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«Von Menschen und Göttern» - ein Meisterwerk

Paris Ein Kloster in Tibhirine, einem bettelarmen Dorf im algerischen Atlas.

Trappistenmönche, die die unwegsamen Berghänge kultivieren und in friedlicher Eintracht neben den muslimischen Dorfbewohnern leben - bis Anschläge von Extremisten sie verunsichern.

Mit «Von Menschen und Göttern» ist dem französischen Regisseur Xavier Beauvois eine heikle Gratwanderung gelungen: Denn sein Film über den Mord von Trappistenmönchen in Algerien möglicherweise durch Fundamentalisten ist kein Pamphlet, keine schrille Parteinahme im Konflikt zwischen Christentum und Islam. Beauvois geht es vielmehr um den inneren Konflikt der Mönche, die vor der Entscheidung stehen, Algerien zu verlassen oder zu bleiben. Ein stiller, spiritueller Film von beispielloser Sensibilität.

Beim diesjährigen Filmfestival Cannes wurde «Des hommes et des dieux», wie das Werk im Original heißt, mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, danach stand der Film wochenlang an der Spitze der französischen Charts. Nun hat er sich als französischer Beitrag für den Oscar in der Kategorie bester ausländischer Film beworben. Dem 43-jährigen Regisseur, der in Cannes schon 1995 mit «Vergiss nicht, dass du sterben musst» von sich reden machte, ist ein filmisches Meisterwerk gelungen. Das Werk ist durch die jüngsten Ereignisse der Ermordung von Christen im Nahen Osten zudem hochaktuell.

Der Film zeigt wie Christen und Muslime in dem algerischen Dorf freundschaftlich miteinander leben. Die Mönche sind keine Bekehrer- Apostel, sondern leisten Entwicklungsarbeit. Sie verkaufen auf dem Wochenmarkt Honig und kümmern sich um die medizinische und wirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung. Der brutale Mord an benachbarten kroatischen Arbeitern durch Fundamentalisten aber zerstört die Idylle: Angst macht sich breit. Das Militär fürchtet um das Leben der Mönche und fordert sie auf, das Land zu verlassen. Doch die Mönche bleiben. Sie wollen die Zivilbevölkerung nicht im Stich lassen.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Im März 1996 wurden sieben der neun Mönche von einer Terroreinheit entführt und Wochen später ermordet aufgefunden. Wer die sieben Trappistenmönche jedoch getötet hat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Derzeit laufen Ermittlungen, ob nicht vielleicht doch die algerische Armee die Mönche bei der Befreiungsaktion getötet hat.

Das Ereignis dient dem Regisseur allerdings nur als Rahmen. Nicht die Frage nach den Tätern steht im Mittelpunkt, sondern Glaubenszweifel und Todesfurcht. Für die Mönche stellt sich die existenzielle Frage: Bleiben, um das Leben für Nächstenliebe und Glauben zu riskieren? Beauvois zeichnet mit großer Subtilität die verschiedenen Stadien der Angst nach. Seine Mönche sind keine Übermenschen, sondern haben Zweifel und zeigen Schwäche.

Beauvois macht aus den Mönchen keine Märtyrer und auch keine Werbung für das Christentum. Er hält Distanz zu den Figuren, entwirft ausgeprägte Charakterzeichnungen der einzelnen Brüder und schafft einen Film von einzigartiger tiefenpsychologischer Ausrichtung. Darin liegt auch die Stärke des Films, zumal sich der Regisseur dabei auf bekannte und erfahrene Schauspieler (unter anderem Lambert Wilson und Michael Lonsdale) stützt.

Herrliche Landschaftsaufnahmen und die der in Askese lebenden Mönche angepasste Bildsprache, tauchen den Zuschauer in das stille und kontemplative Leben der Ordensbrüder ein. Besonders an einer Stelle kann sich der Film eine Anspielung auf religiöse Renaissance- Malerei nicht verkneifen. Die Nahaufnahme der Gesichter und ihre Anordnung um den Tisch, als die Mönche eine Weinflasche öffnen, erinnern an da Vincis «Das letzte Abendmahl». Manchen mag der Film zu langsam sein. Doch auch hier bleibt Beauvois der Realität treu - der Regisseur hatte sich vor den Dreharbeiten in ein Trappistenkloster zurückgezogen und so ein Gespür für den entschleunigten Alltag bekommen.

www.vonmenschenundgoettern-derfilm.de Von Sabine Glaubitz, dpa

dpa-infocom