kranken Menschen deplatziert. «Das ist ein Appell an einen Verstand, der nicht mehr da ist», sagt Nehen.

Am besten ist es, sie möglichst viel alleine machen zu lassen, aber für den Fall des Falles in der Nähe zu sein. Will sich der kranke Mensch dann zum Beispiel mit der Zahnbürste die Haare kämmen, kann ihm der Pfleger oder Angehörige mit einem freundlichen Satz wie «Damit geht es vielleicht besser» die Bürste reichen.

Die Betreuung solcher Patienten ist unter Umständen auch zu Hause möglich. Die Angehörigen sollten jedoch überlegen, was damit auf sie zukommt: Die Belastung ist nicht nur psychisch, sondern auch physisch enorm. Rund um die Uhr müssen diese Menschen betreut, einige von ihnen müssen jede Stunde umgelagert werden. Nehen bezweifelt, dass die Angehörigen dem Kranken mit der Pflege zu Hause immer einen Gefallen tun. «Vielleicht fühlt er sich ja unter Gleichgesinnten wohler?», fragt er und gibt den Angehörigen auch zu bedenken: «Wer am Ende seiner Kräfte ist, kann keinen mehr lieb haben». Das Heim sorgfältig auswählen Die Angehörigen neurologisch kranker Menschen sollten darauf achten, dass das Pflegeheim ein tagesstrukturierendes Programm anbietet. So erhalten Patienten, denen die innere Struktur verloren gegangen ist, eine äußere Struktur. Regelmäßig sollten Fachärzte ins Haus kommen. Sinnvoll bei demenzkranken Menschen ist, wenn die Patienten nach dem Schweregrad ihrer Krankheit auch räumlich getrennt sind. Das hat unter anderem den Vorteil, dass die Menschen in einem früheren Stadium der Krankheit nicht sehen, wohin der Weg gehen kann. Von Sabine Maurer, dpa

dpa-infocom



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