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Delfinarien auf dem Rückzug - Streit um Haltung

Münster Mit dem Tod eines Delfin-Babys im Nürnberger Zoo geraten Delfinarien wieder in die Kritik.

Die Haltung in Gefangenschaft sei nicht artgerecht, kritisieren Tierschützer. Der Zoo in Münster schließt sein Delfinarium 2012 - aus wirtschaftlichen Gründen.

Es ist feucht, es riecht nach Chlor , ein Seelöwe grölt. Die Tribünen des Delfinariums im Zoo von Münster sind voller Schulkinder. Jetzt kommen die Delfine. Sie springen, werfen Ringe und Bälle, schießen mehrere Meter hoch aus dem Wasser. Das sieht spielerisch aus. Doch ist es artgerecht?

Tierschützer bezweifeln das. Seit der Dokumentation «Die Bucht» (2008), die schockierende Bilder vom Delfinfang in Japan zeigte, sind die Proteste gegen das Halten von Delfinen in Gefangenschaft wieder lauter geworden. «Grundsätzlich werden die Delfinarien ein Auslaufmodell sein», meint der Chef des Delfin- und Walschutzforums, Jürgen Ortmüller. In Großbritannien sind nach seinen Angaben bereits alle ursprünglich 30 Delfinarien dicht.

In Deutschland wurden bereits mehrere Delfinarien geschlossen. Insgesamt 17 Delfine sind an den drei verbliebenen Standorten Duisburg, Nürnberg und Münster zu sehen. Doch der dortige Zoo schließt 2012 sein Delfinarium und verweist auf wirtschaftliche Gründe. Gemessen an den Einnahmen lohne sich der Erhalt nicht mehr. Daher sollen langfristig Seelöwen das Delfin-Programm ersetzen.

Für Ortmüller ist das Delfinarium ein Dorn im Auge. Die Tiere würden gequält, lebten auf zu kleinem Raum in unhygienischen Becken, in die kein Sonnenlicht komme, sagt der Kritiker. Durch den Tod eines Delfinbabys des Nürnberger Zoos vor wenigen Tagen sieht er sich in seiner Haltung bestätigt. Es sei das neunte Delfinjunge seit 2004, das kurz nach der Geburt gestorben sei.

Delfin-Dompteur Jörg Feldhoff arbeitet seit den 80er Jahren mit Delfinen. Er kennt die Argumente seiner Gegner. «Es ist scheinheilig: Ich bin entweder gegen jede Art von Tierhaltung, auch die von Jagdhunden zu Hause, oder ich lasse es sein.» Die Freiheit sei für die Tiere nicht zwangsläufig besser: «Sie birgt auch Gefahren.»

Die Kunststücke hielten die Tiere fit. «Delfine haben einen enormen Bewegungsdrang», sagt der Dompteur. Ortmüller sieht das anders: «Die antrainierten Kunststücke machen sie nur, weil sie gefüttert werden.» Kein Delfin springe in Freiheit über Hindernisse.

Feldhoff ist sich sicher, anhand der Spiellust seiner Delfine zu erkennen, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Zudem würden die Tiere ständig medizinisch versorgt. Die Delfinschützer hoffen derweil, dass das Delfinarium noch früher schließt. «Delfine können niemals artgerecht gehalten werden», sagt Ortmüller. «Die Lebensqualität von Delfinen in Gefangenschaft ist gleich null.»

Der Beckenrand ist grün, der Boden schwarz gefleckt. Es hat sich Moos gebildet. Feldhoff räumt ein: «Wir kommen mit dem Säubern einfach nicht hinterher.» Aber das habe nichts damit zu tun, wie es den Tieren ginge. Größer könnte das Becken sicherlich sein. Und schön wäre eines draußen, sagt er.

Wo die vier Delfine aus Münster hinkommen werden, ist unklar. Einer kommt vielleicht nach Nürnberg, die drei anderen wahrscheinlich nach Holland. Am Ende der 15-minütigen Show schwimmen die Delfine auf dem Rücken. Zum Abschied winken sie mit der Flosse. Gesellige Meeressäuger Delfine gehören zu der Familie der Zahnwale und sind keine Fische, sondern Meeressäugetiere. Es gibt mehr als 40 Delfinarten. Delfine können zwei bis vier Meter groß werden. Sie sind äußerst gesellige Tiere und leben deshalb in Gruppen. In diesen Gruppen, auch «Schulen» genannt, gehen sie jagen.

Zwei der am weitesten verbreiteten Mythen betreffen den Spieltrieb und die Intelligenz von Delfinen. Weil Delfine über Wellen reiten, wird das oft auf ihre spielerische Art zurückgeführt. Erwiesen ist das jedoch nicht. Eine andere These lautet, dass sie deshalb aus dem Wasser springen, um kurzzeitig beim Jagen zu beschleunigen.

Delfine zählen mit dem Affen zu den intelligentesten Tieren auf der Welt. Die Gehirnmasse beim Delfin ist fast so groß wie beim Menschen. Nach Meinung von Forschern ist das ein Indiz dafür, dass sie komplex denken können und eine schnelle Auffassungsgabe haben. Andere Wissenschaftler glauben, dass das Delfinhirn so groß ist, weil es zur Körper-Erwärmung beitragen muss. Von Maryam Schumacher, dpa

dpa-infocom


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