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Konflikte

Vor Anhörung: Assange-Unterstützer sammeln Kaution

London Zur entscheidenden Anhörung über die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange sammeln seine Unterstützer unter Hochdruck Geld für die Kaution.

Sie hätten bisher rund die Hälfte der Kautionssumme von 200 000 britischen Pfund in bar (ca. 240 000 Euro) zusammen, sagte Assanges Anwalt Mark Stephens am Mittwochmorgen dem Sender BBC. Außerdem werden 40 000 Pfund an zusätzlichen Sicherheitsgarantien benötigt. Neben Prominenten wie Regisseur Michael Moore oder Bianca Jagger hätten sich seit der Verkündung der Kautionssumme weitere Menschen gemeldet, die Geld geben wollten.

Das zuständige Gericht in London wollte Donnerstagmittag über den schwedischen Einspruch gegen eine Freilassung von Assange entscheiden. Am Dienstag hatte ein Richter beschlossen, Assange unter Auflagen auf Kaution aus dem Gefängnis zu entlassen. Unter anderem soll das Geld in bar hinterlegt werden, Assange muss zudem eine elektronische Fußfessel tragen und sich einmal täglich bei der Polizei melden. Kurz darauf ging die schwedische Staatsanwaltschaft gegen diese Entscheidung in Berufung.

Die Anwälte und Unterstützer Assanges glauben weiterhin fest an die Freilassung. Seinem Mandaten werde in Schweden «die niedrigste Kategorie von Vergewaltigung» unter dem dort gültigen Recht vorgeworfen - ein Vorwurf, für den die Behörden noch nie zuvor die Auslieferung eines Verdächtigen beantragt hätten, betonte der Anwalt. Es sei lächerlich, zu behaupten, Assange könne fliehen.

Die schwedischen Behörden hatten einen EU-weiten Haftbefehl gegen Assange ausgeschrieben. Vergangene Woche hatte er sich in Großbritannien bei der Polizei gemeldet. Er vermutet hinter den Anschuldigungen ein Komplott der USA. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte in den vergangenen Wochen zahlreiche geheime Dokumente aus US-Botschaften ins Netz gestellt.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass die amerikanische Luftwaffe wegen der Veröffentlichung von Wikileaks-Dokumenten den Zugang zu beteiligten Medien wie «New York Times» oder «Spiegel» von ihren Computern aus gesperrt hat. Eine Sprecherin der Air Force bestätigte dem «Wall Street Journal», dass insgesamt 25 Websites blockiert werden. Sie wollte sie nicht nennen, dementierte aber nicht, dass auch Medien-Seiten darunter sein können. Der Zeitung zufolge taucht beim Ansteuern der Websites von Air-Force-Computern aus die Nachricht «Zugang verweigert» auf dem Bildschirm auf.

Derweil ging der virtuelle Protest von Wikileaks-Unterstützern weiter, die in den vergangenen Tagen mehrfach Seiten im Internet lahmgelegt hatten. Am Mittwoch blockierten Hacker erneut die Internetseite der schwedischen Staatsanwaltschaft. Wie der zuständige Stockholmer Behördensprecher Fredrik Berg der Nachrichtenagentur dpa in Stockholm mitteilte, wurde die Seite (http://aklagare.se) wie schon vor einer Woche durch massiven Zufluss von Anfragen überlastet und blockiert («Distributed Denial of Service»).

dpa-infocom