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Porsche-Betriebsratschef sieht Absatzziele kritisch

Stuttgart - Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück tritt bei den ehrgeizigen Absatzzielen von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn auf die Bremse. Es mache keinen Sinn, 150 000 Fahrzeuge pro Jahr zu bauen, wenn man damit weniger Gewinn mache als mit 100 000 Autos, sagte Hück der Nachrichtenagentur dpa.

Zuletzt verkaufte der Sportwagenhersteller knapp 82 000 Autos pro Jahr. Die neue mittelfristige Vorgabe des Managements will der Sportwagenbauer durch neue Modelle erreichen. Einen wichtigen Beitrag soll die geplante fünfte Baureihe leisten. Der «Cajun» wird nach Einschätzung von Hück auch für neue Jobs sorgen.

Porsche gilt als einer der profitabelsten Autobauer. Porsche- Holding- und VW-Konzernchef Winterkorn hatte als mittelfristiges Ziel eine Jahresproduktion von 150 000 Fahrzeugen ausgegeben. Dazu hatte der Autoexperte Stefan Bratzel gesagt, er halte eine solche Ausweitung nur für möglich, wenn Porsche das bisherige Angebot preispolitisch nach unten ausweitet.

Erst vor wenigen Tagen gab der Porsche-Aufsichtsrat grünes Licht für den kleinen Bruder des Geländewagens Cayenne. «Die Idee an dem neuen Modell ist, dass sich auch junge Menschen einen Porsche leisten können», sagte Hück. Porsche müsse Porsche bleiben - nicht nur außen, sondern auch innen. «Das ist beim Cajun so.» Hück pochte darauf, dass das neue Fahrzeug komplett bei dem Sportwagenhersteller gebaut wird. «Wir sollten nicht nur einzelne Teile für die neue Baureihe bauen.» Die Entscheidung, wann und wo der Cajun gebaut werde, werde bald getroffen.

Das Auto soll auch zum Jobmotor bei Porsche werden. Eine konkrete Prognose über die Anzahl der neuen Stellen wagte Hück noch nicht. Er wies aber darauf hin, dass an den Standorten der Porsche AG bis 2015 fast eine Milliarde Euro investiert werde. «Wir erwarten, dass allein im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen und im Ersatzteillager Sachsenheim bis zu 400 Arbeitsplätze in den nächsten Jahren geschaffen werden.» Mit seinem Werk in Leipzig hat der Porsche- Konzern insgesamt 13 000 Beschäftigte.

Der Sportwagenbauer, der langfristig als zehnte Marke in den Volkswagen-Konzern integriert werden soll, hat bei anderen Modellen mit den Wolfsburgern eine Arbeitsteilung. Hück sagte, beim Cayenne sei damals entschieden worden, die Entwicklung nach Weissach zu geben. Die Karosserie werde in Bratislava gebaut und die Hochzeit komme in Leipzig. «Das ist jetzt nicht gerade der Knüller.» Beim Panamera werde das Interieur in Leipzig gemacht, Rohbau und Lack in Hannover, der Motor in Zuffenhausen.

Hück hofft, dass Porsche in Zukunft wieder mehr zum Zuge kommen wird. «Der Betriebsrat wird alles daran setzen, dass Porsche künftig bei möglichst vielen Modellen auch Rohbau, Lack und Interieur selbst macht. Darüber sprechen wir - man sieht mich im Moment nicht traurig.» Bislang werden die erste und zweite Baureihe, der 911er und der Boxster, komplett in Zuffenhausen gemacht - vom Rohbau bis zum Verkauf, berichtete Hück weiter.

Dass die VW-Tochter Audi künftig bei den Geländewagen im VW- Konzern das Sagen hat, sieht Hück gelassen. «Wenn sie Partner haben, müssen sie Kompromisse machen, wir entscheiden das nicht alleine. Sie können ja nicht immer alles bekommen.» Die Wolfsburger hatten den Schwaben vor kurzem zugesichert, für den Sportwagen- sowie den Modulbaukasten für große Luxuslimousinen wie den Panamera zuständig zu sein. Von Oliver Schmale, dpa

dpa-infocom