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Schüsse und Saltos: Bei Tieren im Boden ist was los

Bremen Die Tiere im Boden sind denen oberhalb vor allem in einem überlegen: der Anzahl.

Viele Würmer und Insekten haben zudem ausgeklügelte Techniken entwickelt, um ihr Fressen zu erbeuten oder sich gegen Feinde zu verteidigen.

Manche Tiere springen in spektakulärer Geschwindigkeit einen Salto rückwärts. Andere beschießen ihre Opfer aus einem Tunnel heraus mit Körnern. Und weitere benötigen für einen 20-fachen Generationenwechsel nur neun Wochen. Sie alle tummeln sich unter der Erde. «Die Tiere, die im Boden leben, haben eine unglaubliche Faszination», sagt Prof. Willi Xylander, der das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz leitet. Der Boden sei einer der artenreichsten Lebensräume überhaupt.

Außerdem ist er dicht bevölkert. Wer zum Beispiel auf einer Wiese steht, hat unter seinen Füßen mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt. Dazu gehören im Schnitt zehn Billionen Bakterien, 5000 Milben und 5 Regenwürmer. «Meine Lieblingstiere sind die Springschwänze», sagt die Ökologin Juliane Filser von der Universität in Bremen.

Die etwa ein Millimeter großen Tiere haben eine Sprunggabel, die sie bei Gefahr ausklappen können und mit der sie zur Verblüffung ihres Feindes einen Salto rückwärts hinlegen können. Ihr Rekord liegt bei fünf Zentimeter Weite bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Springschwänze sind manchmal als winzige hüpfende Punkte in der Blumenerde zu sehen. Manche von ihnen ähneln einer Ameise, andere sind kugelig und bunt gefärbt. Für die Fortpflanzung braucht es nicht immer ein Männchen, einige Weibchen können sich auch selbst befruchten.

Friedlich geht es auch in der Erde nicht immer zu, so zum Beispiel bei einem Angriff der etwa einen Millimeter großen Raubmilben. Sie verletzen ihre Beute, reißen sie auf und saugen sie aus. Zurück lassen sie die Hülle ihrer Opfer. Die nur halb so großen Hornmilben sind dagegen harmlos. Bei einem Angriff fahren sie ihre acht Beine einfach in ihren harten Panzer ein, ziehen sich ihr Schild über den Kopf und warten ab. «Das ist dann für ihre Angreifer so, als wollten wir mit dem Mund eine Billardkugel knacken», vergleicht Professor Xylander.

Eine ausgeklügelte Art zu Jagen haben die Ameisenlöwen. Sie bauen sich einen Trichter im Sand, setzen sich dort rein und warten auf Beute. Kommt zum Beispiel eine Ameise oder ein Käfer vorbei, schießt der Ameisenlöwe mit Sandkörnern, so dass die Beute in den Trichter fällt. Dort wird sie getötet. «Das ist schon sehr pfiffig. Die Räuber unter den Bodentieren lassen sich generell viel einfallen», meint der Landschaftsökologe Thomas Fortmann von der Universität in Münster.

Aus menschlicher Sicht grausam geht auch die Grabwespe vor: Sie betäubt ihre Beute mit einem Stich und schleppt das noch lebende Tier in einen selbst gegrabenen Hohlraum im Boden. Dann legt sie ihre Eier in die Beute, der Nachwuchs muss nur noch zugreifen. «Ein solches Parasitentum ist bei Insekten weit verbreitet», sagt Filser.

Doch die Bodentiere haben auch viele Möglichkeiten, damit sie nicht zu Opfern werden. Das fängt schon bei ihrer Färbung an, durch die sie auf dem Untergrund schlecht zu sehen sind. So sind etwa Heuschrecken grün und Käfer dunkelfarbig. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten für die Bodentiere, um ihre Haut zu retten.

So haben manche Heuschrecken bunte Flügel. Damit flattern sie, wenn sie angegriffen werden, und irritieren so kurzzeitig den Feind. Praktisch ist für Heuschrecken auch, dass sie sich mit ihrem schmalen Körper hinter einem Grashalm verstecken können. Ihre abstehenden Augen blicken jedoch am Halm vorbei und sehen den irritierten Feind auf der anderen Seite des Halms, der selbst nur die Augen als zwei Punkte sieht. Gewitzt gehen auch die Falltürspinnen vor. Sie bauen sich für ihre Wohnröhre einen Deckel und tarnen ihn. Will ein Feind den Deckel öffnen, hält ihn die Spinne mit aller Kraft zu.

Viele Bodentiere sind hart im Nehmen. So zum Beispiel Fadenwürmer. Dies sind die Tiere, die für einen 20-fachen Generationenwechsel nur neun Wochen brauchen. Bis zu 380 Millionen dieser mit bloßem Auge nicht sichtbaren Tierchen leben pro Quadratmeter Boden. Wird es ihnen zu kalt, ziehen sie sich in Kapseln zurück. Zur Not können sie auch ohne Sauerstoff leben. Gefahren für Bodentiere  Viel zu schaffen machen den Bodenbewohnern zum Beispiel übermäßige Düngung, das Spritzen von Gift oder eine intensive Bewirtschaftung. Diese sorgt dafür, dass für einige von ihnen die Nahrung knapp wird. «Es gibt zum Beispiel Insekten, die auf eine Pflanzenart angewiesen sind», sagt Fortmann. Auf der anderen Seite haben durch gedüngten und damit sehr nährstoffreichen Boden einige Lebewesen mehr Nahrung, sie werden zu dominant und vertreiben damit die anderen. Das Resultat: Es gibt immer weniger verschiedene Arten. Von Sabine Maurer, dpa

dpa-infocom


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