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«Small World» mit Depardieu und Lara

Paris Die ersten Anzeichen von Alzheimer sind meist so unauffällig, dass sie kaum wahr genommen werden: Der Geldbeutel wird verlegt oder die Herdplatten werden nicht ausgeschaltet.

Doch im späteren Stadium können sich viele Erkrankte an Gegebenheiten erinnern, die lange in der Vergangenheit zurückliegen.

In «Small World» bringen solche Flashbacks des alternden Konrad mörderische Intrigen an den Tag. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller des Schweizer Autors Martin Suter hat der französische Regisseur Bruno Chiche die Geschichte zu einem kurzweiligen Familiendrama verdichtet. Auch wegen seiner hochkarätigen Besetzung, unter anderem mit Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara, ist der Film sehenswert.

Konrad Lang (Depardieu) passiert ein Missgeschick nach dem anderen: Zuerst zündet er versehentlich das Landhaus der Industriellenfamilie Senn in Brand, für die er dort als «Mädchen für alles» arbeitet, dann platzt er in die Hochzeitsfeier des Jungchefs und Erbens Philippe hinein, um seinen Patzer zu erklären. Doch Konrad wird nicht fristlos entlassen, sondern in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Anwesens der Familie untergebracht. Warum so viel scheinbare Fürsorge für einen alternden Freigeist, der gerne zur Flasche greift?

Schon nach den ersten 20 Minuten fängt die Fassade der großbürgerlichen Familie zu bröckeln an. Konrad stört und gleichzeitig wird er protegiert bis zu jenem Zeitpunkt, an dem seine Erinnerungen zum Vorschein bringen, dass er der eigentliche Erbe ist. Denn in dem Film geht es nicht um die Demenzkrankheit, sondern um das gefährliche Intrigenspiel von Elvira Senn, der Matriarchin der Sippe.

Die Geschichte spielt in Frankreich in einem hochherrschaftlichen Anwesen. Mit viel Akribie wurde die elitäre Stimmung des Hauses eingefangen und die stets unterschwellige Spannung zwischen der Familie und den Außenseitern Konrad und Simone, der frisch angetrauten Frau von Elviras Enkel. Zwischen Konrad und Simone (Alexandra Maria Lara) entsteht eine innige Verbrüderung. Einige der schönsten und einfühlsamsten Szenen sind dieser Schicksalsgemeinschaft gewidmet.

Obwohl es in dem Film um mörderische und heimtückische Intrigen geht, fehlt die dramatische Dynamik. Durch die tragikkomische Eleganz und das hervorragende Mimenspiel Depardieus bekommen Handlung und letztendlich auch die Krankheit eine gewisse Leichtigkeit, ja sogar Komik. Frankreichs Topstar zieht in dem Film alle Register der Sein- und Seelenzustände: mal naiv, verträumt und selbstvergessen, dann wieder ironisch und zynisch.

Der Film wird stark von der schauspielerischen Leistung des französischen Ausnahmemimen bestimmt. Die Deutsche Alexandra Maria Lara findet sich zunächst nur langsam in ihre Rolle der zurückhaltenden jungen Frau des Familienerbes hinein, was sich jedoch nach der ersten halben Stunde des Films ändert. Je mehr sie dem Geheimnis der Familie näher kommt, desto mehr befreit sich die Schauspielerin aus ihrem Rollenkorsett.

«Small World» ist weder ein Drama noch ein Krimi, obwohl Krankheit, Mord und Intrigen sein Thema sind. Chiches Verfilmung ist von großer Sensibilität und atmosphärischer Dichte oder schlicht und einfach: unterhaltsames Kino. Auch dem Autor des Bestseller gefällt das Werk: «"Small World" hat mich sehr berührt - mehr als der Roman, natürlich auch deshalb, weil ich den Roman selbst geschrieben habe. Ich fand den Film sehr elegant, richtiges Kino.»

www.smallworld-film.de Von Sabine Glaubitz, dpa

dpa-infocom