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«Nowhere Boy»: Biopic über den jungen John Lennon

Berlin (dpa) ­ Selten, dass das Kino so von der aktuellen Kunst profitiert hat, wie in jüngster Zeit.

Künstler wie Steve McQueen («Hunger»), Shirin Neshat («Women Without Men»), Julian Schnabel («Miral») und auch das Graffitiwunder Banksy («Exit Through The Gift Shop») sorgen für frischen Wind auf Leinwänden. Nun startet mit «Nowhere Boy» das Spielfilmdebüt der Britin Sam Taylor-Wood.

Taylor-Wood, die sich bisher vor allem als Foto- und Videokünstlerin einen Namen machte, erzählt in ihrem Biopic von der tragischen Jugend John Lennons. Unterstützt wird sie dabei von einem fulminanten Cast: Kristin Scott Thomas («Gosford Park»), Anne-Marie Duff («Ein russischer Sommer») und, nicht zuletzt, der noch so junge Hauptdarsteller Aaron Johnson («Frontalknutschen»). «Nowhere Boy» kommt an Lennons 30. Todestag (8. Dezember) in die Kinos.

Liverpool in den 50ern, die Zeit des Rock n Roll. Zu Beginn des Films läuft Jerry Lee Lewis Klassiker «Wild One». Und ja: Er ist tatsächlich ein wilder Bursche, dieser John Lennon mit seiner kecken Elvis-Tolle: Nicht nur, dass er auf Doppeldeckerbusse klettert, um so durch die Stadt zu düsen, er klaut Schallplatten, raucht und trinkt auch gern mal ein Bier zu viel. Die Brille, die er ob seiner schwachen Augen ständig tragen müsste, nimmt er sofort ab, sobald er außer Sichtweite seiner strengen Tante Mimi (Scott Thomas) ist. Mit der Schule indes hat er nicht viel am Hut, lieber übt er auf dem Banjo erste Akkorde.

John lebt in der Obhut seiner Tante und ihres Mannes, seine Mutter (Duff) hatte ihn mit nur fünf Jahren verlassen. Eine Jugend voller tragischer Ereignisse: Auch der frühe Tod des Onkels erschüttert Lennon, war er es doch, der ihm seine erste Mundharmonika schenkte. Johns Leben aber nimmt eine entscheidende Wende, als er seine Mutter wieder trifft. Sie führt ihn ein in die Welt der Rockmusik und zeigt ihm, dass man auch ganz anders leben kann. In hübschen Sequenzen erleben wir, wie der schmächtige Paul McCartney, der lieber Tee trinkt als Bier, erstmals auf den ungleich ruppigeren Lennon trifft, schließlich Mitglied von «The Quarrymen» wird, Lennons erster Band.

Vor allem anderen ist es das grandiose Darstellerensemble, das den Film auszeichnet. Der erst 20-Jährige Aaron Johnson besticht in fast jeder Szene, sein John Lennon erinnert mal an James Dean, mal aber auch an den rebellischen Joaquin Phoenix. Kristin Scott Thomas unterkühlt elegante Performance ist atemberaubend, Anne-Marie Duffs natürliches Spiel bereitet Freude, die Liebe zum verlorenen Sohn nimmt man ihr jeder Zeit ab.

Taylor-Wood gelingt mit ihrem Debüt ein auch visuell beeindruckendes Werk, sie schenkt uns Tableaus von großer Strahlkraft und Eleganz. «Nowhere Boy» dürfte keinen Kinogänger kalt lassen, schon gar nicht die vielen Beatles- und Lennon-Fans auf der ganzen Welt. Für diese hält besonders das letzte Drittel einige, in ihrer Dramatik nur schwer zu ertragende Bilder bereit: Kaum etwa hat Lennon seine Mutter wieder gewonnen, da kommt sie durch einen Unfall zu Tode. Selten hat es ein Film vermocht, die Ursprünge einer Pop-Ikone so überzeugend herauszuarbeiten. Dass Sam Taylor-Wood dabei fast gänzlich auf allzu platte Klischees vom gebeutelten Künstler-Genie verzichtet, ist ihr hoch anzurechnen.

Filmseite Von Matthias von Viereck, dpa

dpa-infocom