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Jolie als Femme fatale und Depp als «The Tourist»

Berlin Eigentlich sollten Sie über den Thriller «The Tourist» keine Zeile lesen - jedes Wort könnte die Spannung verderben.

Weil es aber ein Film von Florian Henckel von Donnersmarck (37) ist - und noch dazu der erste seit seinem Oscar für das Stasi-Drama «Das Leben der Anderen», lohnen vielleicht doch ein paar Anmerkungen.

Eins vorweg: Wer auch nur annähernd eine so geniale Mischung aus Tiefgang und Leichtigkeit erwartet wie bei Donnersmarcks vielfach preisgekröntem Kinodebüt vor vier Jahren, wird bitter enttäuscht sein. «The Tourist» ist Unterhaltung pur - hochkarätig besetzt, brillant inszeniert und wunderschön fotografiert, aber nicht ohne Haken und Brüche. Erstmals stehen die beiden Superstars Angelina Jolie (35) und Johnny Depp (47) gemeinsam vor der Kamera.

«Ich bin nicht nach Hollywood gegangen, um dort einen Film zu machen, den ich auch in Deutschland oder vielleicht sogar besser in Deutschland machen könnte», sagt Donnersmarck im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Ich wollte eine Art von Film machen, die mich in Hollywood immer am meisten fasziniert hat: unglaublich charismatische Menschen in wunderschönen, glanzvollen Settings präsentieren.»

Und das tut er nun wahrlich nach Herzenslust. Besonders Angelina Jolie darf als geheimnisvolle Femme fatale in atemberaubenden Outfits durch Postkartenkulissen von Paris und Venedig stöckeln und ein Vermögen für Hotelsuiten, Klamotten und Motorjachten ausgeben. Sie habe sich für die Upper-Class-Lady sogar einen Benimm-Kurs gewünscht, verriet sie in einem Interview. «Nicht dass ich besonders tollpatschig oder ungeschickt wäre, aber diese Frau hatte etwas, was mir nicht zugeflogen ist.»

Die Hollywood-Diva («Salt», «Der fremde Sohn») spielt in dem Remake des französischen Spionagefilms «Anthony Zimmer» (2005) die schöne Elise Ward, die in den untergetauchten Millionendieb Alexander Pearce verliebt ist. Damit sie sich unerkannt treffen zu können, soll Elise in einem Zug nach Venedig einen fremden Liebhaber auftun, um so eine falsche Fährte zu legen und die Verfolger zu täuschen.

Johnny Depp («Fluch der Karibik») muss für die Rolle des erwählten US-Touristen zwar arg unbedarft auftreten (das dürfte manche weiblichen Fans schmerzen), aber er lässt sich nur allzu gern auf die weiblichen Verführungskünste ein.

Das ungleiche Paar gerät ins Fadenkreuz von russischer Mafia und britischem Geheimdienst, ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt. «Einer der Gründe, warum ich diesen Film machen wollte, war die unglaubliche Chemie zwischen den beiden», sagt Donnersmarck. «Es lag irgendwie die richtige Form von Spannung in der Luft.»

Mehrfach stand das Projekt auf der Kippe: Der ursprüngliche Hauptdarsteller Sam Worthington («Avatar») sprang ab, auch Donnersmarck machte «kreative Differenzen» geltend - bis Jolie ihren Wunschkandidaten endgültig für das Projekt gewann. Sie habe gern in Venedig und Paris drehen und mit einem «großartigen Regisseur» arbeiten wollen, verriet sie kürzlich.

Seine Spannung bekommt der Romanzen-Thriller nicht durch Action-Szenen und wilde Schießorgien, sondern durch die verwinkelte Geschichte, die bis zum letzten Augenblick überraschende Wendungen bringt. Begleitet von James Newton Howards gefühlvoller Musik inszeniert Donnersmarck mit seinem ebenfalls oscargekrönten Kameramann John Seale («Der Englische Patient») oft wie im Zeitlupentempo. Eine Befreiungsaktion in den Lagunen Venedigs dürfte zu den langsamsten Verfolgungsjagden der Kinogeschichte gehören.

Der Film, der am 16. Dezember anläuft , wird mit besonderer Spannung erwartet. Kann Donnersmarck, der seit dem Oscar mit Frau und drei Kindern in Hollywood lebt, den hohen Erwartungen gerecht werden? Kann er an sein großes Debüt anknüpfen? «Ich empfinde die Zeit jetzt eher als eine abenteuerliche Entdeckungs- und Lernreise und nicht als etwas, was mir Druck macht», sagt er selbst. Sein nächstes Thema soll voraussichtlich wieder etwas nachdenklicher werden.

www.thetourist.kinowelt.de Von Nada Weigelt, dpa

dpa-infocom