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Immer müde: Chronisches Erschöpfungssyndrom

Berlin Wenn Müdigkeit zum Dauerzustand wird: Extreme Erschöpfung kann ein Anzeichen des Chronischen Erschöpfungssyndroms sein, dem Ärzte oft erst nach langer Zeit auf die Spur kommen. Das macht die Therapie meist schwierig.

Müdigkeit ist meist eine Folge von zu wenig Schlaf oder von körperlicher Überanstrengung. In der Regel geht der Erschöpfungszustand daher spätestens dann wieder vorbei, wenn sich Übernächtigte und Überanstrengte mal ordentlich ausschlafen. Doch Müdigkeit kann auch ein belastender Dauerzustand sein: Mediziner kennen sie in dieser Form als ein Symptom des Chronischen Erschöpfungssyndroms, auch Chronic Fatigue Syndrome (CFS) genannt.

Das sei eine komplexe Erkrankung , die sich vor allem in einer extremen Erschöpfung äußert, erläutert der Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom Fatigatio, eine Selbsthilfeorganisation für CFS-Patienten. Neben der «lähmenden Erschöpfung» mache sich das CFS unter anderem durch Kopf-, Hals-, Muskel und Gelenkschmerzen sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bemerkbar.

«Man fühlt sich müde - unabhängig vom biologischen Rhythmus», erläutert Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. «Die Leute stehen morgens auf, sind gerädert, kommen nicht richtig in die Gänge und sind schlecht gelaunt.» Dann komme wieder die «grauenvolle Nacht», in der sie schlecht schlafen. «Sie haben oft das Gefühl, sie hätten eine Dauergrippe», beschreibt Falkai den Zustand.

Was genau sich hinter dem Syndrom verbirgt, ist nicht endgültig geklärt. Als Auslöser werden laut Fatigatio zum Beispiel Immunfehlfunktionen, Viren, hormonelle Störungen, Pilze, psychische Faktoren, Stress oder Umwelteinflüsse diskutiert. Kern der Erkrankung sei offenbar eine Schwächung oder chronische Aktivierung des Immunsystems.

Laut Prof. Wolfgang Huber, Internist, Nephrologe und Umweltmediziner in Heidelberg, ist das Syndrom eine systemische Entzündungserkrankung, bei der Stoffwechsel und Energieversorgung der Zellen aus dem Gleichgewicht geraten sind. «Die Batteriezelle entleert sich», schildert er die Vorgänge im Körper. Oft gehe der Erkrankung ein Infekt mit körperlichem Zusammenbruch voraus. Schädliche Umwelteinflüsse könnten ihren Teil beitragen. Vor allem Belastungen durch Quecksilber aus Amalgamfüllungen oder Kontakt mit Holz- und Insektenschutzmitteln spielten hier eine Rolle.

Die Diagnose von CFS sei jedoch kompliziert, sagt Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) in Wiesbaden. Weil es ein so breites Spektrum unspezifischer Symptome gibt, die oft mit denen anderer Erkrankungen identisch seien, müssten zunächst organische oder psychosomatische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Es gehe darum, herauszufinden, warum der Patient leidet. «Man sucht da ein bisschen wie nach der Nadel im Heuhaufen. Der Arzt braucht zum Teil monatelang, bis er die Ursache findet.»

Zunächst müsse er prüfen, ob der Patient nicht aufgrund starker körperlicher Anstrengung oder einer kräftezehrenden Operation erschöpft ist, erläutert Wesiack. Dann kläre der Arzt ab, ob andere Erkrankungen dahinter stecken. Auch Stress oder Depressionen kämen als Auslöser in Betracht. «Erschöpfung ist auch ein Kardinalsymptom der Depression», sagt er. Wenn Menschen Angehörige verloren haben, eine schwere Erkrankung der Kinder miterleben mussten oder am Arbeitsplatz ständig Ärger auszuhalten haben, könne auch das solche Begleiterscheinungen hervorrufen.

Ähnlich schwierig ist laut Wesiack die Therapie von CFS-Patienten. Für den behandelnden Arzt bestehe das größte Problem darin, dass es bei dem Syndrom keine klare Diagnose gibt. Wo soll er also dann bei der Therapie ansetzen? Es gebe bei CFS keine Pauschalregel, wann und wie eine Therapie anschlägt, muss auch Huber einräumen.

Für die Betroffenen ist dieser Zustand oft sehr belastend. Sie leiden nicht nur unter der Krankheit, sondern auch unter den sozialen und psychischen Folgen. Laut Fatigatio nehmen selbst manche Ärzte sie nicht ernst und stempelten sie als psychisch labil ab. Falkai empfiehlt, sich von einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie untersuchen zu lassen, wenn man mindestens 14 Tage lang das beschriebene Krankheitsgefühl hat und der Hausarzt keine Ursache dafür finden kann.

Selbsthilfeverein

DGPPN- Patientenportal

BDI-Patientenportal Hohe Dunkelziffer bei den Betroffenen Wie viele Patienten in Deutschland unter dem Chronic Fatigue Syndrome leiden, ist nicht gesichert. Der Internist Prof. Wolfgang Huber geht von 0,8 bis 2,7 Prozent der Bevölkerung aus. Wobei er wegen der komplizierten Diagnose mit einer «Riesen-Dunkelziffer» rechnet. Die Selbsthilfeorganisation Fatigatio beziffert die Zahl der Erkrankten in Deutschland auf 300 000. Von Felix Rehwald, dpa

dpa-infocom


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