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Der «Metropolitan» im ICE-Gewand

Berlin Er galt als schönster Zug auf deutschen Schienen: der silberfarbene «Metropolitan».

Fünf Jahre lang pendelte er zwischen Hamburg und Köln. Dann stellte die Bahn aus Kostengründen den Betrieb ein. Inzwischen ist er als normaler ICE unterwegs.

Überrascht verfolgen Fahrgäste am Gleis acht des Berliner Hauptbahnhofs die Einfahrt des ICE 1100. «Ein ICE mit roter Elektrolok - vielleicht ein Ersatzzug?», fragen sich manche. Als sie einsteigen, freuen sich viele Fahrgäste über die helle, moderne Ausstattung: Die meisten Wagen sind innen mit hellem Birnbaumholz vertäfelt, die Sitze aus Leder, die Decke aus Edelstahl. Bahnerfahrene Passagiere ahnen es rasch, und die Zugchefin bestätigt: «Das sind die Wagen des früheren 'Metropolitan'-Luxuszuges.»

Elf Jahre ist es her, seit Doris Schröder-Köpf, die Ehefrau des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, den «Metropolitan» einweihte. Fünf Jahre lang verband er Hamburg und Köln und war auf dieser Strecke 40 Minuten schneller als andere Züge.

Die ursprünglichen Pläne der eigens gegründeten Bahntochter Metropolitan Express Train sahen vor, mit weiteren Luxuszügen eines Tages 10 bis 15 Ballungsräume in Deutschland mit Entfernungen zwischen 300 und 500 Kilometern zu verbinden. Schnell entwickelte sich damals vor allem unter Geschäftsreisenden eine Fangemeinde. Mit dem Ticket hatten die Fahrgäste automatisch eine Sitzplatzgarantie. Außerdem waren im Fahrpreis eine Zeitung, alkoholfreie Getränke und ein Snack enthalten. Statt zwei Klassen gab es Bereiche für Büroarbeit, Besprechungen sowie eine Ruhezone. Zwei Bars, ein verstärkter Mobilfunkempfang und Faxservice rundeten das Angebot ab.

Doch das Konzept ging nicht auf. Vor allem die Konkurrenz von Billigfliegern führte dazu, dass die Fahrgastzahlen nicht die Erwartungen erfüllten. Nach fünf Jahren kam das Aus, und für die Vorzeigewaggons begann eine wechselvolle Zeit. Zunächst verkehrte der Ex-«Metropolitan» zwischen Nordrhein-Westfalen und Berlin, später auf verschiedenen Strecken als ICE und auch als Intercity. Noch 2009 trug er als IC auf der Strecke Stuttgart-Düsseldorf den klangvollen Namen «Loreley», nun pendelt er zwischen Hamburg und Berlin.

Geblieben ist die große Zahl der Fans: «Etliche Reisende fragen extra nach den 'Metropolitan'-Wagen, wenn sie ihr Ticket für die Strecke Hamburg-Berlin buchen», sagt ein Bahnsprecher. Auch das Zugpersonal bekommt die Begeisterung immer wieder zu hören.

Äußerlich verändert hat sich aber nicht nur der Anstrich: Anstelle des «Metropolitan»-Silbers erhielten die Wagen das für ICEs und ICs übliche Lichtgrau mit roten Zierstreifen. Ungewöhnlich sind bei dem Zug die Lokomotiven sowohl vorn als auch hinten. «Für die elf Wagen sind zwei Loks nötig, um die höchstzulässige Geschwindigkeit von 220 Kilometern pro Stunde zu erreichen», erklärt der Bahnsprecher. Wer das erleben will, kann sich an den ICE-Zugnummern orientieren: Von Berlin nach Hamburg ist der Ex-«Metropolitan» unter den Nummern 1100 und 1106 eingesetzt, in umgekehrter Richtung unter 1105 und 1107. Von Wolfgang Duveneck, dpa

dpa-infocom