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Musik

Pop 2010: Eine Lady, ein Graf und unsere Lena

Berlin Der Pop ist tot, es lebe der Pop: In Zeiten der Plattenkrise, der Castingsternchen-Flut und ausbleibender großer Trends wird der Pop gern totgesagt.

Doch dann kommen immer wieder junge Talente, exzentrische Überflieger oder einfach nur gute Songs, die den Pop retten - irgendwie.

So war das auch 2010: Lieder, Menschen , Sensationen bestimmten das Pop-Jahr - allen voran Lady Gaga, die alle drei Kategorien in sich vereint. Mit «Alejandro» legte sie einen veritablen, wenn auch nicht grandiosen, Nachfolge-Hit zu «Poker Face» vor. Wichtiger aber: Das fast neunminütige Video zum Song und ihre ironisch-provokante «Monster Ball Tour» mit geköpften Kuscheltieren. Modische Extravaganzen wie das Rindfleisch-Kleid, durchsichtige Plastik-Outfits oder Lack-Latex-Metall-Klamotten stellen die 24-Jährige außerdem stilistisch in die direkte Nachfolge von Pop-Ikone Madonna.

Dutzende Preise - von den Grammys über die Brits und Echos bis zu den MTV Awards - zeugen vom Gaga-Jahr. Im Frühjahr 2011 erscheint das nächste Album «Born This Way» - ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Ruhmeshalle des Pop?

International war also eine Lady am Drücker, national war es «der Graf». Nur mit seinem Nachnamen lässt sich der Frontmann der Aachener Formation Unheilig anreden, um sein Privatleben zu schützen. Denn seine Popularität explodierte im Frühjahr geradezu: Nach zehn Jahren auf der Bühne - meist vor einer kleinen Schar von Wave-Gothic-Fans - landete Unheilig mit dem Album «Große Freiheit» einen Volltreffer. Es wurde das dritterfolgreichste Album in der deutschen Chartgeschichte, «Geboren um zu leben» der Gänsehaut-Hit des Jahres, «der Graf» in seiner bescheidenen Art zum Medienliebling. Keine Frage, dass Unheilig nach dem Sieg bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest im nächsten Frühjahr auch bei den Echos abräumen dürfte: Den Echo als «Newcomer national» oder sogar einen Preis in einer Top-Kategorie?

Denn «Newcomer national» könnte auch eine 19-Jährige werden: Lena Meyer-Landrut verschaffte Deutschland im Mai ein verfrühtes Sommermärchen. Ihr «Satellite» flog in den europäischen Pop-Himmel, brachte Deutschland 28 Jahre nach Nicoles «Ein bißchen Frieden» den zweiten Sieg beim Eurovision Song Contest. Doch kein braves, schüchternes Mädchen mit Krystle-Carrington-Frisur stand da in Oslo auf der Bühne, auch kein oberflächliches Castingpüppchen, sondern eine kecke, unbefangene Göre. Und die will es 2011 erneut wissen: Nach ihrer ersten Tour im April will sie - angetrieben von Mentor Raab - am 14. Mai in Düsseldorf ihren Titel verteidigen. Das Wagnis eines peinlichen Absturzes? Vielleicht, doch wie würde Lena schlicht sagen?: «Alter Finne, boah, voll krass, ey.»

Noch jünger, noch erfolgreicher war Justin Bieber. Der 16-jährige Teenieschwarm aus Kanada hat neue Spitzenwerte auf der nach oben offenen Kreisch-Skala erreicht - wird aber von erwachsenen Pop-Fans gerne auch ausgebuht. Den jüngeren Mädchen ist das egal - sie schmelzen bei Bubi Bieber reihenweise dahin und dürften auch bei seinem 3D-Film «Never Say Never» im Frühjahr deutsche Kinosäle vollkreischen. Das gab es kürzlich auch in der Deutschen Botschaft in Tokio. Beim ersten Besuch von Tokio Hotel in der japanischen Hauptstadt standen die japanischen Mädels Schlange für ein Autogramm - endlich: Tokio-Fans für Tokio Hotel. Doch lange währte der Spaß nicht. Flugs verabschiedeten sich Bill, Tom, Gustav und Georg wieder ins Studio zur kreativen Schaffensphase für ein neues Album - Erscheinungsdatum: irgendwann 2011.

Weniger kreischig geht es heutzutage bei Take That zu: Die Jungs von damals sind mittlerweile ausgewachsene Männer Ende 30, die Fans sind ebenfalls älter geworden in den vergangenen 20 Jahren. Dennoch dürfte die Tour im kommenden Jahr für viele ein unvergessliches Erlebnis werden - nämlich eine Zeitreise in die wunderbaren Jahre ihrer Jugend, als sie zum ersten Mal Robbie, Gary, Jason, Howie und Mark zujubelten. Und diese Fünf sind ja erst seit dem Spätsommer wieder musikalisch vereint. So wie damals eben.

Nur drei Deutschlandkonzerte geben die Briten im Sommer - über ein Dutzend plant dagegen Dauerbrenner Herbie. Mit seinem frischen Album (erscheint im Februar) wird Herbert Grönemeyer im Frühsommer durch Deutschland touren - für Hunderttausende schon jetzt die Tournee des Jahres 2011. Von Patrick T. Neumann, dpa

dpa-infocom