pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Gesundheit       » News       » Wellness

Jeder Vierte kauft beim Arzt umstrittene Leistungen

Berlin Fast 20 Millionen gesetzlich Versicherte werden beim Arzt mittlerweile zu zahlenden Kunden.

Oft lassen sie auf eigene Kosten Krebsvorsorge machen - obwohl viele Untersuchungen auch das Risiko falscher Befunde erhöhen.

Mehr als jeder vierte der 70 Millionen gesetzlich Versicherten bezahlt teils umstrittene Behandlungen beim Arzt aus eigener Tasche. Die Zusatzeinnahmen der Ärzte durch solche Leistungen stiegen seit 2008 um 0,5 auf rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK am Mittwoch (8. Dezember) in Berlin mit. 

Von den Kassen nicht bezahlte Ultraschalluntersuchungen liegen dabei mit 20 Prozent an der Spitze. Trotz Risiken werden sie meist bei Frauen in der Krebsvorsorge angewendet. Die Studienautoren betonten, alle nötige Leistungen würden von den Kassen bezahlt.

28 Prozent der Versicherten erhalten pro Jahr mindestens eine medizinische Leistung auf Privatrechnung, fünf Jahre zuvor waren es noch 23 Prozent. Der Geschäftsführer des Instituts, Jürgen Klauber, sagte: «Ärzte werden offenbar auch als Verkäufer immer besser.» Für die Studie wurden im Sommer 2500 Versicherte befragt.

In 54 Prozent der Fälle kommt es laut AOK bei diesen Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) zum Rechtsbruch: Anders als vorgeschrieben bestätigen die Betroffenen in diesen Fällen nicht vorher schriftlich, dass sie auf eigene Kosten behandelt werden wollen. Rund drei Viertel gaben an, nicht von sich aus nach solchen Leistungen gefragt zu haben.

Besonders häufig zahlen die Patienten auch Vorsorge vor Grünem Star am Auge sowie verschiedene Medikamente und Hilfsmittel selbst. Aber auch Tests auf Prostatakrebs werden häufig als IGe-Leistung angeboten. Gerade in der Krebsvorsorge seien die Angebote allerdings umstrittenen, sagte Studienautor Klaus Zok. «Es spielt das Geschäft mit der Angst eine Rolle», meinte er.

«Es kann zu falsch positiven und falsch negativen Befunden kommen», mahnte Zok. So könnten sich Patienten in der falschen Sicherheit wiegen, keinen Tumor zu haben, oder von einem positiven Befund schockiert werden, obwohl keine akute Bedrohung da ist.

Rund zwei Drittel der Ärzte bieten IGe-Leistungen an - an der Spitze liegen Augenärzte, Gynäkologen, Urologen, Orthopäden sowie Hautärzte. «Es gibt auch gute IGe-Leistungen», betonte Zok. So könne etwa die Beratung und gegebenenfalls Impfung vor einer Fernreise sinnvoll sein.

AOK-Tipps zu einzelnen IGe-Leistungen Nutzen und Risiken Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen gesetzlich Versicherte selbst beim Arzt zahlen. Viele dieser Leistungen sind umstritten, sie können aber auch sinnvoll sein. Beispiele:

Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken zur Krebsfrüherkennung: Als sehr unsicher kritisieren Experten das Verfahren bei beschwerdefreien Frauen. Bei vielen Frauen kommt es zum Krebsverdacht, der sich nur selten bestätigt. Verdachtsfälle auf Eierstockkrebs können nur per Operation geklärt werden.

Baby-TV: Zusätzliche Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft gelten für Experten als wenig sinnvoll, da die drei vorgeschriebenen Untersuchungen ausreichten.

Glaukom-Früherkennung (Grüner Star): Meist wird der Augeninnendruck gemessen und der Augenhintergrund gespiegelt - der Nutzen wird seit Langem unterschiedlich bewertet. Eindeutige Ergebnisse geben die Tests nicht. So geht ein Glaukom etwa meist mit erhöhtem Augeninnendruck einher - bei jedem vierten bis fünften Betroffenen liegt dieser aber im Normalbereich. Mit den Screeningverfahren wird jeder dritte bis fünfte Erkrankte übersehen.

Blutuntersuchung auf Blutfette und Eiweiße: Sie sollen das Risiko für Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall besser abschätzen helfen. Routinemäßig wird etwa Gesamtcholesterin bei Männern ab 35, bei Frauen ab 45 Jahren gemessen. Bei Übergewicht, Diabetes oder Rauchen ist die Untersuchung aber auch in jüngeren Jahren sinnvoll. Die Untersuchung auf die Werte zu den Triglyceriden und Lipoprotein sind umstritten.

Reise-Impfung: Vor Reisen in tropische und subtropische Länder sollte man sich unbedingt über Risiken und Impfungen beraten lassen. Pflichtimpfungen sind teils Bedingung für eine Einreise, etwa gegen Gelbfieber. Es gibt aber auch freiwillige Impfungen. Für die Tropen ist Schutz auch gegen Hepatitis A, Typhus und eine Malariaprophylaxe ratsam.

dpa-infocom


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker
rz lexikon
Energiesparen