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Weihnachtslotterie schüttet Milliarden aus

Madrid Die spanische Weihnachtslotterie ist die größte Lotterie der Welt.

Sie ist für die Spanier zu einer Tradition geworden und gehört zum Weihnachtsfest wie anderswo der Christbaum. Bei der Ziehung der Glückslose am Mittwoch werden 2,3 Milliarden Euro ausgeschüttet.

Ihre Kinder haben in Spanien Millionensummen unter die Leute gebracht, während die Mutter für ein Monatsgehalt von 1100 Euro als Putzfrau schuftet. Die in Madrid lebende Ecuadorianerin Elsa P. hat zwölf Söhne und Töchter. Drei von ihnen wurde in den vergangenen Jahren die Ehre zuteil, im Fernsehen die Hauptgewinne der spanischen Weihnachtslotterie zu verkünden. Die elfjährige Yajaira durfte vor einem Jahr einem Millionenpublikum gar die Glücksziffer mit dem Hauptgewinn, genannt «El Gordo» (der Dicke), vortragen. Auf jedes der 195 Lose mit der Gewinnziffer entfielen je drei Millionen Euro.

Bei der Ziehung an diesem Mittwoch (22. Dezember) wird Yajaira wieder mit von der Partie sein. Die spanische Weihnachtslotterie ist die größte Lotterie der Welt. Es wurden Lose für insgesamt 3,3 Milliarden Euro zum Verkauf angeboten, 2,3 Milliarden werden als Gewinne ausgeschüttet. Die Ziehung der Lose ist für die Spanier zu einem festen Bestandteil der Weihnachtszeit geworden. Die Prozedur dauert mehr als drei Stunden und wird live im Fernsehen übertragen. Aus einer Trommel werden die Ziffern der Glückslose gezogen, aus einer anderen die jeweiligen Gewinnsummen.

Nach einer alten Tradition tragen Schüler und Schülerinnen des Madrider San-Ildefonso-Internats, eines früheren Waisenheims, die gezogenen Zahlenkombinationen in einem monotonen Singsang vor. Diese Schule besuchen auch Yajaira und mehrere ihrer Geschwister. «Es tut mir in der Seele weh, dass ich meine Tochter am Mittwoch nicht in den Ziehungssaal begleiten kann», sagte die Mutter des Mädchens der Zeitung «El Mundo». «Ich muss arbeiten gehen.»

Die 48-Jährige war vor elf Jahren nach Spanien übergesiedelt, nachdem der Vater ihrer Kinder sie in Ecuador sitzengelassen und eine andere Frau geheiratet hatte. Sie kaufte sich keine Lose, bis ihre Tochter Eliana bei der Ziehung 2005 die Nummer des «Dicken» vortragen durfte. Seither erwirbt sie jedes Jahr vier Zehntel-Lose für insgesamt 80 Euro. Dies sind gut zehn Euro mehr, als die Spanier im Durchschnitt für die Weihnachtslotterie ausgeben.

Bei der Auswahl der Lose überlassen die Spieler nichts dem Zufall. Sie suchen die Losnummern mit Bedacht aus. Dabei ist eine gehörige Portion Aberglaube im Spiel. Die begehrtesten Lose waren die mit der Nummer 11710. Sie sind seit Monaten ausverkauft, denn sie enthalten das Datum des 11. Juli 2010, an dem Spanien zum ersten Mal die Fußballweltmeisterschaft gewann.

Da ein ganzes Los stolze 200 Euro kostet, kaufen die Spanier sich normalerweise nur Anteile in Form von Zehntel-Losen oder teilen sich Gemeinschaftslose mit Freunden und Kollegen. Dies hat zur Folge, dass auch die Gewinne aufgesplittert werden. Trotz der immensen ausgeschütteten Summen macht die Lotterie kaum jemandem zum Millionär, sondern verteilt ihre Gewinne auf die Bewohner ganzer Ortschaften oder Stadtviertel.

Die Weihnachtslotterie - Lotería de Navidad - ist nicht nur die größte, sondern auch die älteste Lotterie der Welt. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1763 zurück. In der heutigen Form wird sie seit 1812 ausgespielt. Ihren Namen erhielt sie 1892. Von Hubert Kahl, dpa

dpa-infocom